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100 Jahre kicker: 1989 - Das Drama von Hillsborough

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1989 - Das Hillsborough-Drama erschüttert nicht nur die Fußball-Welt

Notfallmaßnahmen mitten auf dem Feld: Die Katastrophe von Hillsborough kostete 96 Menschen das Leben.

Notfallmaßnahmen mitten auf dem Feld: Die Katastrophe von Hillsborough kostete 96 Menschen das Leben. imago images

Der 15. April 1989 ist ein warmer Tag. Die Frühlingssonne strahlt über Sheffield, alles scheint angerichtet für einen perfekten Fußballnachmittag: FC Liverpool gegen Nottingham Forest, Halbfinale im FA Cup auf neutralem Boden. 24.000 Anhänger des LFC reisen ins ausverkaufte Hillsborough Stadium. 94 von ihnen überleben diesen 15. April nicht. Ein Fan stirbt wenige Tage später im Krankenhaus, ein weiterer 1993 nach vier Jahren Koma.

Es ist das schwerste Zuschauerunglück in der Geschichte des europäischen Fußballs - hervorgerufen durch das unbedachte Handeln der polizeilichen Einsatzleitung, die am Einlass ein zusätzliches Tor öffnen lässt, durch das etwa 2000 Fans in den zu diesem Zeitpunkt bereits völlig überfüllten Liverpool-Block strömen. In ihrer Panik klettern Menschen über den Begrenzungszaun aufs Feld oder in die darüberliegenden Blöcke. 96 Menschen werden zu Tode gequetscht und getreten, die Behörden zählen außerdem 766 Verletzte.

Die Geschichte von Hillsborough ist eine besonders tragische Episode der letzten 100 Jahre Fußball - und eine, die nicht nur die Fußballwelt noch lange beschäftigt. Erst 2016, 27 Jahre nach der Katastrophe, stellt ein Gerichtsurteil fest: Hillsborough war kein durch Fehlverhalten der Zuschauer verursachter Unfall, die Opfer von Sheffield wurden "rechtswidrig getötet". Im November 2019 endete das bis dato letzte Verfahren gegen den damaligen Einsatzleiter David Duckenfield.

Auch anderweitig ist Hillsborough bis heute allgegenwärtig. Die beiden Fackeln im Wappen des FC Liverpool sowie der oben prangende Schriftzug "You'll never walk alone" werden im Nachgang an das Unglück zum Logo hinzugefügt - in Gedenken an die "Ninety-Six", wie man sie an der Mersey heute nennt. Am Eingang zur "Kop" an der Anfield Road ist ihnen eine beeindruckende Gedenkstätte eingerichtet worden. Stehplätze in englischen Stadien wurden per Gesetz abgeschafft.

Michael Bächle

1989: Was sonst noch geschah ...

Diego Maradona, Guido Buchwald

Ein Jahr vor dem WM-Endspiel stehen sich Diego Maradona und Guido Buchwald im UEFA-Cup-Finale gegenüber - mit dem besseren Ende für die Argentinier. imago images

Meister: Bayern München

Pokal: Borussia Dortmund (nach 4:1 gegen Werder Bremen)

Fußballer des Jahres: Thomas Häßler (1. FC Köln)

Torschützenkönig: Thomas Allofs (1. FC Köln) und Roland Wohlfarth (Bayern München) - je 17 Tore

DDR: SG Dynamo Dresden (Meister), Berliner FC Dynamo (Pokalsieger nach 1:0 gegen FC Karl-Marx-Stadt), Torschützenkönig: Torsten Gütschow (Dynamo Dresden, 17 Tore), Fußballer des Jahres: Andreas Trautmann (Dynamo Dresden)

Europapokal der Landesmeister: AC Mailand (nach 4:0 gegen Steaua Bukarest)

UEFA-Cup: SSC Neapel (2:1, 3:3 gegen VfB Stuttgart)

Europapokal der Pokalsieger: FC Barcelona (nach 2:0 gegen Sampdoria Genua)

Frauen-Fußball: SSG Bergisch Gladbach (Meister), TSV Siegen (Pokalsieger), BSG Turbine Potsdam (DDR-Meister), BSG Rotation Schlema (DDR-Pokalsieger)
Frauen-EM in Deutschland: Sieger Deutschland (nach 4:1 gegen Norwegen)