2. Bundesliga

1. FC Nürnberg: Harte Worte und 300.000 Euro

Noch keine Einigung zwischen Club und Hamm

1. FCN: Harte Worte und 300.000 Euro

Der 1. FC Nürnberg befindet sich im Rechtsstreit mit Finanzdirektor Dr. Mario Hamm.

Der 1. FC Nürnberg befindet sich im Rechtsstreit mit Finanzdirektor Dr. Mario Hamm. imago images/Zink

Nicht nur im Unterhaus ist Kampf mitunter Trumpf, auch bei Gericht und da ging es durchaus zur Sache zwischen Hamm und dem Club. Da fielen harte Worte wie Prozessbetrug oder Nebelkerze. Als eine solche hatte Hamms Anwalt Dr. Detlef Kehlen einen Auflösungsantrag des 1. FCN bezeichnet, den die Mittelfranken am Tag vor der Verhandlung gestellt hatten. Die Hürden allerdings für solch einen Antrag sind hoch. Der Zweitligist unterstellte seinem Ex-Angestellten offenbar, falsche Angaben gemacht zu haben hinsichtlich seiner Aufgaben bei der Begleitung von Transfer- und Beraterverträgen. Prozessbetrug, so lautet der Vorwurf. Starker Tobak. Richterin Dr. Silja Steindl allerdings signalisierte, dass aus ihrer Sicht der Auflösungsgrund nicht so deutlich in Erscheinung trete.

Der Teufel steckt im Detail

Die Nürnberger hatten dem Finanzfachmann, der seit 2012 im Verein ist und nach dem Aus von Ralf Woy 2015 zeitweise als Interimsvorstand agierte, zum 1. Juli 2021 betriebsbedingt gekündigt. Das wollte der 40-Jährige, der auch in der DFL-Kommission Finanzen sitzt, nicht auf sich sitzen lassen und da steckt der Teufel - Stichwort Nebelkerze - nun einmal im Detail. Von außen betrachtet könnte man darauf kommen, dass mit der Einstellung von Sportdirektor Olaf Rebbe im April Hamms Expertise in der Erstellung von Transfer- und Beraterverträgen nicht mehr wirklich nötig gewesen sei.

Hamm, der die Ex-Sportvorstände Andreas Bornemann und Robert Palikuca als Zeugen für seine allgemeinen Tätigkeiten aufgeführt hat, dagegen argumentiert, dass dies sehr wohl der Fall gewesen sei. Er habe auch zwischen April und Juli an Kontrakten erheblich mitgearbeitet. Spannend sind zudem die Zwischentöne. "Wenn Sie im März wissen, dass Sie ein schlechtes Ergebnis haben werden, dann entwerfen Sie Verträge vor, um sie handelsrechtlich ins nächste Jahr buchen zu können", schildert Hamm das Prozedere mit den Bilanzen im Profifußball. Der Gekündigte erklärte zudem, er wolle nur seiner Arbeit nachgehen, Bedarf nach Finanzexperten gebe es in der Corona-Krise im Fußball zur Genüge. Dem hielt Nürnberg-Anwalt Dr. Sebastian Hopfner entgegen, dass er dann ja längst eine neue Aufgabe hätte finden können. Fraglich, ob Hamm das überhaupt anstrebt.

Letztlich ist es aber eben so, dass eine Arbeitsgerichtskammer meist eine gütliche Einigung anstrebt. Rund 300.000 Euro stellte Richterin Steindl in den Raum. Hamm möchte zudem, dass er formell bis September weiterbeschäftigt wird, um den Passus "betriebsbedingte Kündigung" zu tilgen - das Entgelt für die Weiterbeschäftigung wäre in den 300.000 Euro enthalten. Der Club, vertreten von den Vorständen Dieter Hecking und Niels Rossow, bot fürs Erste 100.000 Euro.

Keine Einigung, konstatierte Richterin Steindl, die den Auflösungsantrag des Vereins mutmaßlich zurückweisen wird. Sehr wohl allerdings einigten sich die Parteien darauf, die Gespräche zunächst außergerichtlich fortzuführen. Vielleicht kommt man ja doch zusammen. Ganz so hart also wie zu Beginn der Verhandlung waren die Bandagen zum "Schlusspfiff" doch nicht mehr.

Benni Hofmann

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