Rad

Prudhomme: "Hoffe auf den Einsturz der Mauer im Radsport"

Reaktionen auf die Dopingbeichten

Prudhomme: "Hoffe auf den Einsturz der Mauer im Radsport"

Thomas Bach, Präsident Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB): "Die Geständnisse sind menschlich bewegend, aber sachlich nicht ausreichend. Der Schritt ist als Zeichen der Offenheit zu begrüßen, um den Bann des Schweigens weiter zu brechen, aber eine tätige Reue wäre wichtig. Vielleicht wäre ein finanzieller Beitrag im Anti-Doping-Kampf angebracht. Ich bin für eine Kronzeugenegelung und Sanktionsreduzierung, aber es darf keine General-Amnestie geben. Ich halte es nicht für den richtigen Schritt, dass Rolf Aldag bei T-Mobile weiter in einer führenden Position tätig ist. Egal, ob Sportler oder Betreuer: Jeder, der mit Doping zu tun hat, wird im Olympia-Team mit Sicherheit nicht dabei sein."

Eberhard Gienger, DOSB-Vizepräsident: "Die Hoffnung ist, dass nicht nur in Deutschland, sondern im internationalen Rahmen eine Tür dafür geöffnet wurde, dass der Sport beweisen kann, dass er auch ohne Doping erfolgreich bestritten werden kann. Auf der anderen Seite ist es positiv zu sehen, dass Athleten sich äußern und zugeben, mit Doping in Kontakt gekommen zu sein und selber Doping-Mittel genommen zu haben. Eine Beendigung der Radsportberichterstattung im Fernsehen sehe ich nicht als zielführend."

Armin Baumert, Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA): "Diese Geständnisse sind ein sporthistorischer Moment. Wenn jetzt nicht von allen verantwortlichen Seiten getan wird, was notwendig ist, wird die Glaubwürdigkeit des Sportes unterminiert. Die Kritik aan den Urin-Kontrollen von T-Mobile-Manager Bob Stapleton sehe ich nicht in erster Linie gegen die NADA gerichtet, sondern verstehe sie international. Ich glaube im Radsport ist in dieser Generation Hopfen und Malz verloren. Hier müssen wir den Nachwuchs im Auge haben."

Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln: "Ich begrüße die Geständnisse von Erik Zabel und Rolf Aldag. Es ist entsetzlich, dass die Ärzte in dieser Form involviert sind. Dies alles zeigt, wie sehr der Anti-Doping-Kampf intensiviert werden muss. Vor allem die Arbeit der NADA muss gestärkt werden."

Werner Franke, Doping-Experte: "Die Geständnisse sind Schadensbegrenzung. Diejenigen, die ihre Karriere beendet haben oder kurz davor sind, die packen dann aus. Manchmal schreiben sie darüber dann auch ein Buch oder kassieren noch ein bisschen. Die anderen machen auf der nächsten Welle von Stoff schon weiter. Wir haben derzeit Epomimetika, die wirken wie Epo, sind aber nicht nachweisbar. Ansonsten sind in den USA eine ganze Reihe von Sportmedizinern wegen solcher Delikte in den Knast gewandert. Die wichtigste Frage ist, ob das deutsche akademische Leben noch zur Selbstreinigung fähig ist."

Christian Prudhomme, Direktor der Tour de France: "Ich hoffe auf einen zweiten 9. November 1989, auf den Einsturz der Mauer im Radsport. Die Geständnisse sind die Folge der verdammten 90er Jahre im Radsport und keine neue Affäre. Ich habe aber vollstes Vertrauen in die neue Führung von T-Mobile. Was mich interessiert, sind nur die Gegenwart und die Zukunft des Radsport. Wenn man das System nicht stürzt, wird es in fünf oder zehn Jahren eine neue Affäre Basso geben."