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05.11.2015, 13:42

Gedanken ans Karriereende

Petkovic: "Ich habe die Leidenschaft für Tennis verloren"

Es ist ein Interview, das wahrlich tief blicken lässt: Andrea Petkovic hat unter Tränen die Fortsetzung ihrer Karriere infrage gestellt und depressive Stimmungen eingeräumt. "Ich hasse derzeit mehr Teile meines Jobs, als ich andere mag", sagt sie nach einem sportlich wie privat schwierigem Jahr. In New York könnte sich nun ihr weiterer Weg entscheiden.

Andrea Petkovic
"Ich muss herausfinden, ob ich weiterspielen will": Andrea Petkovic.
© imagoZoomansicht

Andrea Petkovic ließ einfach allem freien Lauf, ihren Gedanken, ihren Gefühlen. Jeder sollte offensichtlich endlich verstehen, was in ihr vorgeht, was ihr in diesem sportlich so holprigen Tennis-Jahr derart zu schaffen macht. "In den letzten zwei, drei Monaten", sagt sie am Tag nach der 0:6, 0:6-Niederlage gegen Carla Suarez Navarro in Zhuhai, "habe ich die Leidenschaft für den Tennissport verloren."

Es ist ein Interview mit der WTA, das Petkovic nicht hätte geben müssen, das sie durch eine Wand von Tränen führt und das sie dennoch nicht abbrechen will. Sie gibt tiefe Einblicke in ihr Gemüt, beklemmende Einblicke. "Als ich zuhause war, habe ich mich wirklich glücklich gefühlt. Aber ab jener Minute, als ich wieder auf die Tour zurückgekehrt bin, war ich irgendwie deprimiert. So deprimiert, dass ich eigentlich überhaupt nicht mehr aus dem Bett kommen wollte."

Das hat sich wie Folter angefühlt. Jede Minute.Andrea Petkovic

Ihre Mutter erkrankte in diesem Jahr, es sei ein schweres Jahr für die Familie gewesen. "Ich wollte einfach zuhause sein. Aber weil ich Profi und Deutsche bin, habe ich einfach weitergemacht mit dem Training und all den Dingen, die zu tun waren", so Petkovic. Tennistraining, Fitnessübungen, Physio-Besuche: "Das hat sich wie Folter angefühlt", sagt sie, "jede Minute."

Die Erkrankung ihrer Mutter machte ihr zu schaffen, der Auslöser ihres psychischen Tiefs war sie nicht. "Es hat schon letztes Jahr in Linz und Luxemburg angefangen. Ich hatte einfach Glück, dass ich in Sofia gut gespielt habe. Das hat tieferliegende Dinge überdeckt. Manchmal können Ergebnisse trügerisch sein."

Jene tieferliegenden Dinge waren grundsätzlicher Natur: Petkovic begann, "das Tennis-Ding" an sich anzuzweifeln. "Ich hatte das Gefühl, dass es das erste Jahr war, in dem ich vielleicht Zeit für andere Dinge verloren habe, weil ich Tennis spiele. Und das ist so seltsam, weil ich das nie zuvor gefühlt habe. Tennis zu spielen war immer das, was ich mir ausgesucht und was ich machen wollte - doch in diesem Jahr nicht mehr so sehr." Sie werde nicht gehen und "nie wieder zurückkommen", sagt sie zwar, stellt die Fortsetzung ihrer Karriere aber offen infrage: "Ich muss herausfinden, ob ich weiterspielen will."

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich andere Talente habe, in denen ich besser bin.Andrea Petkovic

Was meint sie damit, dass sie Zeit für andere Dinge verloren haben könnte? "Manchmal", konkretisiert Petkovic, "habe ich das Gefühl, dass ich andere Talente habe, in denen ich besser bin. Jeder sagt: 'Du bist dumm. Du warst in den Top Ten, bist immer noch Top 30, du bist eine der besten Spielerinnen der Welt.' Und verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin auf alles Erreichte stolz. Aber es fühlt sich so an, dass ich in etwas anderem besser wäre, wenn ich mich dafür entschieden hätte. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich all diese Zeit durchs Tennisspielen verloren habe. Das ist superdumm, aber ich muss das herausfinden. Es ist auch nicht so, dass ich eine Super-Malerin bin oder eine Super-Schriftstellerin, die jetzt Pulitzer-Preisträgerin wäre, wenn sie nur mit 17 zu schreiben begonnen hätte. Es ist einfach ein Gefühl."

Petkovic will jetzt "vier Tage durchschlafen"

Dazu kommt die Monotonie auf der Tennistour, die sie offenbar immer weniger ertragen kann. "Es gibt immer Dinge, die man an seinem Job nicht besonders gern mag. Das ist normal. Aber die Balance hat nicht mehr gestimmt", gibt Petkovic zu. "Ich hasse derzeit mehr Teile meines Jobs, als ich andere mag. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Ergebnisse derzeit so schlecht sind, so wird nichts mehr überdeckt."

Eine längere Pause "wäre eine richtige und schlaue Wahl gewesen", sagt sie. "Aber da ist diese 'deutsche' Verpflichtung, die Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber - ich kann nicht gegen meine Prinzipien handeln. Und meine Prinzipien bestehen darin, bis zum Schluss so professionell zu handeln wie ich kann. Darum habe ich weitergespielt. Ich wusste, dass das nicht gut für mich ist." Ihr Problem konnte sie so nicht lösen, es wurde eher schlimmer. "Weil ich schon so viel durchgemacht habe, dachte ich, dass es vorübergeht - und es wird vorübergehen -, aber es besteht nun schon eine lange Zeit."

"... dann möge mir Gott beistehen"

Petkovic gilt als kluges und schlagfertiges, manchmal aber auch nachdenkliches und grüblerisches Mitglied des Tenniszirkus. Wie geht sie, die ihren Sport im Guten wie im Schlechten mit Emotionen auslebt, mit diesen belastenden Gefühlen um? "Ich werde jetzt vier Tage durchschlafen, weil ich gefühlt die letzten zwei Monate nicht geschlafen habe", kündigt sie an. "Nächste Woche werde ich dann nach New York fliegen. Ich hoffe einfach, dass ich durchs Schlafen wieder Kraft tanken kann und es mir in New York gut geht. Wenn es mir gut geht, denke ich, dass es ziemlich schnell wieder bergauf gehen wird. Wenn nicht", lacht sie, "dann möge mir Gott beistehen."

jpe

05.11.15
 

Livescores

Beginn Nation Spieler 1. 2. 3. 4. 5. Sätze
26.05. Al. Bedene - - - - - -
11:00 P. Carreno... - - - - - -
 
K. Nara - - - - - -
A. Ivanovic - - - - - -
 
   K. Siniakova & ... - - - - - -
   C.-J. Chuang & ... - - - - - -
 
C. Suarez ... - - - - - -
Q. Wang - - - - - -
 
A. Petkovic - - - - - -
Y. Putints... - - - - - -
 

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