Vergabe der Weltmeisterschaften

Wird Entscheidung über 2022 vertagt?

Joseph S. Blatter

Denkt über eine Alternative zur Doppelvergabe der WM 2018 und 2022 nach: FIFA-Boss Sepp Blatter. picture alliance

Nach der Suspendierung von zwei Mitgliedern der Fifa-Exekutive aus Nigeria und Tahiti sind Korruptionsvorwürfe gegen drei weitere Mitglieder der vormals insgesamt 24 Personen großen Exekutive erhoben worden. Darüber hinaus soll es im Vorfeld der geheimen Abstimmung über die Vergabe der beiden Turniere Absprachen gegeben haben.

Seit Montagabend ist es nicht mehr sicher, dass die Vergabe der Weltmeisterschaften am Donnerstag um 16 Uhr in der Messe Zürich wie geplant erfolgt. Nach kicker-Recherchen stehen in der Fifa-Zentrale folgende zwei Alternativen zur Diskussion:

a) Am Donnerstag wird nur die WM 2018 vergeben. Über die WM 2022 soll dann erst im Jahr 2012 entschieden werden.

b) Bleibt es bei der umstrittenen "Doppelvergabe", steht, erstmals in der Geschichte, eine offene Abstimmung zur Diskussion.

Die Vorwürfe gehen weit über die auch staatsanwaltschaftlich verfolgten Schmiergeldzahlungen hinaus. Sie greifen bis in höchste politische Kreise. So soll sich Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei UEFA-Präsident Michel Platini, einer der acht Fifa-Vizepräsidenten, für eine WM-Vergabe an Katar ausgesprochen haben.

zum Thema

Schon vor einem Jahr hieß es in Fifa-Kreisen, dass Katar (knapp eine Million Einwohner, 180 Kilometer Nord-Süd-Ausdehnung, 80 km Ost-West und damit noch deutlich kleiner als Schleswig-Holstein) beste Chancen auf eine WM-Ausrichtung habe. Emir Scheich Hamad bin Khalita Al-Thani garantierte der Fifa nicht nur ein milliardenschweres Geschäft, sondern kündigte auch an, angesichts von Durchschnittstemperaturen um 40 Grad Celsius Stadien und Trainingsplätze durch Klimaanlagen kühlen zu lassen. Eine WM-Vergabe an Katar würde die WM trotzdem zu einer extremen Belastung für Spieler und Fans werden lassen.

Franz Beckenbauer, der auf dem Fifa-Kongress am 22. März aus persönlichen Gründen aus der Exekutive ausscheiden wird und von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger beerbt werden soll, hatte schon am Wochenende erklärt: "Es war ein Fehler, beide Weltmeisterschaften gemeinsam zu vergeben. Der Grund war die Planungssicherheit - vielleicht kann man zwei Weltmeisterschaften hintereinander besser vermarkten als eine. Im Nachhinein sind alle der Meinung, dass es ein Fehler war." Ein Fehler, der bis zum Donnerstag womöglich noch korrigiert wird.

Rainer Franzke