Bundesliga

Der Borussen-Plan: Renaissance mit Advocaat

Gladbach: Für den ersten ausländischen Trainer griff der Klub richtig in die Tasche

Der Borussen-Plan: Renaissance mit Advocaat

Dick Advocaat (57) wusste um die Schwere seiner Aufgabe, als er am Mittwoch um 15 Uhr erstmals das Training leitete. "Horst Köppel hat 100 Prozent seiner Spiele gewonnen. Das wird schwer zu schlagen sein", lachte der Holländer. Weniger humorvoll wird es künftig für die Profis zugehen. Advocaat, der knallharte Arbeiter, soll die Mannschaft auf Erfolg trimmen. Das ist der Anspruch des Köppel-Nachfolgers. Und die des Vereins.

"Mit Dick Advocaat haben wir die dauerhafte Lösung, die wir gesucht haben", freute sich Präsident Rolf Königs. Schon am Freitag fand die geheim gehaltene Kontaktaufnahme statt, am Montagabend einigte man sich auf die bis 2007 datierte Zusammenarbeit. Ebenfalls umworben wurde Morten Olsen, der - wie erwartet - seinen Vertrag als Nationaltrainer Dänemarks erfüllen will. Dennoch sagt Königs: "Wir hatten eine Hitliste, auf der Dick Advocaat ganz oben stand." Für den ersten ausländischen Trainer in Borussias Geschichte griff der Klub bei dessen Millionen-Gehalt richtig in die Tasche. Der gewünschte Hochkaräter ist da - ob er auch Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall hat Advocaats Verpflichtung Auswirkungen. . .

. . . auf die Spieler : Disziplin und Arbeit stehen bei Advocaat an oberster Stelle. Ein divenhaftes Lamentieren der Reservisten, das in der Vergangenheit hin und wieder zu Tage trat, akzeptiert der Trainer nicht. "Er ist eine absolute Respektsperson", sagt Igor Demo, der Advocaat aus der Zeit in Eindhoven kennt. Der Konkurrenzkampf wird, gerade vor dem Hintergrund, dass neun Verträge auslaufen, neu entfacht; das 4-4-2-System bleibt zunächst, da Außenstürmer fehlen. Ein Co-Trainer (aus Holland) kommt hinzu. Advocaat: "Ich weiß noch nicht, wer."

. . . für den Verein : Verpflichtungen wie Neuville oder Ziege, jetzt Advocaat auf der Bank - Gladbach hat das Signal gesetzt, wohin der Weg führen soll. Für eine Renaissance des Traditionsklubs muss aber noch mehr investiert werden. In den Verhandlungen mit Advocaat wurde dem Trainer versprochen, dass das Team verstärkt wird. Das Präsidium steht nun in der Pflicht, die Vereinskasse für den Angriff auf die UEFA-Cup-Plätze zu öffnen.

. . . für Christian Hochstätter : Intern, so Königs, "habe es nie eine Diskussion" um den Sportdirektor (Vertrag bis 2007) gegeben. Öffentlich stand Hochstätter durchaus in der Kritik. Dass er innerhalb einer Woche nach der Entlassung von Holger Fach und der Interimslösung Horst Köppel den früheren Bondscoach präsentierte, stärkt seine Position. Das Präsidium bekam den Top-Namen mit Erfolgsvita, den es wollte.

Das Risiko, dass die Rechnung nicht aufgeht, bleibt - für alle Beteiligten.

Jan Lustig