Bundesliga

"...dann würde ich mein Geld auf Reus setzen"

Köln: Trainer Solbakken im kicker-Interview

"...dann würde ich mein Geld auf Reus setzen"

"Vielleicht ist es ganz gut, dass es ein Derby ist": Stale Solbakken trifft erstmals als FC-Coach auf Gladbach.

"Vielleicht ist es ganz gut, dass es ein Derby ist": Stale Solbakken trifft erstmals als FC-Coach auf Gladbach. Getty Images

kicker: Herr Solbakken, spüren Sie vor Ihrem ersten Spiel gegen Gladbach so etwas wie Derby-Fieber?

Stale Solbakken: Ich habe das Gefühl, dass die Fans ein bisschen nervös sind wegen der zwei klaren Niederlagen vergangene Saison. Die Spieler freuen sich, aber nach drei Wochen ohne Punktspiel stehen wir vor der Herausforderung, eine Top-Leistung zu zeigen. Durch Verletzungen und Sperren müssen wir jede Woche die Startelf ändern. Ich bin gespannt, wie die Spieler reagieren, die lange nicht gespielt haben. Vielleicht ist es ganz gut, dass es ein Derby ist. Da spielt man mit einer Extra-Energie und kann so die fehlende Kontinuität kompensieren.

kicker: Durch den Spielausfall gegen Mainz fehlen dem FC außer dem Rhythmus auch drei potenzielle Punkte. Ist es psychologisch ein Nachteil, weil man jetzt wieder Druck von unten verspürt?

Stabil im Tabellen-Mittelfeld

Solbakken: Das mag sein, aber wir müssen uns auf das Positive fokussieren. Wenn man sieht, was alles passiert ist - nach zwei Spielen hatten wir 1:8 Tore, Pedro Geromel fehlte sieben Wochen verletzt, Milivoje Novakovic wird mit Hüftproblemen nicht mehr vor Weihnachten spielen, dazu die Ausfälle von Jemal, Sereno, Pezzoni, McKenna, Chihi - dann muss man sagen, dass wir es gut gemacht haben. Das war eine sehr schwierige Periode. Es gab nie Ruhe, keine Kontinuität in der Startelf. Sehen Sie: Gladbach hat in den letzten vier Spielen nur eine Änderung in der ersten Elf vorgenommen. Wir haben noch fünf Spiele bis zur Winterpause, die Verletzten kehren zurück, und falls wir Spieler abgeben, können wir auch welche holen - dann können wir mehr Stabilität finden. Und der Trainer ist dann auch nicht mehr neu...

In Leverkusen, gegen Hoffenheim und Hannover waren wir nahe dran an den 100 Prozent.

kicker: Womit wir beim Thema sind: Gladbach scheint Favres Idee eins zu eins umzusetzen. Zu wie viel Prozent setzt der FC Ihre Idee um?

Solbakken: In Leverkusen sowie gegen Hoffenheim und Hannover waren wir nahe dran an den 100 Prozent. Das war fantastisch. Aber wir haben auch Spiele, in denen es nicht funktioniert. Und wenn wir schlecht spielen, spielen wir richtig schlecht. Wir haben vielleicht noch nicht die Erfahrung, den Mittelweg zu finden. Zu Hause kassieren wir im Schnitt weniger als ein Tor pro Spiel, auswärts sind es mehr als drei. Da gibt es einzelne Phasen, in denen wir regelrecht einbrechen.

kicker: Liegt es nicht auch daran, dass Ihre Spieler mal nach Ihrem Konzept agieren und mal so, wie sie es seit Jahren gewohnt waren?

Solbakken: Das ist ein denkbarer Grund, dass man zwischen zwei Stühlen sitzt in gewissen Situationen. Aber alle Spieler haben das Konzept verstanden. Das ist kein Problem. Alle haben Vertrauen in das Konzept.

kicker: Aber in Dortmund und auch vor dem 2:2 in Bremen funktionierte die Idee nicht...

Solbakken: Eine Erklärung ist auch, dass wir schon mit sechs verschiedenen Innenverteidigern, fünf rechten und vier linken Verteidigern spielen mussten. Und in Bremen lag es nur an einem Mann in Schwarz...

kicker: Zurück zum Derby: In der Abwehr trifft der große Kevin McKenna auf Gladbachs Wiesel Reus. Wie soll das klappen?

Solbakken: Wenn McKenna alleine auf dem ganzen Platz gegen Reus spielen würde, würde ich mein Geld eher auf Reus setzen (lacht). Aber es geht elf gegen elf. Da können wir die Räume aufteilen, uns helfen.

Dass Podolski diese Saison in Köln bleibt, ist sicher - denke ich.

kicker: Ammar Jemal kann nach Adduktorenverletzung nicht helfen.

Solbakken: Die Ärzte sagen, das Risiko wäre zu groß, dass er länger ausfällt.

kicker: Über die Zukunft Lukas Podolskis wird viel spekuliert. Was würde für Sie ein Wechsel Podolskis im Winter bedeuten?

Solbakken: Ich wäre sehr überrascht, wenn er im Winter wechselt. Weil ich sehe, dass er in Köln seine beste Periode überhaupt erlebt. Er hat sich taktisch sehr verbessert. Er muss eine andere Position spielen, hat immer nur ans Team gedacht und nie gesagt: Ich kann nicht ganz vorne spielen. Ich glaube, er ist sehr zufrieden im Moment und kann in dieser Umgebung weiter gut spielen. Das ist für ihn eine gute Vorbereitung auf die EM. Dass er diese Saison in Köln bleibt, ist sicher, denke ich. Aber es ist eine verrückte Welt, man weiß nie.

Interview: Stephan von Nocks