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22.05.2015, 17:27

Tennis-Hoffnung im kicker-Interview

Witthöft: "Ich bin gerne für mich selbst verantwortlich"

Bei den French Open treffen sich ab Sonntag die Tennis-Asse zum zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Mit von der Partie: Carina Witthöft (20), die als größtes deutsches Tennis-Talent gilt. Im kicker-Interview spricht die Hamburgerin über ihren kontinuierlichen Aufstieg, Stärken und Schwächen, ihre kritischen Eltern - und ihre spezielle Marotte auf dem Court.

Carina Witthöft
"Ich fühle mich auf der Tour unheimlich wohl, das ist genau das, was ich machen möchte": Carina Witthöft.
© imagoZoomansicht

Sie gilt als Deutschlands größtes Tennis-Talent. Schlag auf Schlag klettert Carina Witthöft (20) in der Weltrangliste nach oben, erreichte am 11. Mai Platz 56. Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner sagt über die Hamburgerin, die von ihren Eltern Gaby und Kai Witthöft betreut wird: "Für Carina gibt es kein Limit nach oben." Bei den Australian Open im Januar, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, stand die 1,76 Meter große Blondine in der dritten Runde - der Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere. Ab Sonntag schlägt Carina Witthöft bei den French Open in Paris auf, wo sie ihr Auftaktmatch gegen die Tschechin Katerina Siniakova (19) bestreitet.

kicker: Frau Witthöft, in den vergangenen Jahren ging es ständig bergauf. Wie sehen Sie die bisherige Saison 2015?

Witthöft: Ich bin zufrieden. Mit den Australian Open ging es ja richtig gut los. Dann der Turniersieg in Altenkirchen, dazu einige Erfolge auf WTA-Turnieren - und zuletzt habe ich ja mein bislang größtes Turnier in Cagnes-sur-Mer gewonnen. Jetzt freue ich mich auf die großen Aufgaben bei den Grand Slams und möchte weiter angreifen.

kicker: Worauf führen Sie Ihre überaus positive Entwicklung zurück?

Witthöft: Da spielen sicher unterschiedliche Faktoren mit. Vor allem habe ich in eine gute Kontinuität im Training gefunden. Die Konstellation mit meiner Mutter als Coach funktioniert aktuell sehr gut und ich mache täglich Fortschritte. Entscheidend ist aber, dass ich das im Training Erlernte auch auf dem Platz beherzige und umsetze. Dann mache ich seit Ende letzten Jahres viel mehr Fitnesstraining, was man natürlich auf dem Platz merkt. Und ich bin im Kopf entspannter, das heißt, ich spiele in engen Situationen freier auf.

Wir verstehen uns gut. Aber ich sehe das nicht als richtige Freundschaften.Carina Witthöft über Andrea Petkovic, Angelique Kerber & Co.

kicker: Wer oder was bewirkt diese Lockerheit?

Witthöft: Auch meine Mutter (lacht). Sie beschäftigt sich viel mit Mentalcoaching. Tennis wird auch im Kopf entschieden.

kicker: Sie gelten als Deutschlands größtes Talent. Ist das eher eine Bürde oder Motivation?

Witthöft: Ich sehe es positiv. Du bekommst Anerkennung, man sieht Potenzial in dir - das motiviert natürlich.

kicker: Wo sehen Sie momentan Ihre Stärken?

Witthöft: Auf jeden Fall in meinem aggressiven, offensiven Spiel, das habe ich gerade in den vergangenen Wochen und Monaten extrem trainiert. Ich muss es nur noch konsequenter im Spiel umsetzen. Das ist schwierig, aber ich bin auf einem guten Weg. Außerdem gehören mein Aufschlag und der Return zu meinen Stärken.

kicker: Und wo schlummern Reserven?

Witthöft: Meine Fitness kann ich sicher immer ausbauen. Und mein zweiter Aufschlag soll noch aggressiver kommen.

kicker: Haben Sie einen Lieblingsbelag?

Witthöft: Sobald ich mich ein, zwei Turniere eingespielt habe, fühle ich mich auf allen Belägen sehr gut. Jetzt bei der Umstellung auf Sand hatte ich zuerst Probleme, weil es langsamer ist und ich schneller spiele. Aber zuletzt hatte ich auch dort gute Turniere.

Mit 18 Jahren hatte ich kurzzeitig gezweifelt und weniger Lust auf Tennis.Carina Witthöft

kicker: Sie sind noch relativ neu auf der WTA-Tour. Haben Sie sich das Profi-Leben genau so vorgestellt?

Witthöft: Richtig kennengelernt habe ich das erst in diesem Jahr, ich fange ja gerade an, WTA-Turniere zu spielen. Doch ich fühle mich da unheimlich wohl, das ist genau das, was ich machen möchte.

kicker: Kommen Sie sich trotzdem manchmal verloren vor?

Witthöft: Ich habe den Vorteil, dass ich so gut wie immer ein Familienmitglied dabei habe. Meine Mutter, mein Vater oder mein Freund Phillip, der auch mein Fitnesstrainer ist. Das Reisen ist natürlich auch anstrengend, aber es gehört dazu. Wir haben jetzt gerade die USA-Serie im August geplant, vier, fünf Turniere am Stück - ich bin gespannt, wie das wird.

kicker: Sie nennen Maria Sharapova Ihr Vorbild. Warum?

Witthöft: Ich finde es extrem beeindruckend, wie sie sich auf dem Platz gibt, wie professionell sie jeden Punkt sofort abhakt und immer ihr Spiel durchzieht, immer ihren Weg geht.

kicker: Wie ist Ihr Verhältnis zu den deutschen Top-Spielerinnen wie Andrea Petkovic, Sabine Lisicki oder Angelique Kerber?

Witthöft: Mittlerweile kenne ich alle, und alle kennen mich. Wir verstehen uns gut, respektieren uns und unterhalten uns auch mal auf einer Players-Party. Aber ich sehe das nicht als richtige Freundschaften - die sind auch schwierig zu pflegen in diesem Sport.

kicker: Wie finden Sie Ihre Position in der "zweiten Reihe"?

Witthöft: Klar stehe ich im Schatten der anderen. Das ist für mich aber total in Ordnung und es nimmt vielleicht etwas Druck raus. Spielen wir dasselbe Turnier, und ich fliege früh raus, während die anderen weiterkommen, ist es noch nicht dramatisch. Wäre ich die Einzige, wären die Erwartungen an mich entsprechend höher.

Interview: Sabine Vögele

 
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weitere Infos zu C. Witthöft

Vorname:Carina
Nachname:Witthöft
Nation: Deutschland
Profi seit:2010
Weltranglistenplatz:56

French Open

Austragungsort:Paris
Land: Frankreich
Modus:Grand Slam
Die letzten Sieger:
2017  Rafael Nadal
2016  Novak Djokovic
2015  Stanislas Wawrinka
2014  Rafael Nadal
2013  Rafael Nadal


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