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100 Jahre kicker: 1958 - 13 Tore, Pelé und ein Skandalspiel mit Folgen

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1958 - 13 Tore für die Ewigkeit, Pelé - und ein Skandalspiel mit Folgen

Torjäger, Stimmungsmacher, Wunderkind: Protagonisten der WM 1958 in Schweden.

Torjäger, Stimmungsmacher, Wunderkind: Protagonisten der WM 1958 in Schweden. imago images (2), picture alliance

13 Tore bei einer einzigen WM, das hat es vorher und nachher nicht gegeben. Also von nur einem Spieler. Dabei war Just Fontaine bis dato kein großer Star gewesen und hatte das Turnier seines Lebens in den Ersatzschuhen von Mitspieler Stephane Bruey gespielt. Erst im Halbfinale mussten sich verletzungsbedingt dezimierte Franzosen dem späteren Weltmeister Brasilien beugen.

Noch mehr als für Fontaines 13 Tore steht die WM 1958 für den Aufstieg des "Königs": Der erst 17-jährige Pelé wurde gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Garrincha erstmals im entscheidenden dritten Gruppenspiel eingesetzt und führte die Seleção mit seiner frechen Spielweise und sechs Treffern in vier Einsätzen zum ersten WM-Titel. Der Beginn einer einmaligen Weltkarriere.

Fontaine musste seine Laufbahn mit 28 Jahren beenden

Fontaines Laufbahn hingegen endete mehr oder weniger zwei Jahre nach der WM wegen zweier komplizierter Beinbrüche. Im anderen Halbfinale von 1958 hatte nach einem Tritt gegen den Knöchel die Nationalmannschaftskarriere Fritz Walters (37) ein jähes Ende gefunden. Vor einer aufgeheizten und feindseligen Kulisse in Göteborg unterlag Titelverteidiger Deutschland - Erich Juskowiak wurde des Feldes verwiesen - Gastgeber Schweden schließlich zu neunt. Auswechslungen gab es noch nicht.

Eine Niederlage, die sogar das politische Verhältnis beider Nationen zerrüttete. Der DFB haderte neben der rauen schwedischen Gangart auch mit der Schiedsrichterleistung des Ungarn Istvan Zsolt, dem eine Revanche für das vier Jahre zurückliegende Endspiel nachgesagt wurde. DFB-Präsident Peco Bauwens verkündete: "Nie mehr werden wir gegen Schweden spielen." "Schwedenplatten" und das ungarische Gulasch verschwanden vorübergehend von deutschen Speisekarten.

Bis zum nächsten Freundschaftsspiel gegen Schweden dauerte es fünf Jahre, spätestens mit dem 4:2-Sieg bei der WM 1974 war das "Skandalspiel" von Göteborg "gerächt" und auch das sportliche Verhältnis zu Schweden wieder normal.

Niklas Baumgart

1958: Was sonst noch geschah ...

Berni Klodt mit der bis heute letzten Schalker Meisterschale.

Berni Klodt mit der bis heute letzten Schalker Meisterschale. picture alliance

Meister: FC Schalke 04 (nach 3:0 gegen den Hamburger SV)

Pokal: VfB Stuttgart (nach 4:3 n.V. gegen Fortuna Düsseldorf)

DDR: ASK Vorwärts Berlin (Meister), SC Einheit Dresden (Pokalsieger nach 2:1 n.V. gegen SC Rotation Leipzig), Torschützenkönig: Helmut Müller (FC Carl Zeiss Jena, 17 Tore)

Europapokal der Landesmeister: Real Madrid (nach 3:2 n.V. gegen AC Mailand)

Messe-Pokal (Vorläufer UEFA-Cup): FC Barcelona (gegen Stadtauswahl London)

Weltmeisterschaft in Schweden: Sieger Brasilien, Deutschland wird Vierter nach 3:6 gegen Frankreich

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