Leverkusen: Der Bosnier im Interview über Ziele, seinen Vertrag und junge Kollegen

"Ich will nur helfen, ich muss mich nicht mehr profilieren"

Barbarez im Duell mit Berbatov

Bayers Neuzugang Sergej Barbarez (li.), hier gegen den abgewanderten Dimitar Berbatov. imago

kicker: Herr Barbarez, Sie sind ein alter Hase im Geschäft. Konnte Sie beim Trainingsauftakt in Leverkusen noch etwas überraschen?

Sergej Barbarez (34): Auf jeden Fall. Das ist das totale Kontrastprogramm zu Hamburg , was die Öffentlichkeit angeht. Aber das ändert sicherlich nichts an unseren Zielen.

kicker: Wie lauten die?

Barbarez: Wir wollen wiederholen, was vergangene Saison geleistet wurde. Das internationale Geschäft muss unser Ziel sein. Und die Gruppenphase im UEFA-Cup. Ich habe mit dem HSV erlebt, wie positiv sich internationale Erfolgserlebnisse auf die Bundesliga auswirken können.

kicker: Welche Rolle wollen Sie da spielen?

Barbarez: Ich will angreifen, Initiative ergreifen. Meine Denkweise deckt sich mit der des Klubs, da bin ich mir ganz sicher.

kicker: Warum haben Sie sich dann eine "Reiserücktrittsversicherung" einbauen lassen? Warum können Sie den Verein ein Jahr vor Ablauf des Vertrages wieder verlassen?

Barbarez: Es war schwer für mich, von Hamburg wegzugehen. Da hat mir der Verein vorgeschlagen, dass diese Klausel in den Vertrag eingebaut wird. Wenn es nicht hinhaut, kann ich im Sommer 2007 gehen. Ich fand das sensationell, das zeugt von großem Respekt und vom unbedingten Willen, mich nach Leverkusen zu holen. Mit dieser Art hat Bayer mich überzeugt.

kicker: Diese Klausel war also keine Voraussetzung für Ihren Wechsel zu Bayer?

Barbarez: Nein, um Gottes willen!

kicker: Sie werden im September 35 Jahre alt. Spüren Sie mitunter Ihr Alter?

Barbarez: Zunächst einmal spüre ich meine große Erfahrung. Hier in Leverkusen läuft jede Menge Talent rum. Aber nur drei Spieler, Butt, Schneider und Ramelow, sind über 30. Beispielsweise muss der Weggang von Jens Nowotny kompensiert werden. Da kann ich, was die Erfahrung angeht, sicher helfen.

kicker: Helfen sollen Sie auch Ihrem jungen Sturmkollegen Stefan Kießling. Wie können Sie das?

Barbarez: Ich habe schon in Hamburg den jüngeren Kollegen geholfen, in der bosnischen Nationalmannschaft noch mehr. Wichtig ist, dass ein Spieler Hilfe annimmt. Er muss wissen: Ich muss mich nicht mehr profilieren, ich will nur helfen.

kicker: Sie bleiben Nationalspieler für Bosnien-Herzegowina?

Barbarez: Auf jeden Fall. Ich will mit dann knapp 37 Jahren unbedingt zur EM 2008. Das ist mein Traum.

Interview: Frank Lußem