Coach Bert van Marwijk warnt

Kuijt: "Wir wollen alles"

Kuyt, van Bommel und van Marwijk (v. li.)

Siegerlächeln: So stellen sich Dirk Kuijt, Mark van Bommel und Coach Bert van Marwijk das auch gegen Uruguay vor. imago

"Natürlich bin ich glücklich. Aber wir laufen jetzt nicht den ganzen Tag stolz herum und machen eine Polonaise. Wir sind noch nicht am Ziel", äußerte sich Niederlandes Coach Bert van Marwijk nach dem 2:1-Erfolg gegen Brasilien relativ nüchtern. "Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Wir haben eine Mission zu erfüllen und wollen Weltmeister werden. Das nächste Spiel ist ein ganz gefährliches. Die Spieler von Uruguay sind große Kämpfer und Überlebenskünstler", so van Marwijk vor dem entscheidenden Duell um den Einzug ins WM-Finale gegen die "Celeste" am Dienstag in Kapstadt (20.30 Uhr).

Dabei gilt es für den Bondscoach auch ein Personalpuzzle zu lösen, denn die gelbgesperrten Gregory van der Wiel und Nigel de Jong fallen aus, während HSV-Ass Joris Mathijsen nach seiner Knieblessur, die er sich beim Aufwärmen vor der Partie gegen die Seleçao zugezogen hatte, wieder zur Verfügung steht.

Drei Wechsel sind so wohl bei Oranje vorprogrammiert: Khalid Boulahrouz vom Bundesligisten VfB Stuttgart sowie Demy de Zeeuw von Ajax Amsterdam haben die besten Karten, die beiden Gelbsünder zu ersetzen, während Ooijer, mäßiger Vertreter von Mathijsen, wieder ins zweite Glied rücken wird.

Letzte Finalteilnahme: 1978!

Die Chancen der "Elftal", erstmals seit 1978 (1:3 n.V. gegen Argentinien) wieder einmal in ein WM-Finale einzuziehen, sind nicht schlecht - Robben & Co. gelten als leichter Favorit. Der zunächst in den Niederlanden umstrittene van Marwijk hat seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren aus einer Ansammlung hervorragender Fußballer eine Einheit geformt, die um den Titel mitspielen kann. Mit seinem Schwiegersohn Mark van Bommel, der neben Kapitän Giovanni van Bronckhorst der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz ist, hat er den Stars Wesley Sneijder, Arjen Robben und Robin van Persie trotz kleinerer Eifersüchteleien das Sieger-Gen eingepflanzt.

Co-Trainer Frank de Boer - einst selbst ein Weltklassespieler - spricht sogar von einer "Kulturrevolution". "Noch bei der EM 2008 haben wir große Spiele gemacht, 3:0 gegen Italien, 4:1 gegen Frankreich, dann aber gegen Russland sang- und klanglos verloren. Unser Ziel war, Stabilität zu gewinnen. Dieses Team ist reif, es hat ein System verinnerlicht. Wir können jetzt ein Spiel schlecht beginnen und doch siegen", sagte de Boer.

Spielbericht

Tatsächlich bot Holland bislang wenig Zauberfußball, eher führte ein sachlicher Weg zum Ziel, sprich zu bislang fünf Siegen. Auch Liverpool-Star Dirk Kuijt glaubt an die eigene Stärke: "In dieser Gruppe steckt so viel. Wir wollen mehr. Wir wollen alles."

Mit dem Sieg gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien legte die "Elftal" nach den Niederlagen bei den Weltmeisterschaften 1994 und 1998 nicht nur ihren Brasilien-Fluch, sondern gleich auch ihr Portugal-Trauma der WM 2006 ab. Beim 0:1 im Achtelfinale brach damals das Chaos auf dem Platz aus. 16 Gelbe Karten und vier Platzverweise zerstörten das Spiel der Niederlande.

"Bei der WM in Südafrika konnte jeder sehen, wie sehr sich das Team im Vergleich zu damals weiterentwickelt hat. Damals ist alles außer Kontrolle geraten. Mittlerweile ist die Mannschaft mental aber so stark, dass wir uns vom Auftreten des Gegners nicht mehr durcheinanderbringen lassen. Und am Dienstag gegen Uruguay werden wir wieder so spielen, als wäre es die letzte Partie unseres Lebens", sagte Kuijt.