Bundesliga

Ein Kuss für Arne Friedrich: Pal Dardais Antritt bei Hertha BSC

Neuer Hertha-Coach sieht schwierigere Aufgabe als 2015

20 Alligatoren und ein Kuss für Friedrich: Dardais emotionaler Antritt

Die Profis lagen ihm direkt zu Füßen: Pal Dardai mit Matthew Leckie.

Die Profis lagen ihm direkt zu Füßen: Pal Dardai mit Matthew Leckie. imago images

Pal Dardai musste ein Versprechen brechen - schon wieder. "Ich werde nie einen Job mitten in der Saison aufnehmen", hatte er seiner Familie immer gesagt. Jetzt ist er - mal wieder - Chefcoach von Hertha BSC geworden. Mal wieder mitten in der Saison.

Entsprechend schwer sei ihm auch die Entscheidung gefallen, den Posten anzunehmen, sagte der Nachfolger von Bruno Labbadia auf seiner Antritts-Pressekonferenz am Dienstag. Er habe "nicht richtig geschlafen", bevor er schließlich zusagte - und zwar nicht nur wegen der fehlenden Vorbereitungszeit, sondern auch wegen seines vorherigen Jobs. "Ich habe gestern noch das Training der U 16 geleitet und ich habe richtig angefangen zu weinen. Mein Herz ist fast rausgeflogen", berichtete der Ungar. "Das", so Dardai, "ist der schönste Job."

Ich dachte schon, es kommen 20 Alligatoren, die mich auffressen wollen.

Pal Dardai über seine erste Trainingseinheit

Schöner, als die Profis in der Bundesliga zu übernehmen? "Hier ist es immer eine andere Sache, da gibt es immer Stress", sagte Dardai zumindest. Überhaupt Stress. Es war einer der Ausdrücke, die der neue Hertha-Coach in seinen zahlreichen emotionalen Plädoyers auf der Pressekonferenz am häufigsten verwendete. Vom Abstiegskampf, betonte er mehrfach, wolle er gar nicht reden, sondern vom "negativen Stress" seines Teams, den es jetzt zu lösen gelte. Aber: "Ich bin kein Zauberer und sage 'Bam, wir gewinnen jetzt 5:0 gegen Frankfurt'. Die ersten ein, zwei Spiele sind einfach Glück." Eben wegen der fehlenden Vorbereitung.

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2015 war Dardais Start als Hertha-Trainer aber noch deutlich kälter gewesen. Damals hatte er gerade einmal zwei Tage nach seiner Vorstellung schon auf der Bank gesessen - und 2:0 in Mainz gewonnen. Obwohl er die Berliner damals auf einem Abstiegsplatz übernommen hatte, sei die Aufgabe jetzt, auf Tabellenplatz 14, "einen Tick schwieriger als damals. Die Situation wird unterschätzt."

Am Dienstagvormittag hatte Dardai erstmals das Training der Profis geleitet - und war positiv überrascht. "Mein erster Eindruck ist besser als gedacht", erzählte er. Was vielleicht auch an seiner ursprünglichen Erwartungshaltung lag. "Ich dachte schon, es kommen 20 Alligatoren, die mich auffressen wollen", schmunzelte Dardai mit Blick auf die vier Trainer, die Hertha seit seinem Abschied 2019 verschlissen hatte. "Das war überhaupt nicht so. Ich habe keine Individualisten gesehen." Als er der Mannschaft zwei Laufrunden um den Platz verordnet hatte, seien die Spieler "zwei große Runden gelaufen. Ich als Spieler wäre zwei kleine Runden gelaufen."

Dardai und Friedrich: "Haben uns auch mal richtig gefetzt"

Das wird vielleicht auch Arne Friedrich bestätigen können. Herthas neuer Hauptverantwortliche für den sportlichen Bereich spielte von 2002 bis 2010 an Dardais Seite für den Hauptstadtklub. Das, sagte der heutige Sportdirektor selbst auf der Pressekonferenz, "ist nicht immer angenehm gewesen, wir haben uns auch mal richtig gefetzt".

Und trotzdem sei sein ehemaliger Mannschaftskollege nun "der absolute Wunschkandidat gewesen". Und Dardai? Der schlug, angesprochen auf seine erste Amtszeit von Februar 2015 bis Mai 2019, sogar zärtliche Töne an: "Viereinhalb Jahre als Trainer bei diesem Verein, das ist geil. Wenn Arne mich nach viereinhalb Jahren rausschmeißt, dann gebe ich ihm einen Kuss." Vorerst gilt die Vereinbarung bis Sommer 2022. Aber auch darauf wollte sich der Ungar nicht versteifen: "Bis Sommer will ich einen guten Job machen, dann werden wir schauen. Ich bin ein komischer Typ, es muss mir auch Spaß machen."

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