Bundesliga Analyse

Bundesliga 1998/99, 23. Spieltag

SPIELBERICHT

Personal: Leverkusen ersetzte Heintze, Rink und Zivkovic durch Zé Roberto, Meijer und Lehnhoff. Drei Wechsel auch beim FC Schalke: Van Hoogdalem kam für Alpugan, Wilmots für Hami, Held für Eigenrauch.

Taktik: Mit Lehnhoff auf der rechten und Zé Roberto auf der linken Außenposition entschied sich Christoph Daum für eine offensive Ausrichtung mit dem Ziel, die Schalker Abwehr von den Flügeln her aufzureißen. Nowotny bekam die Aufgabe, bei Ballbesitz sofort in den Vorwärtsgang zu schalten, um Überzahl im Mittelfeld herzustellen. Mit dieser Taktik ging Leverkusen das Risiko ein, hinten in Kontersituationen Eins gegen Eins zu spielen. Die Schalker zogen sich keineswegs zurück, besetzten die zentrale Mittelfeldposition mit Wilmots offensiv und banden so Ramelow weitgehend in der Defensive. Damit provozierten sie einen Bruch in der Leverkusener Mittelachse, versuchten über diese Schnittstelle immer wieder vor das Tor von Matysek zu kommen. Zentrale Figur in den Angriffsbemühungen: Der eminent fleißige Mulder, der Wilmots im Aufbau assistierte und die Bayer-Deckung auseinanderzog.

Spielverlauf: In der Anfangsphase ging das Rezept der Schalker auf. Gefällig kombinierend kreuzten sie immer wieder in der Leverkusener Hälfte auf, ohne allerdings Gefahr zu entwickeln. Mulder ließ sich weit zurückfallen, Goossens jede Gefährlichkeit vermissen. Bayer brauchte rund zwanzig Minuten, ehe sich die Mannschaft auf den Gegner eingestellt hatte. Dann übernahm Nowotny von hinten heraus das Kommando, kurbelte geschickt an, assistiert von Emerson, der als einziger Normalform brachte. Nicht umsonst freilich entsprang die Führung der Platzherren einer Standardsituation. Denn aus dem Spiel heraus erarbeitete sich Bayer zwar einige glasklare Möglichkeiten, vergab die aber in schöner Regelmäßigkeit. Beinlichs Geschoß schien für Ruhe zu sorgen, doch der Schein trog. Schalke ließ nicht locker, wobei sich Wilmots Einsatz bezahlt machte. Der Belgier, von gewohnter Fitneß noch weit entfernt, bestach durch Ruhe und verteilte schön die Bälle. Mulder war ständiger Unruheherd und nutzte schließlich ein Mißverständnis zwischen Nowotny und Robert Kovac zum Ausgleich. Nach diesem Tor verflachte das Spiel der Leverkusener, deren Flügel nunmehr vollends lahmten. Schalke besaß durch Mulder sogar noch die Chance zum Siegtreffer.

Fazit: Ein verdientes Remis, wobei Außenseiter Schalke optisch häufig besser aussah.

Es berichten Frank Lußem und Dirk Westerheide