| Vorname: | Novak |
| Nachname: | Djokovic |
| Nation: | Serbien |
| Profi seit: | 2003 |
| Weltranglistenplatz: | 1 |

Lange war Andy Murray in seiner eigenen Welt: An Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal biss er sich regelmäßig die Zähne aus, umgekehrt konnten Spieler à la Jo-Wilfried Tsonga oder David Ferrer nicht mit dem Schotten mithalten. Doch 2012 hat der Ivan-Lendl-Schützling aufgeschlossen, er ist jetzt einer von vier Branchenführern - auch wenn er am Sonntag das Finale beim Shanghai-Masters verlor.
Denn welch ein Finale das war! 3:21 Stunden spielten beide Kontrahenten auf absolutem Weltklasse-Niveau. Hier der Weltklasse-Verteidiger Murray, der 2010 und 2011 in Shanghai triumphierte, dort der nie aufgebende Djokovic, der nach seinem Sieg in Peking weiter Druck auf Weltranglisten-Primus Federer ausüben wollte.
Das Ergebnis war ein 5:7, 7:6 (13:11), 6:3 aus Sicht des Serben. Schon die Zahlen zeugten von einem Finale, das sich irgendwo zwischen Thriller und Drama ansiedelte und einmal mehr bewies, wie hoch die Qualität im Herren-Tennis momentan ist. Atemberaubend war schon der erste Satz, auch wenn beide Kontrahenten jeweils nur eines ihrer ersten vier Aufschlagspiele durchbringen konnten. Murray lag dann bereits 4:5, 0:30 zurück, bewies aber Nervenstärke - 7:5. Djokovic zertrümmerte frustriert seinen Schläger, seine starke Vorstellung war von Murray noch getoppt worden.
Es blieb eine unglaublich hochklassige Angelegenheit, in der Murray in Satz zwei ein Breakball reichte, um beim Stand von 5:4 zum Matchgewinn zu servieren. Djokovic konterte den 0:30-Rückstand noch unter anderem mit einem Sensationslob, konnte den Matchball jedoch nicht verhindern - ihn aber sehr wohl abwehren.
Es folgte ein über 20-minütiger Tiebreak, in dem die Dramatik schließlich ihren Höhepunkt erreichte. Djokovic erwischte den besseren Start, doch Murray war es, der auf einmal 6:4 führte und weitere Matchbälle hatte - wieder zog "Nole" den Kopf aus der Schlinge. Jetzt hielt der Aufschlag auf beiden Seiten, bis es 11:11 stand, Djokovic den Mini-Vorteil erwarb und bei eigenem Service mit 13:11 veredelte. Ausgleich! Die Zuschauer standen Kopf, Murray, der insgesamt fünf Matchbälle vergab, tauschte seinen inzwischen unbrauchbaren Schläger.
„Ich hoffe, ihr nehmt meine Entschuldigung an dafür, dass ich euch heute ein paar Herzattacken beschert habe. Ich mache das nicht absichtlich - wirklich!“Novak Djokovic auf Twitter
Das berühmte "Momentum" hatte jetzt Djokovic auf seiner Seite, und er wusste es mit dem vorentscheidenden Break zum 4:3 im letzten Durchgang zu nutzen. Als schließlich ein Rückhandschlag Murrays zu lang geriet, war Djokovics Sieg perfekt, anders als Murray verwandelte er immerhin schon seinen dritten Matchball.
Damit gelang dem Weltranglistenzweiten die Revanche für das verlorene US-Open-Finale gegen Murray, seitdem verlor der "Djoker", der vorige Woche auch in Peking nicht zu stoppen war, kein Match mehr auf der Tour. Der 33. Titel bedeutete auch den neunten Sieg über Murray bei sieben Niederlagen - und er untermauerte den Anspruch, möglichst bald auf den Weltranglisten-Thron zurückzukehren. Murray, früher als Nervenbündel verschrien, verlor zwar mal wieder ein wichtiges Match, doch viel exakter als an diesem Sonntag konnte er sich kaum auf Augenhöhe bewegen.
| Austragungsort: | Shanghai |
| Land: | China |
| Modus: | ATP-Masters-Series |
| Die letzten Sieger: | |
| 2012 | Novak Djokovic |
| 2011 | Andy Murray |
| 2010 | Andy Murray |
| 2009 | Nicolay Davydenko |