Potsdam: Turbine-Coach Bernd Schröder prangert an

"Mit brachialer Gewalt"

Bernd Schröder

Findet klare Worte in Richtung Frankfurt: Turbine-Coach Bernd Schröder. imago

kicker: Einfach nur ein schlechter Lauf oder fehlt es Ihrem Team an Substanz, Herr Schröder?

Bernd Schröder (64): Das Potenzial der Mannschaft reicht derzeit nicht aus, um den Ansprüchen, die das Umfeld und wir selbst haben, gerecht zu werden. Dem Team fehlen zwei, drei gestandene Spielerinnen. In Odebrecht, Fuss und Wimbersky haben uns drei Nationalspielerinnen verlassen; wenn Anja Mittag im Januar zurückkommt, könnte sich einiges verbessern. Und wir werden noch eine Mittelfeldspielerin holen, eine Strategin, die uns antreibt.

kicker: Aber hat Turbine nicht vor allem ein Problem im Angriff?

Schröder: Ja! Die jungen Spielerinnen wie etwa die Kerschowski-Zwillinge sind noch nicht soweit. Aber wir haben keine Zeit!

kicker: Wenn dann eine Spielerin wie Inka Grings auf dem Markt ist, muss man da nicht zuschlagen?

Schröder: Eine Spielerin, die sich öffentlich gegen den Trainer ausspricht, kann für uns im Moment kein Thema sein. Unser Fehler war, dass wir die Isländerin Vidarsdottier nicht verpflichtet haben, die jetzt für Duisburg spielt.

Es herrscht keine Chancengleichheit.

Bernd Schröder

kicker: Wird der Frauenfußball im-mer mehr vom Geld bestimmt?

Schröder: Wenn ich mir wie Frankfurt ohne Not eine 34-jährige Torfrau hole und eine Wimbersky, wenn man schon an Anja Mittag dran ist, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man mit brachialer Gewalt nach oben will. Das darf nicht sein. Wenn wir das fortsetzen und das Geld im Vordergrund steht, dann geht die Philosophie des Frauenfußballs kaputt. Es herrscht keine Chancengleichheit. Im Frauenfußball kann man kaum etwas verdienen.

kicker: Ist die Meisterschaft schon entschieden?

Schröder: Wenn Frankfurt mit diesem Kader - also nur Nationalspielerinnen - nicht Meister wird, dann haben sie etwas falsch gemacht. Auch wenn Duisburg eine gute Mannschaft hat und ich uns noch nicht abgeschrieben habe. Aber ob das der Liga gut tut? Das muss auch der DFB beantworten, denn machen wir uns nichts vor: Das ist keine Topleistung mehr, was wir zurzeit mit der Nationalelf zeigen.

kicker: Skeptisch in Sachen WM?

Schröder: Wenn wir bis dahin nicht akribisch arbeiten, dann haben wir bei der WM einen schweren Stand. Nicht nur die skandinavischen Länder sind auf dem Vormarsch. Die Bundestrainerin und die Vereinstrainer müssen sich zusammensetzen und zusammenarbeiten. Der Meinung ist auch Silvia Neid.