Bundesliga

Vor 40 Jahren starb Adrian Maleika: Als die Steine flogen

16-Jähriger starb 1982 an den Folgen von Hooliganismus

40 Jahre nach Maleika: Als die Steine flogen

2013 präsentieren Werder-Fans in Hamburg ein Maleika-Konterfei als Banner.

2013 präsentieren Werder-Fans in Hamburg ein Maleika-Konterfei als Banner. imago sportfotodienst

Ein Derby ist ein Grund für vieles, für besondere Vorfreude etwa. Für manche leider auch ein Grund für Gewalt, und das nicht erst seit gestern. Werder-Fan Adrian Maleika, ein 16-jähriger Glaserlehrling, machte sich am 16. Oktober 1982 zu einem Pokalspiel im Hamburger Volksparkstadion auf - Nordderby war angesagt.

Maleika war an diesem Nachmittag Teil einer Gruppe von 150 Bremer Fans, die auf dem Weg zum Stadion in einen Hinterhalt geriet. Die Bremer wurden von einer verfeindeten Hamburger Fangruppierung angegriffen, die nicht nur ihre Fäuste fliegen ließ.

Urplötzlich wurde der Jugendliche von einem Pflasterstein am Hinterkopf getroffen und ging benommen zu Boden. Dort liegend, traten die Hamburger Hooligans immer weiter auf ihn ein - und ließen ihn schließlich zurück. Es dauerte Stunden, bis Maleika schließlich im Dickicht gefunden und ins Krankenhaus gebracht wurde. Dort verstarb er nur einen Tag später an einem Schädelbasisbruch und Hirnblutungen.

Das Fußballspiel geriet schnell zum Nebenschauplatz, zur Randgeschichte eines schockierenden Ereignisses - und eines unbefriedigenden juristischen Prozesses. Acht der beteiligten Hamburger konnten ausfindig gemacht und angeklagt werden, drei von ihnen wurden wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Wer aber den tödlichen Stein geworfen hat, wurde nie ermittelt.

Vier Tote bis 2016

Um weiteren Eskalationen vorzubeugen, organisierten Verantwortliche wie HSV-Manager Günter Netzer ein Treffen der verfeindeten Fan-Gruppen, an dessen Ende eine Art Waffenstillstand vereinbart werden konnte. Für Netzer war der Vorfall "eine der größten Tragödien", für Werder-Präsident Willi Lemke "der traurigste Moment meiner langen Amtszeit".

Diese Zustände, die in den frühen 1980er Jahren erst durch den Extremfall Maleika wirklich thematisiert wurden, brachten Vereine und Verbände damals dazu, sich intensiv mit der Bekämpfung des Hooliganismus und der Organisation von Fan-Projekten zu beschäftigen.

Adrian Maleika gilt in Deutschland weiterhin als der erste Fußballtote. 1988 kam Frank Bayer, ein Fan des 1. FC Saarbrücken, im Rahmen eines Spiels gegen Schalke zu Tode; 1990 wurde der Berliner Mike Polley im Gefecht mit der Polizei erschossen. Noch 2016 traf es schließlich den Magdeburg-Anhänger Hannes Schindler, der aus einem fahrenden Zug stürzte. Im Verdacht stehen Fans des Halleschen FC, doch auch dieser Fall ist bis heute ungeklärt.

nba