Am 6. Februar 1958 kam es in München zur Tragödie

Vor 60 Jahren verunglückten die "Busby Babes"

Das Unglück von München: Im brennenden Flugzeugwrack kamen am 06. Februar 1958 23 Menschen ums Leben.

Das Unglück von München: Im brennenden Flugzeugwrack kamen am 6. Februar 1958 23 Menschen ums Leben. dpa

Sowohl in Manchester als auch in München finden am Dienstag Gedenkfeiern statt. Vor dem Heimspiel gegen Huddersfield (2:0) hatte es am Samstag eine Schweigeminute gegeben. Eine Minute lang war es im Old Trafford mucksmäuschenstill, während von den Fans im "Stretford End" ein großes Banner mit dem Foto der "Busby Babes" und dem Schriftzug "We'll never die" gezeigt wurde. "Für jeden Sportsmann ist das eine der größten Tragödien", sagte United-Coach José Mourinho: "Es wurde ein Teil meines Lebens - lange bevor ich hier Teammanager wurde."

Mourinho legte bei einer Gedenkveranstaltung im Old Trafford gemeinsam mit Michael Carrick einen Kranz nieder. "Für mich war es sehr emotional, heute neben Sir Bobby Charlton zu sitzen und zu versuchen zu verstehen, was er damals durchgemacht hat", sagte der aktuelle United-Kapitän.

Vereinsdaten Manchester United

Gründungsdatum01.01.1878

VereinsfarbenRot-Weiß-Schwarz

Anschrift Manchester United Football Club
Sir Matt Busby Way
Old Trafford
Manchester M16 0RA
Großbritannien
Telefon: 00 44 - 161 - 8 68 80 00 Telefax: 00 44 - 161 - 8 68 84 52 E-Mail: enquiries@manutd.co.uk

Internetwww.manutd.com/

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Trainersteckbrief Busby

Busby Matthew

Karriere beendet

Schottland

Trainersteckbrief

Verhängnisvoller Zwischenstopp am 6. Februar 1958

Auf dem Flughafen von Manchester warten am 6. Februar 1958 hunderte Fans, um ihrem Team einen triumphalen Empfang zu bereiten. Durch ein 3:3 bei Roter Stern Belgrad hatte sich das junge Team von United-Trainer Matt Busby tags zuvor für das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister qualifiziert. Doch das Flugzeug sollte nie ankommen.

Auf der Rückreise von Belgrad muss British Airways Flug 609 in München zwischenlanden. Es schneit stark in München-Riem, zwei Startversuche hat der Pilot nach dem Zwischenstopp bereits abbrechen müssen. Beim dritten kommt es zur Tragödie: Der Schneematsch auf der Fahrbahn verhindert, dass das Flugzeug an Höhe gewinnt. Es kracht um 15.04 Uhr in ein Haus und geht sofort in Flammen auf. Sieben Spieler sterben noch an der Unfallstelle, auch drei Klub-Offizielle, acht Journalisten, der Co-Pilot, ein Crew-Mitglied und ein Reisebüro-Angestellter kommen ums Leben. 15 Tage später erliegt auch der 21-jährige Duncan Edwards, das größte Talent des englischen Fußballs, seinen Verletzungen.

Der spätere Weltmeister Bobby Charlton, Teamkollege Dennis Violett und Trainer Busby werden von Torhüter Harry Gregg aus dem brennenden Wrack gerettet. Charltons Glück war, dass Tommy Taylor einen vermeintlich sicheren Platz im hinteren Teil der Maschine wollte und mit ihm tauschte.

Aus der Tragödie wird der Mythos geboren

Ganz Großbritannien ist im Schockzustand, die Anteilnahme riesengroß. United gewinnt auch außerhalb der eigenen Stadtgrenzen viele Sympathien. "Jeder weiß bis heute genau, wo er war und was er gerade machte, als die Nachricht vom Münchner Unglück übermittelt wurde", sagte später David Gill, zwischen 2003 und 2013 Generaldirektor von United: "Vieles von dem, was diesen Verein heute ausmacht, wurde aus der Tragödie geboren."

