Bundesliga

Rückkehr der Relegationsspiele

Dr. Zwanziger ist optimistisch, eine Mehrheit zu bekommen

Rückkehr der Relegationsspiele

Gibt der Reform gute Chancen: Dr. Theo Zwanziger.

Gibt der Reform gute Chancen: Dr. Theo Zwanziger. dpa

Der deutsche Fußball steht vor einer revolutionären Reform der Spielklassen. Die wichtigsten Pläne: Zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der Zweiten Liga soll es ab der Saison 2007/08 wieder zu zwei Relegationsspielen kommen. Diese Relegationsspiele wurden letztmals im Sommer 1991 ausgetragen.

Die zweigleisige Regionalliga soll mit Beginn der Saison 2008/09 in eine eingleisige 3. Liga unter dem Dach des DFB mit 20 Vereinen eingeführt werden. Auch zwischen dem Drittletzten der 2. Liga und dem Dritten der neuen 3. Liga sollen Relegationsspiele stattfinden. Unterhalb der 3. Liga sollen drei Regionalligen gegründet werden, deren Meister automatisch in die 3. Liga aufsteigen. Die Oberligen als künftig fünfte Spielklasse sollen über die Grenzen der DFB-Landesverbände hinaus von momentan neun auf fünf oder sechs Gruppen reduziert werden.

Drei Wochen vor dem DFB-Bundestag in Frankfurt am 8. September scheint mit diesen Plänen, die Thema auf der Tagung der 36 Lizenzvereine am gestrigen Mitwoch in Gelsenkirchen und auf der DFB-Nordkonferenz der Amateurklubs am Montag gewesen sind, eine Kompromissformel gefunden in dem seit dem Bundestag in Osnabrück vor zwei Jahren schwelenden Streit um eine Strukturreform zwischen den Profis und Amateuren. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sagte am Mittwoch dem kicker: "Wenn die Liga mit einer klaren Mehrheit zu diesem Modell steht, bin ich optimistisch, dass es bei der Abstimmung auf dem Bundestag auch zu der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit kommen wird."

Infografik

kicker Infografik: Der deutsche Fußball ab 2008. kicker

Allerdings gibt es in der Bundesliga noch bei folgenden sieben Klubs Widerstände: FC Bayern München, dessen Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in seiner Eigenschaft als Mitglied des Ligavorstands der Tagung in Gelsenkirchen fernblieb, Werder Bremen, VfB Stuttgart, Hertha, Gladbach, HSV und Zweitligist 1860 München. Die Zahl der zweiten Mannschaften von Profiklubs in der 3. Liga ist diesen Vereinen nicht groß genug. Deshalb gab es am Mittwoch auch noch kein einstimmiges Votum für den Antrag, der aber nach einem weiteren Gespräch zwischen Ligapräsident Werner Hackmann, seinem Stellvertreter Wolfgang Holzhäuser und DFB-Präsident Theo Zwanziger festgezurrt werden soll.

Die Liga macht bei dem Kompromiss ebenso Zugeständnisse wie der Amateurfußball. Die Amateure fordern schon seit Jahren, dass die zweiten Mannschaften der Lizenzvereine nicht in der dritten Liga, momentan die Regionalliga, mitspielen dürfen. Die Profis halten dagegen, dass sie mit der Errichtung von Leistungszentren in den vergangenen Jahren zunehmend in die Nachwuchsförderung investiert haben, die auch den Amateurklubs zugute kommt, und deshalb die von ihnen ausgebildeten Talente, die nicht direkt den Sprung in die Bundesliga oder 2. Liga packen, Spielpraxis in der dritthöchsten Spielklasse bekommen müssen.

In dieser Frage sieht die Kompromissformel so aus:

Die neue 3. Liga nimmt in ihr 20er-Feld mit Beginn der Saison 2008/09 nur zwei zweite Mannschaften von Lizenzvereinen auf - sportliche Qualifikation vorausgesetzt. Danach gibt es aber keine Reglementierungen mehr, könnten theoretisch jedes Jahr drei zweite Mannschaften als Meister der drei Regionalligagruppen in die 3. Liga aufsteigen. Für diesen Kompromiss würden die Profivereine auf ihren Anteil am Fernsehhonorar für ihre zweiten Mannschaften in der neuen dritten Liga verzichten.

Ein weiteres Zugeständnis der Lizenzvereine: Geht der Kompromiss durch, würden sie ab dem Sommer 2008 auf die Teilnahme ihrer zweiten Mannschaften an den DFB-Pokalhauptrunden verzichten.

Rainer Franzke