Frankfurt: Ablöse als gewisse Bürde

Caio kommt auf Touren

Caio im Duell mit Robert Vittek (li.).

Kämpft sich langsam durch: Frankfurts Brasilianer Caio im Duell mit Nürnbergs Robert Vittek (li.). dpa

Umso erfreuter war der 3,8-Millionen-Euro-Einkauf, dass Trainer Friedhelm Funkel zum Gespräch bat und ihm erläuterte, warum er ihn rausnahm. Das dokumentiert die Wertschätzung des Eintracht-Trainers. "Vielleicht bringe ich ihn in Hannover wieder von Anfang an", so Funkel am Mittwoch. Caio wird es gerne hören.

Der 21 Jahre alte Alves dos Santos, der statt eines Künstlernamens seinen Vornamen auf dem Trikot trägt, schätzt, trotz der Sprachprobleme aufgrund fehlender Englisch- und nur ganz geringer Deutschkenntnisse, seine Lage durchaus realistisch ein. "Im Gegensatz zu Brasilien müssen in der Bundesliga alle Feldspieler defensiv arbeiten. Außerdem ist das Tempo wesentlich höher, in Brasilien spielt man mehr, besitzt mehr Zeit, um eine Aktion abzuschließen. Ich werde weiter hart an mir arbeiten, um meine Defizite abzustellen, damit ich der Mannschaft helfen kann", betont er.

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Mit den Kommunikationsproblemen ("Es ist sehr schwer, Deutsch zu lernen") haben sich alle Beteiligten arrangiert. Anfangs übersetzte Mannschaftskollege Chris, seitdem dieser verletzt ausfällt, versuchen die Trainer mit Händen und Füßen die Anweisungen begreiflich zu machen oder "malen die Spielszenen auf Taktikblöcken auf." Annähernd so viel Umgewöhnung wie die Art, Fußball zu spielen, erfordert der deutsche Winter. Bis zu seiner Ankunft hatte Caio immer nur bei Temperaturen ab zehn Grad aufwärts Fußball gespielt. "Anfangs habe ich meine Füße gar nicht gespürt, sie waren eingefroren. Mittlerweile habe ich damit keine Probleme. Aber für die Hände brauche ich immer noch Handschuhe", erzählt der Südamerikaner.

Die ersten 100 Tage im kalten deutschen Winter hat der Mittelfeldregisseur demnächst hinter sich und findet seinen Einstand trotz der geringen Einsatzzeiten (insgesamt 183 Spielminuten) gelungen "Es läuft gut. Natürlich ist die Ablöse eine gewisse Bürde. Ich versuche alles, um mich im Training und im Spiel zu verbessern, damit ich so schnell wie möglich mein Maximum erreiche."

Positiv überrascht war Caio, dass in Deutschland seltener Interna in den Medien breitgetreten werden als in seiner Heimat: "Einmal kam ich zehn Minuten zu spät zum vereinbarten Treffpunkt vor dem Training. Das erfährt man jetzt nur, weil ich davon spreche. In Brasilien hätte es am nächsten Tag in der Zeitung gestanden."

Michael Ebert