Amateure

Schiedsrichter pfiff zu laut: Spieler erhält Schmerzensgeld

Vergleich vor Gericht

2500 Euro für einen zu lauten Pfiff: Spieler erhält Schmerzensgeld von Schiedsrichter

Pierre Hackler hat seine Lehren aus dem Vorfall gezogen: "Ich werde künftig nicht mehr pfeifen."

Pierre Hackler hat seine Lehren aus dem Vorfall gezogen: "Ich werde künftig nicht mehr pfeifen." privat

Dreieinhalb Jahre ist der verhängnisvolle Pfiff nun her, den Pierre Hackler an einem Sonntagnachmittag über den Platz der SpVgg Sonnenberg im Nordosten Wiesbadens schickte. Damals, im Oktober 2018, standen sich die SpVgg Sonnenberg II und die DJK 1. SC Klarenthal II in der Kreisliga B gegenüber. Schiri Hackler wollte eine Rudelbildung auflösen, ließ schrill seine Trillerpfeife zu Wort kommen. Zu schrill: Ein Spieler der Gäste aus Klarenthal, der sich in unmittelbarer Nähe befand, trug bleibende Schäden im linken Ohr davon. Er zeigte Hackler wegen Körperverletzung an, im Jahr 2020 kam es zu einer ersten Verhandlung: Der strafrechtliche Prozess wurde gegen Auflage von 80 Sozialstunden eingestellt. Die hat der Unparteiische bereits abgeleistet.

Im April 2022 nun kam es auch zum zivilrechtlichen Prozess - und zu einem Vergleich im Gerichtssaal: Pierre Hackler zahlt dem Geschädigten 2500 Euro Schmerzensgeld, dafür wird das Verfahren eingestellt. Exakt die Summe, die der Spieler ursprünglich verlangt hatte, bevor er dann doch auf 5000 Euro erhöhte. "Der Richter hat das ganze zunächst belächelt, da dachte ich, das könnte auf einen Freispruch hinauslaufen. Aber ich hatte das Gefühl, er wollte das ganze Verfahren nicht in die Länge ziehen, also hat er uns einen Vergleich nahegelegt", berichtet Hackler. "Ich habe das mit meinem Anwalt besprochen, er hat mir hochgerechnet, dass es teuer werden könnte, wenn ich weiter gehe. Also habe ich einfach in den sauren Apfel gebissen", so Hackler, der seinen Humor dennoch nicht verloren hat: "Das war dann wohl der teuerste Pfiff Deutschlands."

Keine Absicht, aber Vorsatz

Aber wie gingen die Richter/innen in Zivil- und Strafprozess denn mit der Tatsache um, dass es doch Hacklers Job ist, die Pfeife zu verwenden? Wurde ihm unterstellt, sein Arbeitswerkzeug absichtlich in dieser verletzenden Form gebraucht zu haben? "Mir wurde nie wirklich Absicht unterstellt. Aber Vorsatz. Dabei ist doch jeder Pfiff auf dem Platz vorsätzlich", rätselt Hackler nach wie vor. Jüngst am Wochenende, im Bundesliga-Spitzenspiel, habe sich Bayern-Akteur Alphonso Davies auch das Ohr gehalten, als Schiedsrichter Daniel Siebert einmal laut gepfiffen habe. "Und, hat er ihn angezeigt? Das ist doch sicher schon 100.000 Mal vorgekommen, aber so einen Fall wie meinen gab es noch nie."

Enttäuscht ist Hackler auch von einer anderer Stelle: "Vom Verband kam keine Reaktion. Es wäre doch gut, wenn sie kommen und sagen: Wir stehen zu unseren Schiedsrichtern. Wie können wir dich unterstützen, dir helfen? Können wir uns zusammensetzen, uns eine Taktik überlegen? Irgendein Symbol eben...", sagt er. Denn tatsächlich gehe es ja nicht um ihn als einen Einzelfall: "Das wollen ja auch alle anderen Schiedsrichter sehen, die am Wochenende wieder überall in Deutschland auf dem Platz stehen werden." Und sich nicht sicher sein können, ob ihnen ein Pfiff teuer zu stehen kommen wird.

Er selbst übrigens wird nicht mehr dazu zählen. Seit 1997 war er im Einsatz, pfiff bis hoch in die Kreisoberliga und als Assistent in der Hessenliga. Nach hunderten Spielen im Einsatz für den Amateurfußball steht für ihn fest: "Ich werde künftig nicht mehr pfeifen. Ich würde mich doch total lächerlich machen."

Jan Mauer

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