Bundesliga Analyse

Bundesliga 1997/98, 30. Spieltag

SPIELBERICHT

Bei 1860 München begannen Walker, Cerny und Bender für Kientz, Borimirov und Ouakili. Bayern-Trainer Trapattoni nahm gegenüber dem 3:0-Erfolg von Bremen eine personelle und zwei taktische Änderung in seiner Grundformation vor. Babbel spielte auf der rechten Außenbahn gegen den dribbelstarken Heldt und kontrollierte diesen sicher. Auf die freigewordene Manndecker-Position ging Fink zurück, der bei Werder im zentralen defensiven Mittelfeld gespielt hatte. Für den verletzten Stürmer Elber kam Mittelfeldspieler Lizarazu. Dies hatte folgende Auswirkungen: Tarnat rückte eine Position nach innen, so daß Bayern in der Schaltzentrale mit ihm und Hamann sowie Nerlinger mit drei eher defensiv orientierten Leuten bestückt war. Dies führte dazu, daß der Mannschaftsblock häufig sehr tief stand. 1860 hielt sich so oft in der gegnerischen Hälfte auf, konnte sich aber dadurch keine entscheidenden Vorteile verschaffen. In der Offensive eröffneten sich Jancker und Scholl viele Freiräume. Der bullige Stürmer versuchte häufig, seinen Gegenspieler Walker im Rücken zu kreuzen. Seine diagonalen Läufe rissen Löcher in die Abwehr. Häufig wurde er von Scholl eingesetzt, der als zweite Spitze aus dem Mittelfeld kam und sehr viel Spielfreude ausstrahlte. Doch wie schon häufig in dieser Saison warfen individuelle Mißgeschicke der 60er alle taktischen Planspiele über den Haufen. Eine Verkettung von Fehlern führte zum ersten Treffer. Heldt versuchte in der eigenen Hälfte, Babbel auszudribbeln und rutschte dabei aus. Ein Querpaß über fünf Meter zum freistehenden Jeremies hätte die Situation im Ansatz geklärt. Dann verschätzte sich Greilich bei Hamanns Flanke. Dem 2:0 ging ein fürchterlicher Blackout Meiers voraus. Jancker schlich sich von hinten an ihn heran und stiebitzte im den Ball weg, der auf dem Boden lag. Ein Bauerntrick. Die einzige, winzige Entschuldigung für den Torhüter: Bei drei Abschlagversuchen bot sich kein Kollege an, im Gegenteil, jeder drehte ihm den Rücken zu. Kein Feldspieler übernahm Verantwortung. Lothar Matthäus, der sich häufig in Aufbau und Angriff einschaltete, sorgte mit seinem ersten Saisontreffer endgültig für klare Verhältnisse. Die Bayern verpaßten durch fehlende Konsequenz im Abschluß einen möglichen höheren Sieg. Ouakili belebte das Spiel von 1860 und erzielte folgerichtig einen Treffer. An dem jetzt deutlichen Leistungsunterschied, den mehr der Verlierer als der Sieger zu verantworten hatte, änderte dies nichts mehr.