Cottbus: Trainer Wollitz im kicker-Interview

"Wir wissen, wie Fußball geht"

Claus-Dieter Wollitz

Blick nach vorne: Claus-Dieter Wollitz bleibt in der Lausitz. picture alliance

kicker: Sie verlängern Ihren Vertrag in Cottbus bis 2013. Haben Sie auf Ihre Frau gehört, auf Präsident Ulrich Lepsch oder auf Ihren Bauch, Herr Wollitz?

Claus-Dieter Wollitz: So eine Entscheidung trifft man nicht aus dem Bauch heraus. Mit dem Präsidenten waren die Eckdaten seit Mitte Oktober klar. Der entscheidende Punkt war die Familie. Wir schauen jetzt, ob wir eine passende Schule für meine Tochter finden - dann zieht die Familie im Sommer nach Berlin.

kicker: Nicht nach Cottbus?

Wollitz: Die Kinder sollten nie in die Stadt ziehen, in der ihr Vater als Trainer arbeitet. Wenns sportlich nicht läuft, kriegen sie das erfahrungsgemäß zu spüren.

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kicker: Sie haben nach dem Pokal-Triumph in Wolfsburg aus Ärger über einige Fans, die Pyrotechnik gezündet hatten, mit Rücktritt gedroht. Wie sehr haben Sie danach mit sich gerungen?

Wollitz: Wenn ich nicht verlängert hätte, hätte ich sofort aufhören müssen. 17 Spiele als Trainer auf Abruf, das hätte wohl nicht funktioniert. Aber ich wollte meine Mannschaft nicht im Stich lassen. Ich weiß, wie sie tickt, wie sie zu führen ist. Da ist gegenseitiges Vertrauen gewachsen als Basis des Erfolgs.

kicker: Der Sprecher des Dachverbandes der Energie-Fans plädiert für eine Aussprache mit Ihnen. Sind Sie dazu bereit?

Wollitz: Ich bin ständig im Dialog mit den Fans. Ich habe mir das Interview von Wolfsburg noch mal angeschaut: Das war emotional aufgewühlt, aber inhaltlich stehe ich voll dahinter. Ich weiß, dass die meisten Fans vernünftig sind. Die sollten sich auch nicht angesprochen fühlen. Aber um Raketen ins Stadion zu schmuggeln, braucht es eine Logistik: Dass da 15 Leute drinhängen und die anderen 2000 nichts mitbekommen, kann ich nicht glauben. Deshalb war es ein Appell an alle, wachsam zu sein.

kicker: Werden Sie auch künftig den Finger in die Wunde legen?

Wollitz: Wenn mir Dinge, den Verein betreffend, am Herzen liegen, spreche ich sie an - ob das immer öffentlich passiert, muss ich sehen. Aber dass ich der Buhmann bin, weil ich für die Vermarktung des Stadionnamens plädiere und den FC Energie damit konkurrenzfähiger aufstellen will, ist ein Witz. Man kann nicht Bier bestellen und Champagner trinken wollen.

kicker: Energie ist Dritter. Wären Sie damit am Ende zufrieden?

Wollitz: Ich gebe dem Zweitliga-Dritten in der Relegation nur eine 10-Prozent-Chance gegen den Drittletzten der 1. Liga - es sei denn, Hertha wird Dritter.

kicker: Die ersten acht Teams der 2. Liga trennen fünf Punkte. Wird es ein Krimi bis zum Schluss?

Wollitz: Für Hertha und Augsburg ist der Aufstieg ein Muss. Die Überraschung ist nicht, dass beide oben stehen - die Überraschung ist, dass sich beide bislang nicht absetzen konnten.

kicker: Und Energie?

Wollitz: Wir kämpfen mit vier, fünf Teams um Platz drei. Der Sieg in Wolfsburg war eine Überraschung, aber nicht unsere Spielweise: Wir haben eine Struktur, ein Konzept - und wir wissen, wie Fußball geht. Dass wir 2010 Dortmund, den HSV (in Testspielen - d. Red.) und Wolfsburg schlugen, ist nicht nur Zufall.

Ich gebe dem Zweitliga-Dritten in der Relegation nur eine 10-Prozent-Chance gegen den Drittletzten der 1. Liga - es sei denn, Hertha wird Dritter.

Claus-Dieter Wollitz

kicker: Adlung, Kronaveter und Sörensen kehren zurück, Shao ist auf dem Weg zu alter Fitness...

Wollitz: ...und wird, wenn er gesund bleibt, unser Mann der Rückrunde. Er gehört zu den besten fünf Spielern der 2. Liga.

kicker: Wen holen Sie noch?

Wollitz: Niemanden - wenn uns bis Ende des Monats keine Langzeitverletzungen passieren.

kicker: Ist nichts auf dem Markt?

Wollitz: Doch. Valdet Rama, mit dem ich sprach, schätze ich. Aber wenn ich jetzt einen Neuen hole, muss er spielen. Dazu müsste ich einen aus der Stammelf opfern. Und das hat niemand verdient.

kicker: Verlängert Emil Jula?

Wollitz: Ihm liegt ein neuer Dreijahresvertrag, der für beide Ligen gilt, vor. Jetzt ist Emil am Zug.

kicker: Was wollen Sie bis 2013 mit Energie erreichen?

Wollitz: Den Aufstieg.

Steffen Rohr