Nach den Krawallen in Frankfurt

Was tun mit den "Problemfans"?

Javier Pinola beruhigt die Club-Fans

Allein gegen viele: Nürnbergs Javier Pinola versucht die Krawallmacher zu beruhigen. dpa

Noch könne man die Auswüchse mit den Verhältnissen in Italien nicht vergleichen, sagte Holger Hieronymus, Geschäftsführer Spielbetrieb bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), am Montag. "Das muss ich energisch verneinen. Auch, wenn ich keineswegs die Vorfälle verharmlosen möchte, sind wir davon ganz weit entfernt." Der frühere HSV-Profi fügte hinzu, dass es seiner Ansicht nach hierzulande niemals dazu kommen werde, "dass jemand Motorroller von der Tribüne wirft".

Der Anteil der "Problemfans" liege unter einem Prozent. Solche Problemfans hatten in Frankfurt für eine rund 20-minütige Unterbrechung gesorgt. Mit Feuerwerkskörpern und bengalischem Feuer. Ausgangspunkt war der Gästefanblock. Das Spiel wurde später fortgesetzt.

Club-Sportdirektor Marin Bader sprach im kicker zunächst einmal seinen Dank gegenüber Referee Peter Gagelmann aus - "für sein umsichtiges Handeln". "Mit Hilfe von Bildmaterial, Zeugen und Polizeiaufnahmen" wolle der 1. FC Nürnberg nun zur Aufklärung und zur Ermittlung der Täter beitragen. "Eine mögliche Geldstrafe werden wir Eins zu Eins weiterreichen", so Bader.

Zudem werde der Club zukünftig in Absprache mit dem DFB mehr eigene Ordner zu den Auswärtsspielen mitnehmen. "Aber wir erwarten jetzt auch einen Selbstreinigungsprozess in der Kurve", fordert der Nürnberger Funktionär. Die Club-Fans haben bereits reagiert. Gegenüber der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagausgabe) kündigte der Vorsitzende des FCN-Fanverbandes, Thomas Zirngibl, an, "ein friedliches Zeichen" setzen zu wollen. In Form eines Protestmarsches. "Vermummte und Schwarzkutten", so die Forderung Zirngibls, hätten im Stadion "nichts zu suchen".

zum Thema

Damit kämen die Anhänger auch dem Drängen des DFB-Vizepräsidenten Dr. Rainer Koch nach, der nach Liberalisierungen in der Stadionverbotsfrage nun einen aktiven Beitrag der Fußballfans sehen will, "damit die Gewalt aus den Stadien verschwindet". Und wie könnte das aussehen? "Das bedeutet, dass sie nicht zulassen, dass sich diese Einzeltäter in der Masse verstecken", fordert Koch.

In Spanien beispielweise hielten Fans des Erstligisten Real Betis beim Spiel gegen Bilbao einen Flaschenwerfer fest, bis die Ordnungskräfte hinzukamen und diesen abführen konnten. Die Flasche hatte Bilbaos Keeper am Kopf getroffen, dieser brach daraufhin bewusstlos zusammen, die Partie wurde abgebrochen.

Sascha Thielert

Schiedsrichter-Assistent Sascha Thielert zeigt es an: Feuerwerkskörper aus dem Frankfurter Rasen. imago