Nationalelf

Zwanziger: "Schwierige Situation"

Löw will schnelle Klärung

Zwanziger: "Schwierige Situation"

Joachim Löw und sein Kapitän Michael Ballack

Joachim Löw will mit seinem Kapitän Michael Ballack zeitnah ein klärendes Gespräch führen. imago

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger fand bereits deutliche Worte. Nach einer Telefonkonferenz mit Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff am Mittwochmorgen verurteilte er das Vorgehen von Ballack aufs Schärfste: "Ich bin enttäuscht über den Stil von Michael Ballack. Dadurch ist eine schwierige und komplizierte Situation entstanden. Die Entwicklung unserer Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren ist absolut positiv, deshalb habe ich kein Verständis dafür, dass aus dem Team heraus über die Medien gezielt Kritik an Joachim Löw geübt wird. Solche Kommentare sind absolut unangebracht. Im Interesse des Erfolges der Mannschaft hat die Autorität des Bundestrainers die höchste Priorität", sagte Zwanziger gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Bereits gestern hatte sich Joachim Löw in einer über den DFB verbreiteten Stellungnahme "total überrascht" sowie "verwundert und enttäuscht" über die Aussagen seines Kapitäns in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gezeigt. Dennoch schließe er personelle Konsequenzen aus: "Als Kapitän ist er ein wichtiger Ansprechpartner für mich, und daran wird sich auch nichts ändern." In "Bild" sagte Löw nun auf die Frage nach Konsequenzen für Ballack: "Über die Vorgehensweise bin ich mir noch nicht bewusst."

Löw: Ballack fand Frings-Entscheidung "in Ordnung"

Ballack hatte Frings in einem Interview mit der "FAZ" zuvor den Rücken gestärkt: "Vielleicht befindet sich Torsten aktuell nicht in Topform, aber er spielt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Dieses Faktum kann niemand wegdiskutieren. Ich habe deshalb ein ungutes Gefühl, dass er diesen Konkurrenzkampf nicht gewinnen kann", sagte Ballack und erinnerte auch an die Herabstufung von Oliver Kahn zur Nummer zwei hinter Jens Lehmann vor der WM 2006. Er wisse nicht, ob der Bundestrainer Frings schon abgeschrieben habe, "aber wenn man einen nicht mehr will, sollte man das ehrlich ansprechen", befand der 32-Jährige. Löw reagierte auch deshalb "verwundert" über diese Aussagen, weil er "nach den Siegen über Russland und Wales vernommen" habe, dass "für ihn die Entscheidungen in Ordnung waren".

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Zu der Kritik Ballacks, der Bundestrainer habe nicht nach der Fuß-Operation des Kapitäns nicht bei ihm angerufen, rechtfertigte sich Löw in "Bild" so: "Ich habe mit Dr. Müller-Wohlfahrt lange telefoniert, er hat mir alles genau erklärt." Bei Ballack wollte er sich in den kommenden Tagen melden, der Eingriff (Ballack wurden in beiden Füßen Neurome entfernt) erschien ihm als "nicht ganz so schlimm".

Beckenbauer: "Mimosenhaufen"

In diesem Punkt hatte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer bereits am Dienstagabend dem Bundestrainer Rückendeckung gegeben: "Selbst wenn Löw Ballack angerufen hätte, wäre an dem Heilungsprozess nichts anders gelaufen. Manchmal sind mir die Empfindlichkeiten ein bisschen zu groß."

Der "Kaiser" rief die Beteiligten zur Mäßigung auf: "Jeder meldet sich zu Wort, ob das ein Kuranyi ist, der dann plötzlich aus dem Trainingslager verschwindet oder ein Frings, der meint zurücktreten zu müssen. Jetzt kommt Michael Ballack als Kapitän. Man sollte diese Unebenheiten, wenn es solche gibt, intern bereinigen. Man sollte sich mit dem Bundestrainer zusammensetzten. Das ist der richtige Weg."

Nach der Partie des FC Bayern gegen Florenz verschärfte Beckenbauer seine Kritik sogar noch: "Das ist ein Mimosenhaufen geworden, das ist schier unglaublich. Die sollen ihren Mund halten und Fußball spielen. In solchen Situationen muss man das Gespräch mit dem Trainer, und nicht mit dem Journalisten suchen."