2. Bundesliga

120 Millionen gegen zehn Forderungen: Kühnes unmoralisches Angebot an den HSV

Geknüpft an eine komplette Neuausrichtung

120 Millionen gegen zehn Forderungen: Kühnes unmoralisches Angebot an den HSV

Er legte dem HSV ein unmoralisches Angebot vor: Klaus-Michael Kühne.

Er legte dem HSV ein unmoralisches Angebot vor: Klaus-Michael Kühne. imago images

Tim Walter hatte gerade auf dem Podium im Presseraum Platz genommen, um über den kommenden Samstag und Arminia Bielefeld zu reden, als wieder einmal deutlich wurde, wie nachrangig in Hamburg dieser Tage und Wochen der Sport ist. Um 14.45 Uhr verschickte die Kühne Holding AG eine Pressemitteilung, die zweierlei bedeutet: Der Milliardär würde den HSV nahezu komplett sanieren und gleichzeitig den kompletten Verein verändern.

Kühne will seine Anteile auf 39,9 Prozent aufstocken, zwei Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden. Kurzum: Der Deal käme in etwa einer Übernahme gleich. Eine, der Wüstefeld noch vor der Umsetzung zum Opfer fallen würde. Schon vergangene Woche hatte Kühne im "Abendblatt" gesagt, er hoffe, dass der Vorstand "beim HSV bald Geschichte ist". Laut "Hamburger Abendblatt" ist bei der Aufsichtsratssitzung ein Abwahlantrag gegen den Medizin-Unternehmer geplant. 

Arena in Uwe-Seeler-Stadion umbenennen

Mit seinem neuen Plan aber geht es um viel mehr als um Wüstefeld. Kühne bietet Eigenkapital, will aber "einen ständigen Arbeitsausschuss". Dieser soll unter anderem über "die personelle Gremienbesetzung entscheiden". Um Geld zu geben und dafür die Macht zu bekommen, müsste die Struktur verändert werden. Bislang darf die HSV AG lediglich 24,9 Prozent verkaufen. Allein die Mitglieder könnten eine Veränderung beschließen. Kühne strebt aus diesem Grund zügig eine außerordentliche Mitgliederversammlung an.

Klar ist: Kühnes Angebot kommt zu einem Zeitpunkt, da der HSV mit dem Rücken zur Wand steht und sämtliches Tafelsilber verscherbelt ist, vom Stadiongrundstück über die Namensrechte bis hin zu den Catering-Rechten. Kühne bietet ganz konkret 25 Millionen für die fällige Stadionsanierung, 20 Millionen für den Schuldenabbau und 20 Millionen für die Verstärkung der Mannschaft. "Die Kühne-Holding ist bereit, der AG 60 bis 80 Millionen zuzuführen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Aktienverteilung wie folgt neu geordnet wird: 50,1 Prozent HSV e. V., 39,9 Kühne Holding AG, 10 Prozent sonstige Gesellschafter."

Außerdem würde sich Kühne verpflichten, weiterhin die Namensrechte am Stadion zu übernehmen. Sein Plan: Die Arena in Uwe-Seeler-Stadion umbenennen und "für die Dauer von zehn Jahren eine Vergütung von jährlich drei bis vier Millionen an die HSV AG zu zahlen". Ein Schachzug, mit dem er die Mitglieder womöglich emotionalisieren kann.

Sebastian Wolff

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