Bundesliga

Markus Merk wird konkret

Kinhöfer gegen den Videobeweis

Markus Merk wird konkret

Thorsten Kinhöfer

Chip im Ball ja, Videobeweis nein: Thorsten Kinhöfer. imago

"Dann haben wir nur noch mehr Diskussionen als ohnehin schon", so Kinhöfer weiter. Der dreimalige Welt-Schiedsrichter Merk hatte am Wochenende die Installation des technischen Hilfsmittel gefordert, nachdem er beim Spiel Werder Bremen gegen Borussia Dortmund (2:0) einen Treffer des Bremers Rosenberg, erzielt aus Abseitsposition, fälschlicherweise anerkannt hatte.

Die strittige Szene war aus noch nicht geklärten Umständen auf der Videoleinwand im Weserstadion umgehend gezeigt worden. Die Fehlleistung des Schiedsrichtergespannes wurde für alle Beteiligten deutlich und sorgte für heftige Diskussionen. Merk hatte seinen Fehler nach Spielschluss zugegeben und die Einführung des Videobeweises gefordert.

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Damit liegt er auf einem anderen Kurs als viele seiner Kollegen. Kinhöfer beispielsweise befürchtet, dass "wir bald jeden Einwurf und jede Ecke" überprüfen würden. "Das bringt nichts", sagte der 39-Jährige und forderte hingegen, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) sofort Maßnahmen gegen die Vereine ergreifen, die umstrittene Szenen auf der Leinwand im Stadion zeigen würden.

"Es kann nicht sein, dass wir Schiedsrichter so vorgeführt werden", erklärte Kinhöfer. Den Chip im Ball (Tor oder kein Tor?) befürwortet der Schiedsrichter. "Das wäre für uns eine große Hilfe."

Merk wird konkret: Vetorecht für Trainer

Markus Merk

Her mit den Oberschiedsrichtern: Markus Merk fordert ein unabhängiges Gremium. imago

Markus Merk legte indes am Dienstag ein 30-seitiges Konzept vor, in dem er unter anderem ein Vetorecht für Trainer und Referees einfordert. So sollen sowohl Schiedsrichter als auch Trainer je zweimal während einer Partie eine Überprüfung strittiger Szenen beantragen können. In anderen Sportarten (Tennis, American Football, Eishockey) wird dies bereits in etwa so gehandhabt.

"Das wird Fußball für alle gerechter machen", sagte der 45-Jährige in einem Interview mit der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Heidelberg/Dienstag). Die strittige Szene solle dann von einem dreiköpfigen neutralen Gremium bewertet werden. "Es kann nicht der sein, der die Entscheidung unten auf dem Feld trifft, da würde man dem Schiedsrichter wieder den schwarzen Peter zuschieben", verlangt Merk nach "Oberschiedsrichtern". Die Entscheidung des Gremiums solle innerhalb einer Minute fallen, um den Spielablauf nicht unnötig lange zu stoppen.

Der Zahnarzt aus der Pfalz tritt damit als erster deutscher Referee für den vom Weltverband FIFA bislang abgelehnten Videobeweis ein. Merks Absicht sei es unter anderem auch, den Schiedsrichter als Mensch zu schützen. Der Verzicht auf Hilfsmittel sei nicht mehr zeitgemäß, "weil es um große wirtschaftliche Umfänge geht".

Der DFB hatte Anfang der Woche bereits durch den für die Schiedsrichter zuständigen Vize-Präsidenten Rainer Koch (Poing) deutlich gemacht, dass die aktuelle Diskussion zu diesem Thema rein theoretischer Natur sei, auch wenn der DFB "technischen Neuerungen gegenüber immer aufgeschlossen" sei. "Schließlich ist der DFB den Vorgaben des Weltverbandes FIFA verpflichtet. Diese sehen keine Beweisführung durch TV-Aufnahmen vor", betonte Koch.