Nürnberg: Im nächsten Heimspiel geht's um alles

Meyer: Cottbus als Endspiel

Hans Meyer

Schwerer Blick in die Zukunft: Nürnbergs Trainer Hans Meyer. dpa

Doch das idyllische Bild, es trügt gewaltig. Das 1:1-Unentschieden, mit dem sich der Club am Samstag von Hansa Rostock trennte, hat in Nürnberg eine Art Schockzustand ausgelöst. Mit einer Serie von Heimsiegen gegen die Mitkonkurrenten gedachte sich der als Tabellensechzehnter in die Rückrunde gestartete Pokalsieger aus dem Abstiegsstrudel zu befreien. Die Rückkehr des lange verletzten Publikumslieblings Javier Pinola, die Verpflichtung des Sturmkolosses Jan Koller und die guten Ergebnisse und Leistungen in der Vorbereitung hatten den Gedanken an einen möglichen Abstieg - es wäre der siebte in der Bundesliga-Geschichte der Nürnberger - völlig aus den Köpfen verdrängt.

Spielbericht

Nach dem Fehlstart ins Jahr 2008 jedoch macht sich Angst breit: Was spricht für einen Sieg gegen Cottbus, Bielefeld oder Duisburg, wenn gegen die schwächste Auswärtself der Liga nur ein mickriges 1:1 herausspringt? Zumal sich Zvjezdan Misimovic, bester Torschütze der Franken und am Samstag bis zu seiner Auswechslung auffälligster Spieler, einen Bänderriss im Fuß zuzog und rund einen Monat ausfällt.

Seltsam blutleere Vorstellung Galaseks

"Wir sind zwar noch nicht abgestiegen, aber unsere Situation ist dramatisch schlechter geworden", sagt Meyer. Die Situation des Vereins im Abstiegskampf genau wie seine eigene. Wie schon beim 0:2 in Karlsruhe vor einer Woche vermittelten Meyers Mannen auch gegen Rostock nicht den Eindruck, als würden sie sich bedingungslos und mit aller Macht gegen den Abstieg stemmen. Sicher, jeder Profi spielt in erster Linie für sich und seinen Geldbeutel, doch stellt sich mehr und mehr die Frage, warum Meyer es derzeit nicht schafft, das zweifellos vorhandene Potenzial aus seinen Spielern herauszukitzeln. Natürlich fehlen Selbstvertrauen und Lockerheit; die Entstehung des Ausgleichstores bewies nicht nur dem Trainer, "dass zu viele Spieler mit dieser Situation nicht so toll umgehen können". Doch offensichtlich hat auch das Verhältnis zwischen Trainer und einigen Profis im Laufe der nunmehr 27-monatigen Zusammenarbeit gelitten; frappierend etwa die seltsam blutleere Vorstellung des eineinhalb Jahre lang überragend auftrumpfenden Tomas Galasek am Samstag.

Nach dem Cottbusspiel droht die Reißleine

Dass der Club nicht mit Meyer in die 2. Liga gehen wird, kündigte Sportdirektor Martin Bader bereits im November im kicker an. "Wir sind nicht Mainz oder Freiburg", sagte er gestern erneut. Soll heißen: Meyer braucht dringend Siege, will er das Ende seines bis 2009 laufenden Vertrags auf der Nürnberger Trainerbank erleben. Am Donnerstag im UEFA-Pokal in Lissabon und zwei Tage später in der Bundesliga in Bremen erwartet sie noch keiner von ihm - bei einer weiteren Enttäuschung im nächsten Heimspiel gegen Energie Cottbus aber würde der Club die Reißleine ziehen. Der im April 2007 bei Hertha BSC Berlin entlassene Falko Götz und der zwei Monate zuvor in Bielefeld zurückgetretene Thomas von Heesen werden als erste mögliche Nachfolgekandidaten gehandelt.