Doping: Sommerloch-Füller

Neururers alte Story bringt nichts

Peter Neururer

Muss sich schriftlich erklären: Trainer Peter Neururer. dpa

Toni Schumacher erklärte schon im Juli 1981: "Um nicht hinterherzulaufen, um überhaupt einen Platz in der Mannschaft zu bekommen, greifen Spieler zu Dopingmitteln." Paul Breitner meinte im Februar 1982: "Jeder, der ehrlich ist, kann nicht daran vorbeigehen, dass es Doping gibt."

Toni Schumacher, Torwart und Kapitän der Nationalelf, kostete es 1987 seine Länderspielkarriere in der Nationalelf nach 76 Einsätzen, nachdem er sein Buch "Anpfiff. Enthüllungen über den deutschen Fußball" vorgestellt hatte. Der Kölner sprach offen über Doping.

Der kicker befragte im Februar 1987 alle Bundesligaprofis, 216 antworteten, 31 sagten aus, dass in der Bundesliga gedopt werde. "Natürlich wird gedopt, Captagon genommen", sagte Hans-Günter Neues, der frühere Kapitän des 1. FC Kaiserslautern. Sein Mannschaftskollege Erhard Hofeditz erklärte: "Ich habe mehrere Spieler erlebt, die sich ab und zu durch einen Schub geholfen haben."

20 Jahre später hat Trainer Peter Neururer, der inzwischen eine mündliche Stellungnahme beim DFB abgegeben hat - eine schriftliche soll folgen -, die alte Story aufgewärmt, aber gleich eingeschränkt, dass mit Beginn seiner Tätigkeit bei Schalke 04 im Jahr 1988 "die Sache längst vorbei" gewesen sei. Trotzdem hat Neururer großes Echo gefunden, Trainer Benno Möhlmann und sein ehemaliger Münsteraner Spielerkollege Hans-Werner Moors sowie andere wussten um das Aufputschmittel.

Seit 1988 führt der DFB Dopingkontrollen durch, 984 Proben wurden in der vergangenen Saison genommen. Niemand schließt aus, dass weiter im Fußball gedopt wird. Paul Breitner meint heute, "dass wir seit Einführung der Dopingkontrollen im Profibereich nur mehr von Einzelfällen reden - aber ich würde jetzt nicht mit dem Finger auf die Radfahrer zeigen." Allein: Mit Neururers "Enthüllungen" von anno dazumal wird nur ein "Fußball-Sommerloch" gefüllt.

Rainer Franzke