Bundesliga

42-Millionen-Minus bei der TSG Hoffenheim

Üppige Personalkosten und kein Transferüberschuss

42-Millionen-Minus bei der TSG

Hohes Minus von 42 Millionen bei der TSG Hoffenheim.

Hohes Minus von 42 Millionen bei der TSG Hoffenheim. IMAGO/Eibner

Den fehlenden Transferüberschuss macht Finanzgeschäftsführer Frank Briel dann auch als einen der Hauptgründe für das krasse Minus aus, das den Vorjahresverlust von 24 Mio. Euro noch einmal um 18 Mio. übersteigt. Durch den auch im Sommer 2021 noch von der Pandemie ermüdeten Mercato war ein "für unsere betriebliche Architektur wesentlicher Erlösbeitrag nicht zu realisieren", so Briel. Weder große Ein- noch Verkäufe tätigte Hoffenheim, wobei Florian Grillitsch durchaus hätte verkauft werden sollen. Die TSG ging ins Risiko, es kam kein aus ihrer Sicht adäquates Angebot, obgleich der Österreicher zum Beispiel mit der AC Milan bereits sehr weit war. 2022 verlor sie Grillitsch dann ablösefrei.

Vorletzter in Sachen Spieltagseinnahmen

Auch bei den Medienerlösen verbucht Briel "Mindereinnahmen von mehr als 20 Millionen Euro". In Sachen Spieltagseinnahmen lag die TSG bei 7 Mio. Euro, im Liga-Zuschauerschnitt war sie Vorletzter mit 11.929 vor Greuther Fürth (9932). Insgesamt spielten hier auch die coronabedingten Zuschauerbeschränkungen eine Rolle. "Es ist ein negativer Ausreißer", sagt Briel und verspricht: "Wir arbeiten hart daran, dass wir für die Saison 2023/24 wieder ein ausgeglichenes, vielleicht sogar leicht positives Ergebnis erwirtschaften können." Über die Planungen für die laufende Spielzeit sagte der 47-Jährige nichts.  

Mehr als offensichtlich ist, dass sich die TSG bei einem erneut rückläufigen Jahresumsatz von 117 Mio. Euro - 2020/21 lag dieser nicht zuletzt ob der Europa-League-Einnahmen noch bei 128 Mio. - einen üppigen Personalapparat leistet. Briel erklärt dies auch anhand des problematischen Transfermarkts: "Dieser Mechanismus, den Kader jeweils adäquat anzupassen und quasi den Personaletat abschmelzen zu können, ist durch die Pandemie ein Stück weit ausgehebelt worden." Im Januar 2022 habe man dann als Drittplatzierter nach dem 18. Spieltag "bewusst darauf verzichtet, den Kader zu verschlanken". Eine Idee, die nicht aufging ob des Verpassens der internationalen Plätze.

Die konkreten Personalkosten für 2021/22 bezifferte Briel nicht, ebenso wenig die Kosten für Spielerberater, bei denen die TSG 2019/20 mit 17,2 und 2020/21 mit 12,8 Mio. jeweils im oberen Liga-Drittel lag. Im Konzern lag der Personalaufwand 2019/20 bei 83,5 Mio. und 2020/21 bei 84,4 Mio. laut den von der DFL jährlich im Nachgang veröffentlichten Finanzkennzahlen; auch in der abgelaufenen Saison dürfte er sich in diesem Bereich bewegt haben. Das hieße im Umkehrschluss: Die TSG hätte gut 70 Prozent ihres Umsatzes fürs Personal aufgewendet. In die DFL-Statistik fallen auch Verwaltung, Nachwuchsleistungszentrum und U23.

Vorerst kein Grund zur Sorge

Angst und bange braucht den Kraichgauern zwar der Horrorzahlen fürs Erste nicht sein. Zum Stichtag 30. Juni 2021 lag das Eigenkapital noch bei 248 Mio. Euro, wovon noch 187 Mio. Euro auf die einstige 240-Mio.-Einlage ihres Hauptgesellschafters Dietmar Hopp zurückzuführen sind. Schmilzt der Verlust von 42 Mio. hiervon ab, verblieben noch 206 Mio. Euro. Allerdings ist die TSG in Sachen Umsatz auf ein Niveau zurückgefallen, auf dem sie sich mit 111 Mio. Euro letztmals in der Saison 2016/17 bewegte.

Benni Hofmann

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