Spanien: Barcas Verteidiger Oleguer im kicker-Portrait

Der stille Anarchist

In der Verteidigung des spanischen Meisters ist er mittlerweile eine feste Größe: Barcas Oleguer(re.).

In der Verteidigung des spanischen Meisters ist er mittlerweile eine feste Größe: Barcas Oleguer(re.). Kicker

"Ich ziehe es vor, in der katalanischen Auswahl zu spielen", sagte der Abwehrspieler. Das wurde als prophylaktische Absage interpretiert - ausgesprochen von einem Katalanen, dem nicht sehr viel daran liegt, Spanien zu repräsentieren.

Das konnte freilich niemanden überraschen, der den aus einer Arbeiterfamilie stammenden Profi hinreichend kennt. Der verhehlte nie seine Sympathien für jenes linksnationalistisch-republikanische Milieu mit anarchistischen Wurzeln, das es in der Form wohl nur in Katalonien gibt. Und diese Haltung fand schon früh in seiner Karriere ihren Ausdruck. Als dem Nachwuchstalent des Drittligisten Gramenet ein Angebot von Espanyol vorlag, lehnte Oleguer ab. Handelt es sich da doch um den Verein von Barcelonas "Spaniern". Doch als dann Barca - über den Sport hinaus eine Standarte katalanischer Identität - 2001 rief, ließ sich der damals 21-jährige Student der Betriebswirtschaft nicht lange bitten.

Nach einem Jahr in der B-Elf durfte er ab 2002/03 gelegentlich im Starensemble aushelfen, in dem er sich letzte Saison dann endgültig einen Stammplatz sicherte. Was zunächst eine Folge der vielen Verletzungsausfälle war, wurde im Zuge des ersten Meistertitels seit fünf Jahren selbst von Barca-Eminenzen wie Johan Cruyff gelobt: "Oleguer ist eine große Entdeckung." Der in der Regel unauffällige aber zuverlässige Arbeiter bedankte sich für solche Aufmerksamkeit vor allem durch zielstrebiges Ausmerzen anfänglicher Schwächen.

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Hatte er vor einem Jahr oft Mühe, bei Laufduellen mit weitaus wendigeren Stürmern mitzuhalten, so ging er nun mit erstaunlich forciertem Antrittsvermögen in die neue Saison. Und mit derart verbesserter Technik, dass ihm auch nach der Rückkehr der zuvor verletzten internen Konkurrenten ein Platz in der Innenverteidigung sicher war. Seit nunmehr Außenverteidiger Belletti verletzt ist, gilt Oleguer auch auf dieser Position als erste Wahl: Denn binnen kürzester Zeit erweiterte er sein Repertoire um rasante Vorstöße.

Die unterlässt Oleguer auch in politischer Hinsicht nicht. Egal ob die Hausbesetzer seiner Heimatgemeine Sabadell Zoff mit der Polizei haben oder linke Gegner der EU- Verfassung mit fundamentaler Kapitalismus-Kritik gegen dieses Projekt angehen: Sie können stets auf die Unterstützung des Fußballers zählen, der vor allem auch deshalb Aufmerksamkeit findet, weil er im Grunde als völlig wortkarger Typ gilt, der kaum auf die Idee käme, sich in eigener Sache in den Vordergrund zu drängen.