Spanien: Trainer warnt vor Portugal

Del Bosque: "Auf Leben und Tod"

Erwartet einen "extrem harten Gegner": Spaniens Trainer Vicente del Bosque.

Erwartet einen "extrem harten Gegner": Spaniens Trainer Vicente del Bosque. imago

Aber damit haben sie ja mittlerweile gelernt umzugehen nach der Auftaktniederlage gegen die Schweiz, den Sorgen um den zwischenzeitlich angeschlagenen, nun aber wiederhergestellten Iniesta und dem anfänglichen Dauerdruck der Chilenen beim abschließenden Endspiel um den Gruppensieg: Nun verletzte sich also Verteidiger Raul Albiol im Training bei einem Zweikampf an der Wade. Doch nach einer Untersuchung im Krankenhaus ist klar: Der Ersatzmann von Gerard Piqué und Carles Puyol wird nicht längerfristig ausfallen.

Es ging ja zuletzt ohnehin mehr um die psychischen denn die physischen Leiden in der Mannschaft von Nationaltrainer Vicente del Bosque, der dies nach dem Sieg gegen Chile und dem damit errungenen Ticket für das morgige Duell mit Portugal noch mal ganz deutlich machte: "Wir haben schwierige Momente hinter uns." Das 0:1 gegen die Schweiz habe die Mannschaft "mental wie auch spielerisch" lange aus dem Gleichgewicht gebracht.

Weil die Spieler nicht wie gewohnt liefen, lief auch der Ball nicht wie üblich am Schnürchen. Zu der eingeschränkten Ballzirkulation kamen läuferische Nachlässigkeiten, und weil die Räume nicht wie gewohnt genutzt wurden, gab es weniger Chancen. Oder sie wurden wie gegen Honduras teils horrend vergeben. Irgendwann kamen dann die Nerven mit ins Spiel und Spanien erlebte "schwierige Phasen", so der gegen Chile mit Knöchelproblemen ausgewechselte und für das Portugalspiel fragliche Xabi Alonso. Cesc Fabregas oder Javi Martinez könnten ihn nun vertreten.

Als einer der großen Favoriten gestartet, war die "Seleccion" in der Gruppenphase fast unvorbereitet mit dem Aus konfrontiert worden - und litt. "Wir wussten, was auf dem Spiel stand und waren sehr angespannt", gab Spielmacher Xavi nach Abschluss der Gruppenphase zu. "Wir hatten großen Druck, und das zeigte sich auf dem Platz."

Dort war die spanische "Roja" vom chilenischen Pendant anfangs fast überfahren worden. Einzig der mangelnden Chancenauswertung hatten es die Spanier zu verdanken, dass der Tanz auf der Rasierklinge nicht zu Verletzungen führte. Lange Zeit war erneut nichts vom berühmten und bei Gegnern berüchtigten Kurzpassspiel zu sehen. Fehler im Aufbau, im Abspiel, in der Defensive - die Führung durch den genialen David Villa fiel nach einem Fehler des chilenischen Torwarts. "Erst danach konnten wir sie kontrollieren", so Xabi Alonso, der aber "einen Schritt nach vorne" sah.

Zum richtigen Zeitpunkt. Denn dass der Gegner nun Portugal und nicht Brasilien heißt, "beruhigt mich gar nicht", wie Trainer del Bosque mahnt. "Portugal wird ein extrem harter Gegner. Das wird ein Spiel auf Leben und Tod."

Oder einfach auch nur ein "richtig schönes Duell", sagt Linksverteidiger Joan Capdevila und erklärt warum: "Wir haben den Schock durch die Schweiz verarbeitet und sind jetzt mental wieder gut drauf." Nur noch der übliche Druck der K.-o.-Spiele also, nachdem die Angst vor der Blamage passé ist. Weshalb auch Trainer del Bosque meint: "Die Mannschaft wird von jetzt an mit mehr Sicherheit spielen."