Hamburg nach der Derby-Absage

Absage, Ausschreitungen, Entschuldigung

Hamburg

Ins Wasser gefallen: Das Hamburger Derby wurde wegen Unbespielbarkeit des Rasens abgesagt. imago

Zunächst der Reihe nach: Die starken Niederschläge der vergangenen zwei Tage machen einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb in der Hamburger Arena unmöglich. Die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingesetzte Stadionkommission mit Schiedsrichter Günter Perl entschied am Samstagabend, dass die Partie wegen Unbespielbarkeit des Platzes entfallen muss. Dabei wurde berücksichtigt, dass laut Wetterprognosen unwetterartige Regenfälle von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter für Sonntag vorausgesagt worden waren. Es war die zehnte Absage eines Bundesligaspiels seit 2000.

Zur gleichen Einschätzung kamen die Profis des HSV sowie Trainer Armin Veh, die den Untergrund im Volkspark beim Vormittagstraining testen durften. "Es wäre unmöglich gewesen, dort zu spielen", erklärte Veh. St. Paulis Teammanager Christian Bönig überzeugte sich ebenfalls vor Ort: "Da ging wirklich nichts", sagte er daraufhin.

Vereinsdaten Hamburger SV

Gründungsdatum29.09.1887

Mitglieder84.237

VereinsfarbenBlau-Weiß-Schwarz

Anschrift Sylvesterallee 7
22525 Hamburg

Internetwww.hsv.de

Vereinsinfo
Vereinsdaten FC St. Pauli

Gründungsdatum15.05.1910

Mitglieder27.000

VereinsfarbenBraun-Weiß

Anschrift Harald-Stender-Platz 1
20359 Hamburg

Internetwww.fcstpauli.com

Vereinsinfo

Kritiker werfen dem HSV vor, dass er erst am Freitagabend die komplette Rasenerneuerung abgeschlossen hatte, was als zu spät eingestuft wird. Das letzte Heimspiel der Hamburger fand am 21. Januar statt - 16 Tage vor dem Derby! Der HSV indes weist jegliche Schuld von sich und verweist darauf, dass auch das alte Geläuf nicht ausgereicht hätte. "Diese Wassermassen hätte auch der alte Rasen nicht aufgenommen", erklärte Stadionchef Kurt Krägel und fügte hinzu: "Die Drainage ist nach Norm auf fünf Liter pro Stunde ausgelegt."

Diese Wassermassen hätte auch der alte Rasen nicht aufgenommen.

HSV-Stadionchef Kurt Krägel

Unterdessen wunderten sich die Profis des FC St. Pauli, warum sie am Samstag auf ihrem Trainingsgelände spielen konnten, während dies im Stadion des Hamburger SV nicht möglich war. Das Derby ist allerdings nicht das einzige Spiel, das abgesagt wurde. Am Wochenende wurden zahlreiche Spiele in den unteren Klassen Hamburgs und Schleswig-Holsteins abgesagt.

Am Sonntag kamen zunächst Gerüchte auf, St. Pauli würde Schadenersatzforderungen gegen den HSV geltend machen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Für das 16. Lokalderby war erstmals ein Public Viewing mit rund 12.000 Fans im Millerntor-Stadion geplant, weswegen auch zwei Videowände installiert worden waren. Die Kosten dafür beliefen sich auf knapp 15.000 Euro. Nach einem Gespräch zwischen HSV-Boss Bernd Hoffmann und St.-Paulis Präsident Stefan Orth, gab letzter bekannt, dass man beim nächsten Derby diesbezüglich zusammenarbeiten wolle: "Herr Hoffmann hat seine Hilfsbereitschaft angedeutet, uns beim nächsten Public Viewing zu unterstützen", sagte Orth.

Randale in der Nacht - Ursachen unklar

St. Paulis Fan-Kneipe Jolly Roger

Ziel der Angriffe: St. Paulis Fan-Kneipe Jolly Roger. imago

In der Nacht folgten schließlich Ausschreitungen auf Hamburgs Straßen. Anhänger des HSV hatten ein Fan-Lokal mit St.-Pauli-Anhängern, das "Jolly Roger", angegriffen. Die Sicherheitskräfte waren zwar schnell vor Ort und schafften es, die Randalierer auseinanderzutreiben. Allerdings dauerte es fast vier Stunden, ehe die Lage wieder vollends ruhig war. Die Bilanz: 45 Randalierer kamen in Gewahrsam, vier leicht verletzte Polizisten und zahlreiche Sachschäden - darunter mehrere Lokale sowie ein Streifenwagen.

Über die genauen Ursachen herrscht noch Unklarheit. Ob es aus Wut über die Spielabsage geschah oder von Hooligans lange geplant war, ist nicht bekannt. Die Ermittlungen diesbezüglich laufen inzwischen.

HSV-Boss Hoffmann entschuldigt sich

Am Sonntag meldete sich St. Paulis Präsident Stefan Orth zu Wort. "HSV-Chef Bernd Hoffmann hat mich angerufen und sich entschuldigt, auch für die Ausschreitungen von HSV-Fans in der Nacht", sagte Orth bei einer Pressekonferenz und fügte hinzu: "Es war eine Verkettung unmöglicher Umstände. Den Ausfall zu prüfen, liegt nicht in meiner Macht." Allerdings versicherte er auch, dass ein Spiel im Millerntor-Stadion auf St. Pauli möglich gewesen wäre. "Wir hätten zwei Tage vorher eine Schwammwalze eingesetzt. Der Rasen wäre spielbereit gewesen", beteuerte Orth.

Wann das Spiel nun wiederholt wird, ist noch nicht entschieden. St. Pauli macht sich für den 16. Februar stark, am Montag will die DFL den Nachholtermin bekanntgeben.