Bundesliga

Klose-Coup sorgt für Euphorie

Bremen: Fabian Ernst will verlängern - Micoud sieht "positives Zeichen" - Geht Lisztes zu Betis? - Kommt Bajramovic?

Klose-Coup sorgt für Euphorie

Alles perfekt, wie der kicker vorab am Montag berichtete, mit dem teuersten Transfer in der Werder-Historie: Fünf Millionen Euro Ablöse, ein erfolgsabhängig gestaffeltes Jahresgehalt von zwei bis 2,5 Millionen Euro, keine Klauseln bezüglich vorzeitiger Freigabe oder fixierter Ablöse.

Ein Deal, der dem Vorgänger des Nationalspielers aus der Pfalz dicke Tränen entlockte. "Für Klose Geld da", schluchzte Ailton, "für Ailton nicht." Sein persönliches Schicksal im Blick, war der Brasilianer indes der Einzige, den diese Erfolgsmeldung in Depression stürzte. Alle anderen zeigten die erwarteten Reaktionen: Von Lachen über Vorfreude bis Euphorie. Positive Emotionen, wie sie Fabian Ernst verkörperte: "Das ist ein gutes Signal. Ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung." Ebenfalls als "positives Zeichen" bewertete Johan Micoud, nach den Abgängen von Ailton und Mladen Krstajic vehement mit der Forderung aufgetreten, neue Spieler zu holen, die Personalie.

Beide Werder-Profis, deren vorzeitige Verlängerung der bis 2005 laufenden Kontrakte nun auf der Tagesordnung steht, hatten ein Signal der Klubführung in Sachen offensiver Personalpolitik verlangt, wie es nun in Form des Klose-Autogramms vorliegt. Während sich der Stratege aus Frankreich momentan zur eigenen Zukunftsplanung nicht konkret äußern möchte ("Ich rede nicht darüber, allein die Meisterschaft zählt"), gibt Fabian Ernst, der Mittelfeld-Dynamo, ein eindeutiges Votum pro Werder ab: "Ich fühle mich hier wohl, sehe keine Probleme, also . . ."

"Wir werden die Gespräche intensivieren", hat Klaus Allofs die konkreten Verhandlungen mit den beiden Stars auf die aktuelle Agenda gesetzt. Im Fall Ernst könnte alles recht schnell gehen, wie der Profi verrät: "Ich habe keine Lust auf ein großes Hickhack, will schnell Klarheit." Bei Werder sind sie sich des Wertes des möglichen Portugal-Fahrers bewusst, was sich auch in einer entsprechenden Offerte ausdrücken sollte. Dies vorausgesetzt, könnte sich Ernst eine Weiterbeschäftigung vorstellen.

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Zuletzt Klose, davor Nery und Fahrenhorst, dazu Klasnic - Sportdirektor Allofs hat seine Hausaufgaben ohne Tadel absolviert. "Alle haben gesagt, Werder kommt mit dem Hintern nicht richtig hoch", so Jürgen L. Born, der Vorsitzende der Geschäftsführung, "nun hat alles perfekt hingehauen." Statt des prophezeiten Ausverkaufs der Beginn einer neuen Ära. Investitionen ohne Hauruck und Harakiri, wie an anderen Ligastandorten. Unterschiedliche Finanzierungsmodelle bei dem Klose-Coup, zudem Spielraum durch einen möglichen Investor, einen neuen Trikotwerbepartner und den Verkauf der Namensrechte am Stadion. Obwohl der genaue Finanzplan noch nicht erstellt ist, wird Werder laut Finanzchef Born für die neue Saison die alten Eckdaten ansetzen: Budget rund 40 Millionen Euro, Personalkosten 20 Millionen Euro.

Werder im grünen Bereich und mit Spielraum für weitere Verstärkungen. Möglich wäre das Holen des Freiburgers Zlatan Bajramovic, den Allofs als "interessanten Spieler" einstuft. Oder bleibt doch Krisztian Lisztes? "Ich kann mir alles vorstellen", sagt der Ungar, nach gescheitertem Vertragspoker schon ausgemustert. Seine Alternative: Betis Sevilla, aber auch Atletico Madrid sowie Birmingham City und Tottenham buhlen um ihn.

Hans-Günter Klemm