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22.05.2015, 17:27

(Fortsetzung: Witthöft: "Ich bin gerne für mich selbst verantwortlich")

Carina Witthöft bei der Players-Party des WTA-Turniers in Nürnberg
"Zu Hause treffe ich mich am liebsten mit Freunden. Dann ist Tennis kein großes Thema": Carina Witthöft.
© imagoZoomansicht

kicker: Ihre Eltern haben zwei Tennisanlagen in Hamburg. Sie sind mit diesem Sport großgeworden. Doch was fasziniert Sie daran?

Witthöft: Auf jeden Fall, dass es eine Einzelsportart ist. Ich bin gerne für mich selbst verantwortlich. Spiele ich gut, ist das mein Ding, spiele ich schlecht, genauso. Das mag ich. Ansonsten bin ich da so reingewachsen. Früher habe ich auch mal sehr gerne geturnt, doch dafür bin ich zu groß. Dann zwei Jahre Leichtathletik... Aber dann habe ich mich für Tennis entschieden.

kicker: Tennis als Familienangelegenheit - ist das nicht ein schwieriges Konstrukt?

Witthöft: Ich denke, das ist eine Frage der Einstellung. Mit 18 Jahren hatte ich kurzzeitig gezweifelt und weniger Lust auf Tennis. Deshalb habe ich einen anderen Trainer ausprobiert. Doch dann habe ich gemerkt, dass ich so nicht zu meinem besten Tennis kam. Meine Mutter und ich haben es dann noch mal versucht und viel an uns gearbeitet - jetzt klappt es sehr gut.

kicker: Was hat sich verändert?

Witthöft: Ich wurde professioneller und habe gelernt zu unterscheiden: Okay, sie ist auf dem Platz meine Trainerin, und da muss ich akzeptieren, was sie sagt, auch wenn es manchmal nervig ist.

Meine Eltern sind sehr kritisch, wollen aber sicher nur das Beste für mich.Carina Witthöft

kicker: Hätte es ein außenstehender Trainer schwer, in diesem Gebilde zu bestehen?

Witthöft: Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist. Meine Eltern sind halt sehr kritisch, wollen aber sicher nur das Beste für mich. Und wenn ein Trainer gut ist, können sie das auch anerkennen.

kicker: Keine Angst, blockiert zu werden?

Witthöft: Nein, absolut nicht. Es war und ist meine Entscheidung. Das Ausprobieren anderer Trainer ebenso wie die Rückkehr zu meiner Mutter.

kicker: In einer jungen Karriere herrscht gewöhnlich ein krasser Wechsel zwischen schönen Erfolgen und bitteren Niederlagen. Wie erhalten Sie sich Ihr Selbstwertgefühl?

Witthöft: Meistens hat es ja einen Grund, warum man verloren hat. Daran muss man arbeiten, um so schnell wie möglich wieder aus einem Tief herauszukommen. Zum Glück hatte ich noch nie so eine richtige Serie von Niederlagen. Aber sie gehören trotzdem dazu, man kann nicht jeden Tag sein bestes Tennis spielen. Entscheidend ist, dass man aus seinen Niederlagen lernt.

kicker: Viele Sportler sind abergläubisch, pflegen Rituale, die auch Sicherheit geben sollen. Kennen Sie so etwas auch?

Witthöft: Ich versuche, das von mir wegzuschieben. Denn bist du dann mal nicht im Rhythmus, denkst du gleich: Oh nein, jetzt muss ich ja verlieren... Je unabhängiger man davon ist, desto befreiter ist man. Nur mein Aufwärmprogramm ist immer gleich. Und auf dem Platz zähle ich manchmal Schritte.

kicker: Schritte zählen?

Witthöft: Nach einem langen Ballwechsel, oder wenn ich mal gerade vom Kopf her draußen bin, gehe ich 12, 13 Schritte, bis ich wieder an der Linie stehe. So gewinne ich etwas Zeit, atme durch und konzentriere mich erneut auf den Ballwechsel.

kicker: Wie entspannen Sie abseits vom Tennis?

Witthöft: Zu Hause treffe ich mich am liebsten mit Freunden. Dann ist Tennis kein großes Thema, da schalte ich super ab. Oder ich gehe mal shoppen oder auch ins Kino.

kicker: Was haben Sie zuletzt gesehen?

Witthöft: 96 Hours - Taken 3, einen Actionfilm. Ich sehe ganz gerne spannende Sachen.

kicker: Ab Sonntag gibt es wieder viel Action und Spannung in Paris, bei den French Open.

Witthöft: Ja, darauf freue ich mich total. Die Grand Slams sind die Highlights im Jahr. Diesmal muss ich auch nicht durch die Qualifikation. Ich starte direkt im Hauptfeld, eine neue Erfahrung und eine große Chance.

kicker: Was ist Ihr Ziel?

Witthöft: Die Australian Open haben gezeigt, dass man auch gegen die Top-Spielerinnen eine Chance hat. In der ersten Runde habe ich zum Beispiel gegen eine Top-20-Spielerin gewinnen können, und das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Es kommt natürlich trotzdem auch immer ein wenig auf die Auslosung an, aber ich möchte so lange im Turnier bleiben wie möglich - und auf jeden Fall gutes Tennis spielen.

Interview: Sabine Vögele

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weitere Infos zu C. Witthöft

Vorname:Carina
Nachname:Witthöft
Nation: Deutschland
Profi seit:2010
Weltranglistenplatz:-

French Open

Austragungsort:Paris
Land: Frankreich
Modus:Grand Slam
Die letzten Sieger:
2018  Rafael Nadal
2017  Rafael Nadal
2016  Novak Djokovic
2015  Stanislas Wawrinka
2014  Rafael Nadal


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