Rückblick auf den Wimbledon-Sieg

Djokovic: Das Comeback des Superhelden am "heiligen Ort"

Tennis - 16.07. 11:44

Novak Djokovic ist zurück. Bei seinem Sieg in Wimbledon erinnert der Serbe an fast vergessene Tage der Dominanz. Es ist das Ergebnis eines Neustarts.

Superheld auf dem heiligen Rasen: Novak Djokovic. © imago

Den goldenen Wimbledon-Pokal im Arm und Söhnchen Stefan fest im Blick - für Novak Djokovic war es der perfekte Moment des Glücks. "Ihn dort zu sehen, hat es zu einem ganz besonderen Augenblick gemacht", sagte der stolze Vater mit Freudentränen in den Augen. Zwar erhalten Kinder unter fünf Jahren im traditionsbewussten All England Club keinen Zugang zu den Matches, aber die Siegerehrung durfte Klein-Stefan ausnahmsweise live erleben.

Klarer Dreisatzsieg

In einem einseitigen Duell hatte Djokovic zuvor den Südafrikaner Kevin Anderson mit 6:2, 6:2, 7:6 (7:3) bezwungen und durch seinen vierten Sieg im Rasenmekka den 13. Grand-Slam-Titel seiner Karriere eingefahren: "Ich werde diesen Moment mein Leben lang im Herzen tragen. Müsste ich zwei meiner Wimbledonsiege herausstellen, wären es der erste und dieser hier."

"Ich werde diesen Moment mein Leben lang im Herzen tragen."

Novak Djokovic

Das lange Warten hat ein Ende - Augenzeuge ein Vierjähriger

Nicht nur die erstmalige Anwesenheit seines vierjährigen Sohnes hatte den Triumph in London für Djokovic zu einem außergewöhnlichen gemacht. Er beendete mit dem Matchball gegen Anderson auch eine fast zweijährige Phase der Zweifel und der Erfolglosigkeit. Eine komplizierte Ellenbogenverletzung hatte Djokovic nach seinem French-Open-Sieg 2016 zunehmend zu schaffen gemacht. Nach einer halbjährigen Pause und einem gescheiterten Comeback bei den Australian Open im Januar entschied er sich für die erste OP seines Lebens.

Hinzu gesellten sich Turbulenzen im Umfeld des früheren Weltranglistenersten. Im Dezember 2016 hatte Djokovic zunächst die äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit mit Boris Becker beendet und sich danach sogar von seinem gesamten Trainer- und Betreuerteam getrennt. Gerüchte über den fragwürdigen Einfluss des esoterischen Mental-Gurus Pepe Imaz kamen auf. Andre Agassi wurde zum nächsten sogenannten "Supercoach" des 31-Jährigen - und war nur wenige Monate später wieder weg.

Erst als der "Djoker" Anfang des Jahres zu seinem Ex-Coach Marian Vajda zurückkehrte, kehrte der Erfolg allmählich zurück. Nachdem er zwischenzeitlich zum ersten Mal seit zwölf Jahren aus den Top 20 der Weltrangliste gefallen war, ist der Serbe nun wieder Zehnter. "Es war eine lange Reise", bilanzierte Djokovic sichtlich bewegt: "Ich hatte nicht erwartet, hier schon wieder in Topform anzutreten."

Der Wimbledon-Pokal als Bastelarbeit des kleinen Novak

Als Kind, so erzählte er, habe er sich den Wimbledon-Pokal aus "verschiedensten Materialien" nachgebastelt und ihn in die Höhe gestemmt. Seinen Triumph auf dem Centre Court hat er vielleicht auch deshalb regelrecht zelebriert: In einer Art Superhelden-Pose, breitbeinig und mit ausgestreckten Armen, mit Animationsgesten für das jubelnde Publikum und einer schon zur kleinen Tradition gewordenen Kostprobe vom Rasen. Wimbledon, sagt Djokovic, ist eben ein "heiliger Ort. Es gibt keinen besseren für ein Comeback."

kon/sid