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Frings: "Ballacks gutes Recht"

Löw strebt schnellstmögliche Aussprache an

Frings: "Ballacks gutes Recht"

Michael Ballack (li.) und Torsten Frings

Dicke Freundschaft: Michael Ballack (li.) und Torsten Frings. imago

Frings hatte bereits am Mittwochabend im Anschluss an die Champions-League-Partie Werder Bremens bei Pnanthinakos Athen (2:2) eine Lanze für Ballack gebrochen: "Michael ist mein Freund, wir haben jahrelang zusammengespielt, in der U21 und in der Nationalelf. Wir verstehen uns. Da wird ein gutes Gespann auseinandergerissen." Der Bremer legte vor Medienvertretern am Donnerstagmorgen in Athen nochmals nach. "Ich bin seit über zehn Jahren Profi, mir wurde nichts geschenkt und ich habe mich nie gegen einen Konkurrenzkampf gewehrt." Aber die Art und Weise, wie er in der Nationalelf geführt werde, habe ihn aufgeregt. "So geht es nicht."

Der 31-Jährige ergriff offen Partie für Ballack: "Er merkt auch, wenn etwas nicht korrekt abläuft. Und wenn er meint, etwas läuft nicht korrekt ab, dass er dann was sagen muss, das ist sein gutes Recht." In Anspielung auf den Ärger mit Kevin Kuranyi, seine eigene Rücktrittsdrohung und Ballacks Aussagen erklärte Frings: "Das ist ja nicht umsonst so, dass solche Entscheidungen getroffen worden sind, dass gestandene Spieler sauer sind, sich aufregen oder etwas einfordern."

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Löw hatte am Mittwoch die Aussagen von Ballack in einem am selben Tag veröffentlichten Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Löw sei von dem Weg, den sein Kapitän gewählt habe "maßlos enttäuscht". Weiterhin sagte er: "Ich lasse mir das nicht gefallen und werde auf diese Unterredung bestehen. Alles Weitere wird man dann sehen, meine Entscheidung hängt dann auch vom Verlauf dieses Gesprächs ab. Wir haben Michael Ballack in der Vergangenheit des Öfteren dazu aufgefordert, als Kapitän die Dinge anzusprechen, die er kritisch oder anders sieht. Dass er nun den Weg über die Medien mit seiner Kritik an unserer Arbeit gewählt hat, ist schlichtweg falsch und nicht nachzuvollziehen."

Joachim Löw und Michael Ballack

Äußerungen "nicht akzeptabel": Michael Ballack soll sich Joachim Löw erklären. picture alliance

Der Bundestrainer machte weiterhin deutlich, dass der von ihm verschärfte Konkurrenzkampf im DFB-Team, dem bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales zuletzt Torsten Frings zum Opfer gefallen war, nichts mit mangelndem Respekt zu tun habe: "Offenbar hat sich in unseren Reihen so eine Stimmung breit gemacht, dass man Respekt automatisch mit einer Stammplatzgarantie verbindet. Doch das eine sind menschliche Dinge und das andere taktische Dinge, die ein Trainer eben auch berücksichtigen und danach seine Entscheidung treffen muss. Es hat kein Spieler, auch nicht der Kapitän, das Recht, in Sachen Aufstellung oder Personalpolitik den Trainer zu kritisieren oder sogar öffentlich Stimmung gegen das Trainerteam zu machen."

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Gerichtet an die Adresse von Torsten Frings, der zuletzt Rücktrittsgedanken geäußert hatte, hatte Löw klargemacht: "Über allem bei uns steht der Leistungsgedanke. Und wenn jemand glaubt, dass er nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen will, werden wir ihn nicht dazu zwingen. Weder mit Waffengewalt noch mit Geld."

Zwanziger: Das hat Ballack nicht nötig

Auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger zeigte sich von den Äußerungen Ballacks enttäuscht: "Das hat ein so verdienter Mann wie Michael Ballack nicht nötig. Er hat so viel Autorität – und er braucht auch keine Publicity mehr. Dafür hat er schon zu viel geleistet." Zwanziger hatte am Mittwochmorgen in einer Telefonkonferenz mit Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff das weitere Vorgehen abgesprochen. "Die Entwicklung unserer Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren ist absolut positiv, deshalb habe ich kein Verständis dafür, dass aus dem Team heraus über die Medien gezielt Kritik an Joachim Löw geübt wird", so der DFB-Präsident. Die Situation sei nun äußerst kompliziert: "Man muss sehen, wie man das Vertrauensverhältnis zwischen Bundestrainer und Kapitän, das unverzichtbar ist, schnell wiederherstellen kann."

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sprang Löw am Abend im Gespräch mit "Premiere" ebenfalls zur Seite. "Diese beiden Persönlichkeiten dürfen sich nicht auf eine Stufe stellen. Ein Trainer ist immer etwas Außergewöhnliches. Diese Diskussion ist unnötig wie ein Kropf, vor allem wie Jogi Löw jetzt in Erklärungsnot gekommen ist, ist nicht dienlich." Der DFB müsse nun "eine Reaktion zeigen und alles dafür tun, dass die Autoriät von Löw nicht beschädigt wird".

Klose: "Ich wäre das anders angegangen"

Nationalstürmer Miroslav Klose vermied es am Mittwoch in München auf Nachfrage, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen, machte aber deutlich: "Ich wäre das anders angegangen und nicht so in der Öffentlichkeit. Ich hätte es intern geklärt. Es waren zehn Tage Zeit mit dem Trainer zu reden." Der WM-Torschützenkönig von 2006 betonte, dass Löw mit allen Auswahl-Akteuren rede: "Ich glaube nicht, dass Spieler auf ein Abstellgleis gestellt werden." Dass Spieler im Nationalteam auch einmal auf der Bank säßen, sei nicht ungewöhnlich: "Es ist dort wie bei Bayern München. Man hat einen großen Kader und so viele gute Spieler."