Gladbachs Neuzugang Frederico Insua

Das Rätsel "El Pocho"

Der neue Ideengeber: Federico Insua.

Der neue Ideengeber im Borussen-Mittelfeld: Federico Insua. imago

"Pocho" hallt es über den Trainingsplatz am Borussia-Park. Federico Insua (26) schaut auf, doch sein Pass in die Spitze geht ins Aus. Einigen Borussen ist der Spitzname, den Insua aus Argentinien mitgebracht hat, in Fleisch und Blut übergegangen. Verschiedene Medien müssen sich daran erst gewöhnen. Sie zerbrechen sich den Kopf, wie sie "El Pocho" am treffendsten übersetzen könnten. Nach ausführlichem Studium des Spanisch-Wörterbuchs haben sie griffige Formulierungen: "der Blasse", "der Faule" oder "das schlampige Genie". "Nein, nein", lacht Insua und erklärt: "Eigentlich steht der Name nicht für irgendetwas. Mein Vater Jorge wurde früher Pocho gerufen, deshalb nannte man mich als Kind Pochito. Daraus wurde eben Pocho."

Insua macht beileibe nicht den Eindruck, als sei "Pochito" in Gladbach angekommen. Aufgeschlossen, selbstbewusst und selbstständig wirkt der Argentinier. Einer, der das Abenteuer Deutschland mit ganzem Herzen anpackt. Die Familie, zum Beispiel, solle erst nachkommen, "wenn ich mich eingelebt habe. Ich will mich integrieren, dann können sie mich besuchen. Es ist wichtig, dass ich mich schnell zurechtfinde. Man muss nur den Willen haben, sich anzupassen". Eine Einstellung, für die Südamerikaner nicht unbedingt bekannt sind, wenn sie ins Ausland gehen.

Natürlich hilft Dolmetscher Julio Battaglia dem sechsmaligen Nationalspieler bei der Integration. Ein Ausflug nach Köln gehörte zum Kennenlernprogramm, einer nach Düsseldorf. Um Abzuschalten bleibt Insua auch mal im Hotel, schaut sich eine DVD oder hört sich ein paar rockige CDs an. Doch regelmäßig sucht er den Kontakt zu Mitspielern, erkundet er die Stadt Mönchengladbach. "Ich bin hervorragend aufgenommen worden. Dass es so gut läuft, hätte ich eigentlich nicht erwartet", sagt Insua. Erleichternd kommt hinzu, dass das komplette Trainerteam von Jupp Heynckes über "Co" Walter Junghans bis hin zu Konditionstrainer Uwe Speidel spanisch spricht. Mit dem Portugiesen Zé Antonio oder dem Brasilianer Kahe klappt die Verständigung ebenfalls.

Er kann ein Spiel maßgeblich beeinflussen.

Jupp Heynckes, Trainer

Bei Insuas erster Station in Europa sah das auch anders aus. Das einjährige Gastspiel in Spanien beim FC Malaga endete enttäuschend. Der Durchbruch gelang nicht, obwohl die Sprache kein Hindernis darstellte. Dafür fand er nicht das Umfeld vor, von dem er sich absolutes Vertrauen erwartete. Kritiker fürchten, dass Insua es auch bei seinem zweiten Anlauf in Europa schwer haben wird. Insua, in einer mittelständischen Familie in Buenos Aires aufgewachsen, hält dagegen: "Menschlich bin ich viel reifer als damals. Und auch sportlich sind die Voraussetzungen anders. Ich kam von Independiente nach Malaga und war vielleicht nicht so bekannt. Jetzt komme ich von den Boca Juniors und hatte dort große Erfolge."

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Das Selbstvertrauen, das sich Insua nach einer starken Saison (11 Tore, 13 Vorlagen) und den Meisterschaften mit den Boca Juniors geholt hat, ist nach den wenigen Tagen bei der Borussia spürbar. Der Techniker fordert den Ball, das Bemühen, schnell vor das gegnerische Tor zu kommen, zeichnet die Aktionen aus - oder er sucht selbst den Abschluss. "Er hat Ideen, er kann ein Spiel maßgeblich beeinflussen", sagt Jupp Heynckes. Und nicht nur Torjäger Oliver Neuville hofft auf die zielgenaue Zuarbeit des Neuankömmlings mit der Rückennummer 10: "Er kann den tödlichen Pass spielen."

Vier Millionen Euro ließ sich die Borussia den Wechsel kosten. Monatelang wurde am Deal gefeilt. Jetzt hoffen sie, mit Insua (Vertrag bis 2010) die Schlüsselposition im offensiven Mittelfeld hochwertig und langfristig besetzt zu haben. Seit Jahren fehlte dort der torgefährliche Mann, der Druck aus der zweiten Reihe entfacht. "Er wird sich eingewöhnen müssen, aber er wird es packen", ist Sportdirektor Peter Pander, der Insua vor Jahren zum VfL Wolfsburg lotsen wollte, überzeugt.

Jan Lustig