DFB-Schiedsrichterlehrwart klärt auf

Strigel: "Sofort richtig bewertet"

Eugen Strigel

Legt sich klar fest: DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel. imago

kicker: Herr Strigel, seit wann existiert die Regel, dass ein im Toraus liegender Spieler das Abseits aufhebt?

Eugen Strigel, DFB-Schiedsrichterlehrwart: Schon immer. Sie trifft übrigens nur für Abwehrspieler zu. Ein Stürmer hingegen darf hinter die Torauslinie gehen, um dadurch einer Abseitsstellung zu entgehen.

kicker: Warum der Abwehrspieler nicht?

Strigel: Um zu verhindern, dass Verteidiger absichtlich das Spielfeld verlassen und gegnerische Stürmer dadurch permanent ins Abseits stellen. Damit würde das Spiel zu einer Farce werden.

Kommentar von Klaus Smentek

kicker: Wie lange hebt der draußen befindliche Verteidiger ein Abseits auf? Bis er auf einer Trage weggetragen wird?

Strigel: Nein, wenn er sich bereits ein bis zwei Minuten draußen befindet und in die aktuelle Spielszene überhaupt nicht eingebunden ist, zählt es nicht mehr. Aber das war bei Italien gegen Frankreich nicht der Fall. Die Regel existiert übrigens auch, weil ein Schiedsrichter gar nicht spontan entscheiden könnte, ob ein Spieler absichtlich draußen ist oder unabsichtlich, weil er zum Beispiel eine Verletzung hat. Ich war begeistert, dass bei der EM der Assistent die Szene sofort richtig bewertet hat. Im Gegensatz zum UEFA-Cup-Achtelfinale zwischen Bolton und Sporting Lissabon im März, als das Gespann fälschlicherweise auf Abseits entschied. Insgesamt kommen solche Situationen nur selten vor.