Bochum: Trainer setzt auf Offensive

Wosz und der Spaßfaktor

Dariusz Wosz (VfL Bochum)

Locker ins Abstiegsfinale: VfL-Coach Dariusz Wosz. imago

Auffällig oft betonen Heerwagen und Kollegen das verbesserte Arbeitsklima. Heiko Herrlich (38), so ein Insider, habe "nach und nach die Spieler verloren und die Mannschaft nicht mehr erreicht", bis hin zu seiner Ablösung vor einer Woche. Von Dariusz Wosz (40), der bisher die U 19 anleitete und ausdrücklich nur bis zum Saisonende inklusive möglicher Relegation als Cheftrainer wirken soll, versprechen sich die Verantwortlichen nun einen Schuss Lockerheit vor dem mit 30748 Zuschauern ausverkauften Abstiegsfinale gegen Hannover.

"Die Stimmung auf dem Trainingsplatz ist eine ganz andere", hat auch Sport-Vorstand Thomas Ernst (42) registriert, der im Herbst den Trainer-Neuling Herrlich durchdrückte, lange stützte und erst spät seine Fehleinschätzung korrigierte.

Nun ist also das Lächeln zurück in Bochum. "Zaubermaus" Wosz soll die Bremse lösen. Lachen gegen die Angst. "Mit einem einzigen Spiel können wir viel retten", weiß Keeper Heerwagen, der angeblich kaum Druck spürt. "Diese Drucksituation habe ich jedes Jahr. Das ist nichts Neues", versichert der Schlussmann. "Das schärfste Finale" habe er vor 2006 in Diensten des Zweitligisten Unterhaching erlebt, "da mussten wir am letzten Spieltag punkten." Es langte zur Rettung mit einem 0:0 - gegen Bochum.

Zwischenstände werden nicht durchgesagt

Sie demonstrieren Gelassenheit, die Spieler und auch Trainer Wosz, der so wirkt, als würde er sich am liebsten selbst nominieren. Am üblichen Übungsablauf wird nichts geändert, Zwischenstände werden am Samstag im Stadion nicht durchgesagt. Wosz wird eine nach vorn orientierte Mannschaft aufbieten, "ohne dass wir ins offene Messer laufen". Zwei Spitzen, Sestak und Dedic, "vier eher Offensive im Mittelfeld", Freier, Maric, Azaouagh und Fuchs, deutlich mutiger als unter Herrlich. "So offensiv", findet Wosz schmunzelnd, "sind wir das letzte Mal angetreten, als ich noch selbst gespielt habe."

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Aus seiner aktiven Zeit hat er ein prägendes Erlebnis parat, das von der Zeitachse her (fast) genau passt. 5. Mai 2002, Bochum gewinnt 3:1 in Aachen, kehrt auf den letzten Drücker in die Bundesliga zurück. "Nach der Feier", erzählt Wosz, "wusste ich kaum noch, wie ich heiße." Ähnlich würde es der Trainer-auf-Abruf auch diesmal krachen lassen. Selbst wenn dann Union Bergen auf seinen Regisseur verzichten müsste. Für den Bezirksligisten kickt er nämlich immer noch. Möglichst jeden Sonntag.