Es ist einfach eine unglaubliche Tragödie. Wir waren Matt Busbys Familie, alle hatten unglaubliches Talent. Und ich würde jeden hassen, der das einmal vergisst.

Sir Bobby Charlton

Denn der Klub bezwingt sein Schicksal: Der in München schwer verletzte Busby formt um die wenigen Spieler, die ihre Karriere fortsetzen können - darunter Keeper Gregg, Verteidiger Billy Foulkes und der junge Charlton - ein neues Team, das zehn Jahre später erstmals den Europapokal der Landesmeister nach England holt. Im Finale besiegen die Red Devils in Wembley Benfica Lissabon mit 4:1 nach Verlängerung. Nicht nur für den "Guardian" war dies "die wohl großartigste Geschichte des englischen Fußballs". Der Mythos war endgültig geboren.

Banner für die Busby Babes

"We'll never die": United-Fans gedenken den legendären "Busby Babes". Getty Images

"Es ist einfach eine unglaubliche Tragödie. Wir waren Matt Busbys Familie, alle hatten unglaubliches Talent. Und ich würde jeden hassen, der das einmal vergisst", betonte Charlton, der damals wie der Rest der Mannschaft kaum älter als 20 war. Er muss sich nicht sorgen, denn das Unglück ist in Manchester stets allgegenwärtig. Eine Uhr im Stadion steht auf 15.04 Uhr - dem Zeitpunkt des "Munich Air Crash". Und im "Münchner Tunnel" steht in Gedenken an die Gestorben ein "Ewiges Licht".

Emotionale Gedenkveranstaltung auf dem Manchesterplatz in München

Am 60. Jahrestag der Katastrophe wurde auch in München der Opfer gedacht. Auf dem Manchesterplatz im Stadtteil Trudering, auf dem seit 2004 ein Denkmal für die Opfer des Unglücks steht, fand eine emotionale Gedenkveranstaltung mit rund 1200 Zuschauern statt. Die vielen United-Fans sangen dabei zahlreiche Songs in Gedenken an die Opfer, bei einer zweiminütigen Schweigeminute herrschte dann aber absolute Stille. "So etwas habe ich noch nie erlebt", meinte ein bewegter Oberbürgermeister Dieter Reiter.

"Der Fußball besteht aus Rivalität und aus Freundschaft und aus Respekt. Dass wir heute da sind, ist ein Zeichen des Respekts vor diesem großen Klub und seinen unglaublichen Fans", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ebenfalls zugegen war. Zum Abschluss der bewegenden Veranstaltung sang ein United-Fan das Erinnerungslied "The Flowers of Manchester".

Fans aus Manchester im Klinikum rechts der Isar

Zeichen der Dankbarkeit: Fans von Manchester United überreichten dem Klinikum rechts der Isar zwei Kunstwerke. M. Stobrawe, Klinikum rechts der Isar

Zuvor dankte eine Delegation von Fans aus Manchester den ehemaligen Krankenschwestern und Ärzten des Klinikums rechts der Isar, die die zum Teil schwer verletzten Überlebenden rund um die Uhr behandelt hatten. Ganz England war den "Angels of Munich" für ihren unermüdlichen Einsatz dankbar. Dem damaligen Chefarzt Professor Georg Maurer wurde von Königin Elizabeth II. sogar ein Orden verliehen. Sie ernannte ihn zum "Commander of the Order of the British Empire".

Die Gäste überreichten dem Klinikum zwei Kunstwerke, die im Rahmen einer Feierstunde enthüllt wurden. Ein Bild zeigt die "Busby Babes" nach dem erfolgreichen Spiel in Belgrad. Das zweite ist eine Collage, auf dem das Team von Manchester United sowie Matt Busby und seine Frau zusammen mit Prof. Maurer, einer Ärztin und zwei Krankenschwestern vor dem Klinikum rechts der Isar zu sehen sind.

Manchester United: Tragödie und Wiedergeburt