Bundesliga

Labbadia braucht Lösungen

Leverkusen: Treueschwüre nur "Beruhigungspillen"

Labbadia braucht Lösungen

Bruno Labbadia

Die gute Qualität im Kader wirkt sich nicht auf das Tabellenbild aus: Bruno Labbadia. imago

Auf dieses Finale und die damit verbundene Möglichkeit, doch noch den internationalen Wettbewerb zu erreichen, fokussiert sich alles, die Bundesliga ist Beiwerk, und die Spieler sind sich unisono sicher, am Tag X den Schalter umlegen und eine siegbringende Leistung abrufen zu können.

Das empfindlich gestörte Verhältnis großer Teile der Mannschaft zu Trainer und Co-Trainer wird nicht mehr thematisiert, man lebt nebeneinanderher in Leverkusen und wartet anscheinend ab, was in Berlin passiert. Unterdessen verteilt die Geschäftsführung Persilscheine an Bruno Labbadia und dessen Assistenten Eddy Sözer, verspricht dem Duo den Job auch für die kommende Saison mit der Begründung, es könne nicht am Trainer liegen. Weil ja bereits ein Einbruch in der Rückrunde bereits in der vergangenen Saison unter Michael Skibbe zu verzeichnen gewesen sei. Man wolle nun dem Kader Erfahrung zuführen.

Eine Milchmädchenrechnung. Das aktuelle Personal ist qualitativ klar höher zu bewerten als jenes der vergangenen Saison. Kein Fachmann wird ernsthaft etwas anderes behaupten können. Skibbes Team vereinte allerdings in der Tat weit mehr Erfahrung, regelmäßig spielten Profis wie Hans Sarpei (32), Sergej Barbarez (37), Vratislav Gresko (31) oder Bernd Schneider (35). Beim Anpfiff zum 34. Spieltag rangierte Bayer seinerzeit auf Platz vier, am Ende rutschte das Team durch die unglückliche 0:1-Niederlage gegen Bremen auf Rang sieben ab - das Aus für Skibbe.

Aktuell ist Bayer weit davon entfernt, am letzten Spieltag noch etwas anderes gewinnen zu können als die Goldene Ananas. Wolfgang Holzhäusers Worte können getrost und mit Blick auf Berlin in die Abteilung "Beruhigungspille" einsortiert werden, dem Geschäftsführer wird nicht entgangen sein, welche Stimmung sich breitgemacht hat unterm Bayer-Kreuz, und er wird aufmerksam beobachten, ob sich die Wege von Mannschaft und Trainern noch einmal kreuzen, und ob sich die Protagonisten dann endlich auf eine gemeinsame Strecke einigen können.

Zu Labbadias Entlastung muss zwingend angeführt werden, dass Bayer zuletzt in unschöner Regelmäßigkeit von den Schiedsrichtern benachteiligt wurde. Dies war in Wolfsburg ebenso der Fall wie gegen Bielefeld und nun in München. Doch bei nur vier Siegen aus den vergangenen 19 Spielen und fünf Punkten aus den letzten neun Heimspielen, verbunden mit dem so nie erwarteten Absturz von Rang eins auf Rang neun, weiß auch der Trainer, dass es nicht nur des Schicksals Mächte sein können, die da gegen Bayer wirken. Er wird sich, will er dieser Mannschaft weiter vorstehen, schleunigst Lösungen einfallen lassen müssen, die mehr Substanz besitzen als sein Kernsatz: "Ich gehe meinen Weg." Gemessen an Anspruch und Möglichkeiten, war es bis dato ganz sicher der falsche.