München: Verein verhängt Stadionverbot - Sieben Beschuldigte in Untersuchungshaft

Bestürzung über Ausschreitungen

Am Samstagmorgen waren um 8.40 Uhr bei der Polizei-Einsatzzentrale Mitteilungen eingegangen, dass es auf der Rastanlage Würzburg/Nord auf der A 3 zu Auseinandersetzungen zwischen Fußball-Anhängern gekommen sei.

Schnell ermittelte die Polizei den Ablauf der Übergriffe: Zwei Busse mit Fans des FC Bayern München, die zum Spiel in Gladbach unterwegs waren, trafen an der Rastanlage auf Anhänger des 1. FC Nürnberg, die auf dem Weg nach Gelsenkirchen zum Club-Spiel gegen Schalke eine Pause einlegten. Rund 20 Münchner Fans haben nach Polizeiangaben ihre Busse verlassen und die Nürnberger "unvermittelt angegriffen".

Die Frau eines Busfahrers wurde von einer gefüllten Colaflasche getroffen und erlitt schwere Kopf- und Augenverletzungen. Sie wurde mit dem Hubschrauber in ein Würzburger Krankenhaus eingeliefert und muss mit einem längeren Klinikaufenthalt rechnen. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwaltes der Staatsanwaltschaft Würzburg, Clemens Lückemann, wird die 45-Jährige aus dem mittelfränkischen Weißenburg wahrscheinlich auf einem Auge erblinden. Drei weitere Personen wurden leicht verletzt.

Nach der Attacke fuhren die beiden Busse von der Autobahn ab und flüchteten über die Bundesstraße 8, wurden jedoch von der Polizei gestellt. Die 73 Insassen wurden vorläufig festgenommen, 63 kamen kurz darauf wieder frei. Ob die Busfahrer wegen veruschter Strafvereitelung belangt werden, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch unklar.

Zehn Beschuldigte zwischen 19 und 25 Jahren seien den Ermittlungsrichtern in Würzburg vorgeführt worden. Gegen sechs von ihnen erging Haftbefehl, unter anderem wegen Verdunklungsgefahr. Die anderen vier seien wieder freigekommen, weil sie entweder voll gestanden hätten oder kein Haftgrund vorgelegen habe. Darüber sei der 20-jährige mutmaßliche Haupttäter aus dem Allgäu am Sonntag in seinem Wohnort festgenommen worden, er sitzt nun in Untersuchungshaft. Sechs der insgesamt sieben Inhaftierten bestritten eine Tatbeteiligung, einer habe ein Teilgeständnis abgelegt. Den Beschuldigten drohen Verfahren wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch, Raub und Sachbeschädigung.

Von den 73 Businsassen hatten nur 28 eine Eintrittskarte für das Spiel in Gladbach. 15 durften bereits bundesweit kein Fußballstadion mehr betreten.

Die Nürnberger Anhänger wurden am Nachmittag nach der Zeugenanhörung mit einem Ersatzbus nach Hause zurück gebracht.

Der Vorstand der Bayern München aus Karlheinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner hat laut einer Pressemitteilung des Vereins am Montag mit der schwerverletzten Frau Kontakt aufgenommen und ihr seitens der Bayern jegliche Hilfe im medizinischen Bereich zugesagt. Nach einem Gespräch mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Würzburg haben die Bayern gegen alle 73 Insassen der beiden Busse, von denen die Vorfälle in Würzburg ausgingen, ab sofort ein bundesweit gültiges Stadionverbot über die längstmögliche Dauer sowie ein Hausverbot für das Vereinsgelände und die Allianz Arena verhängt. Die Bayern-Verantwortlichen distanzierten sich aufs Schärfste von der beteiligten Gruppe "Schickeria München" und betonten, dass diese kein Fanclub des FC Bayern sei. An diese Gruppierung würden ab sofort keine Karten mehr ausgegeben.

Auch FCN-Sportdirektor Martin Bader wünschte der schwer verletzten Frau im Namen des Vereins schnellstmögliche Besserung. "Wir werden ihr mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten helfen", betonte Bader. Inzwischen hätten sich neben dem Bayern-Vorstand auch Fanbetreuer und Anhänger des FC Bayern in der FCN-Geschäftsstelle gemeldet und hätten sich beschämt über das Verhalten der Gewalttäter geäußert. Der Verein appellierte an seine Fans, "bei aller sportlichen Rivalität" weiterhin den Anhängern der sportlichen Kontrahenten mit Respekt gegenüberzutreten: "Jedweder Form von Gewalt zeigen wir mit unseren Fans und gemeinsam mit allen anderen Fußballanhängern aus Deutschland die Rote Karte!"