Bochum: Fall Kalla wirft Schatten

Warum Pfertzel "falsch" spielt

Marc Pfertzel

Marc Pfertzel jagt dem Ball hinterher. Wo er spielt, ist ihm egal. imago

Zuvor, auf dem Rasen, hat er die Kommandos auf Deutsch gegeben. Englisch spricht er sowieso, Italienisch hat er in seinen vier Jahren bei AS Livorno gelernt. Sprachlich vielseitig ist der Mann, fußballerisch auch. Kurios: Alle Posten in der Viererkette hat der Franzose "durch". Auf der Position aber, für die er eigentlich geholt wurde, spielt er keine Rolle.

Pfertzel: "Meine Stärken liegen weiter hinten"

"Das ist komisch, aber für mich kein Problem", versichert Pfertzel, der nach ausgeheilter Knöchelverletzung wieder mit der Mannschaft trainiert. Als rechter Verteidiger debütierte er am dritten Spieltag, rückte dann auf die linke Seite, weil Philipp Bönig und Martin Meichelbeck verletzt waren, und rutschte zuletzt sogar zweimal in die Innenverteidigung. In Italien war er meist auf der rechten Außenbahn zum Einsatz gekommen und für diese Rolle erst auch beim VfL vorgesehen. "Aber in der Serie A musst du auf dieser Position vor allem defensiv arbeiten, anders als in Bochum", erzählt Pfertzel. Beim VfL operierte Marcel Koller in der Hinrunde stets mit offensiven Außen wie Sestak, Epalle, Fuchs, Ilicevic oder Grote. "Meine Stärken", versichert Pfertzel, "liegen weiter hinten."

Dort wird der 26-Jährige auch in der Rückrunde eher benötigt als im Mittelfeld. Denn nicht nur der Transfer von Mimoun Azaouagh wird hier den Konkurrenzkampf beleben, auch der Japaner Shinji Ono (28, Urawa Red Diamonds), der sich vor zehn Tagen kurz in Bochum vorstellte, bleibt ein Thema, wohl aber noch nicht für das Trainingslager in Spanien. "Ono wird in seiner Heimat medizinisch betreut. Wir bleiben in Kontakt", berichtet Sportchef Stefan Kuntz. "Sobald es sinnvoll ist, soll er nach Deutschland kommen."

Kalla-Skandal: Ermittlungen gegen den VfL

Kalla gegen Koller

77 Erstligaspiele für den VfL: Raymond Kalla (re. Jan Koller). imago

Probleme drohen dem VfL Bochum derweil in Sachen Raymond Kalla (32). Der Ex-Profi des Revierklubs hatte zugegeben, vom VfL zwischen 2002 und 2004 rund 640.000 Euro Schwarzgeld bekommen und nicht versteuert zu haben. Angeblich sei das Geld Kallas Agent in Monaco zugeflossen, ein entsprechendes Papier habe nach Ansicht der Behörden jedoch den Charakter eines Scheinvertrags. Für die Bochumer Seite hatte unter anderem Präsident Werner Altegoer unterschrieben. Die Staatsanwaltschaft hat nun am Montag am Rande des Prozesses vor dem Bochumer Amtsgericht auch Ermittlungen gegen VfL-Klubverantwortliche angekündigt.

Der Vertrag mit dem Spielerberater aus Monaco wurde nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht nur zur Verdeckung von heimlichen Zusatzzahlungen aufgesetzt, sondern auch noch rückdatiert. Offiziell trägt er das Datum vom 1. März 2002. Zu diesem Zeitpunkt, so Kalla im Prozess, sei ein Engagement beim VfL Bochum aber überhaupt noch kein Thema gewesen. Nach der Aussage des 32-Jährigen erklärte Staatsanwältin Stephanie Koch: "Es wird weitere Ermittlungen gegen Mitarbeiter des VfL Bochum geben." Der Verdacht der Lohnsteuerhinterziehung und Beihilfe zur Einkommenssteuerhinterziehung habe sich erhärtet. Der Verein wollte sich Montag nicht zu dem Fall äußern. VfL- Sprecher Christian Gruber sagte: "Vom VfL Bochum wird es zu diesem Vorgang keinerlei Kommentar geben."

Der Kameruner Kalla hatte zwischen 2002 und 2005 77 Erstligaspiele für Bochum bestritten und dabei sechs Treffer erzielt (kicker-Notenschnitt 3,61).