Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefordert

Geisterspiel: Verhandlung am Donnerstag

Das Millerntor-Stadion in Hamburg

Der Rasen ist inzwischen verlegt, die Zuschauer könnten am Millerntor beim nächsten Heimspiel jedoch ausgesperrt bleiben. imago

Der FC St. Pauli hatte am Donnerstag schon dem Antrag des Kontrollausschusses nicht zugestimmt und entschied sich am Freitag nach dem Einzelrichter-Urteil, eine mündliche Verhandlung zu beantragen. Präsident Stefan Orth: "Wir möchten unseren Standpunkt in einer mündlichen Verhandlung erläutern."

Das Sportgericht des DFB verhandelt nun am Donnerstag ab 15 Uhr in Frankfurt die Sportstrafsache St. Pauli. Geleitet wird die Verhandlung von Hans E. Lorenz, dem Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts.

Vereinsdaten FC St. Pauli

Gründungsdatum15.05.1910

Mitglieder29.000

VereinsfarbenBraun-Weiß

Anschrift Harald-Stender-Platz 1
20359 Hamburg

Internetwww.fcstpauli.com

Vereinsinfo

"Das ist ein zu hartes Urteil", hatte Teammanager Christian Bönig schon nach dem Antrag des Kontrollgremiums geäußert: "Das war ein Einzeltäter, der in einer Affekthandlung den Bierbecher geworfen hat. Das war nicht organisiert. Außerdem wird in Werder Bremen ein Unbeteiligter bestraft. Das können wir nicht hinnehmen." Auch die Gästefans sind von der Partie ausgeschlossen.

Die Urteilsbegründung

"Die Verursachung eines Spielabbruchs stellt einen schweren Eingriff in das Spielgeschehen und den Wettbewerb dar und kann nur mit einer konsequenten Sanktion geahndet werden. Die Sanktion ist auch aus generalpräventiven Gesichtspunkten erforderlich und soll künftigen Rechtsverletzungen vorbeugen. Dabei geht es um den Schutz individueller Rechtsgüter wie die körperliche Unversehrtheit von Spielern, Schiedsrichtern, Offiziellen und Zuschauern sowie die Aufrechterhaltung eines geordneten Spielbetriebs und Wettbewerbs. Dem Sportgericht sind die Initiativen des FC St. Pauli bei der Förderung einer besonderen Fankultur bekannt. Diese werden durch das Urteil nicht infrage gestellt." (Sportgerichtsvorsitzender Hans E. Lorenz)

Nach dem Urteil des Sportgerichts ist das Heimspiel des FC St. Pauli betroffen, das nach einem rechtskräftigen Urteil folgt. In dieser Saison spielt der Abstiegskandidat zuhause noch gegen Werder Bremen (23. April) und Bayern München (7. Mai). Es wäre das erste Mal, dass in Deutschlands höchster Spielklasse eine Partie unter Ausschluss der Öffentlickeit stattfindet. In der 2. Liga (Aachen-Nürnberg, 26. Januar 2004, 3:2) und der 3. Liga (Erfurt-Bremen II, 30. August 2008, 3:1) gab es bislang je ein "Geisterspiel".

Co-Trainer Andre Trulsen hatte schon am Donnerstag Stellung genommen: "Die ganze Sache ist sehr ärgerlich, aber wir müssen das wohl hinnehmen. Ohne unsere Fans im Abstiegskampf gegen einen direkten Mitkonkurrenten zu spielen, ist ein schwerer Nachteil für uns." Auch ein finanzieller. Den abstiegsgefährdeten Klub erwartet nun eine Einbuße von rund 750.000 Euro, da das Nord-Derby gegen die Bremer mit rund 24.400 Zuschauern ausverkauft war.

zum Thema

Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte die Begegnung am Millerntor am vergangenen Freitag in der 87. Minute beim Stand von 2:0 für Schalke abgebrochen, nachdem sein Assistent Thorsten Schiffner von einen aus dem Hamburger Zuschauerbereich der Haupttribüne geworfenem Bierbecher im Nacken getroffen worden war. Während des Spiels waren bereits Feuerzeuge und Münzen in Richtung der Assistenten geworfen worden. Nach dem Abbruch musste das Schiedsrichtergespann vor weiteren Wurfgeschossen geschützt werden.

Das DFB-Sportgericht hatte die Partie am Dienstag mit 2:0 für Schalke gewertet.