| Vorname: | Cedrik-Marcel |
| Nachname: | Stebe |
| Nation: | Deutschland |
| Profi seit: | 2010 |
| Weltranglistenplatz: | 166 |
Grau, trostlos, bedrückend, windig - so wie das Wetter in Hamburg ist dieser Tage auch die Gemütslage des deutschen Herren-Tennis. Michael Stich wird in Kürze in die "Hall of Fame" eingeführt, davon sind die derzeitigen Protagonisten so weit entfernt wie nur irgend möglich. Selbst am ersten Tag des wichtigen Relegationsspiels gegen Australien ging das Theater rund um das deutsche Davis-Cup-Team weiter. Die Außendarstellung ist allenfalls noch drittklassig - und auch sportlich könnte die traurige Realität bald Zweitklassigkeit heißen.
Ein derart unruhiges Umfeld war nicht gerade dazu angetan, einem Youngster wie Cedric-Marcel Stebe bei seinem zweiten Davis-Cup-Einsatz Sicherheit zu verleihen. Sein Auftaktmatch gegen Bernard Tomic verlor er in 3:17 Stunden 6:2, 3:6, 4:6, 6:7 (4:7). Zu Beginn der Partie ließ Stebe mit starkem Sandplatztennis sein großes Potenzial aufblitzen. Nach dem klaren Satzgewinn hatte der 21-Jährige im zweiten Durchgang Breakbälle, nutzte sie aber nicht und spielte in der Folge bei 15 Grad und kühlem Wind zu inkonstant. "Ich habe nicht so gegengehalten wie es nötig gewesen wäre", gab sich Stebe am NDR-Mikrofon selbstkritisch: "Ich muss versuchen, in entscheidenden Situationen konsequenter und tougher im Kopf zu werden."
Das gelang Florian Mayer im zweiten Einzel besser. Gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Lleyton Hewitt setzte sich der Bayreuther unter dem nun geschlossenen Dach des Center Courts dank einer glänzenden Vorstellung sicher mit 7:5, 6:3, 6:2 durch. Dabei bewies Mayer nach zuletzt vier Niederlagen im Davis Cup Nervenstärke, als Hewitt im ersten Satz bei einer 5:4-Führung zum Satzgewinn aufschlug. Doch Mayer gelang das Rebreak, das den Weg zum 7:5 und damit zur Satzführung ebnete. "Der erste Satz war sehr umkämpft. Danach habe ich mich locker und frei gespielt und sehr gutes Tennis gezeigt. Das waren meine Bedingungen", erklärte der Weltranglisten-25., den auch ein Aufschlagverlust im zweiten Satz nicht mehr aus der Bahn warf. "Klar stand ich unter Druck", gestand der 28-Jährige ein: "Cedrik hat blöd verloren, ich musste das 1:1 holen."
Sehr wichtig für einen Sieg über die Australier und den damit verbundenen Klassenerhalt ist nun ein Sieg im Doppel am Samstag (14 Uhr) zwischen Philipp Petzschner/Benjamin Becker (Bayreuth/Orscholz) und Lleyton Hewitt/Chris Guccione. Die endgültige Entscheidung wird nun aber erst in den Einzeln am Sonntag fallen.
Vor der Begegnung hatte Teamchef Patrik Kühnen, dessen Vertrag am Ende des Jahres ausläuft, unermüdlich versucht, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Er hatte den formstarken Philipp Kohlschreiber als Stinkstiefel ausgemacht und ausgebootet, Gesellschaftsspiele sollten den lange vermissten Teamgeist zutage fördern. "Nur im geschlossenen Team werden Kräfte frei", meinte Kühnen, seine neue Nummer eins Florian Mayer ergänzte: "Alle Nebenkriegsschauplätze sind nun ausgeblendet."
Michael Stich mahnte alle Beteiligten zur Besonnenheit. "Es geht doch hier nicht um die, die nicht da sind, es geht darum. Deutschland erstklassig zu halten", sagte der frühere Weltklassespieler: "Nach der Partie sollten sich Patrik und natürlich auch der DTB mit allen an einen Tisch setzen und versuchen, die Probleme zu lösen."

Mit der viel zitierten Ruhe und Konzentration auf die sportliche Aufgabe war es trotz aller gegenteiligen Beteuerungen allerdings schon vor dem ersten Aufschlag wieder vorbei. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" meldete sich ausgerechnet Mayer am Spieltag zu Wort und kritisierte Verbandspräsident Karl Altenburg, der angeregt hatte, nur noch Olympiastarter für den Davis Cup zu nominieren. Für London hatte Mayer bekanntlich abgesagt, nun zeigte er sich "sehr enttäuscht".
Ex-Profi Alexander Waske tat derweil sein Übriges, um den trügerischen Frieden im deutschen Team nach Kräften zu stören. Im Gespräch mit der FAZ griff der frühere Doppelspezialist Kohlschreiber und Kühnen an und machte seinem Ärger über die Schieflage des deutschen Herren-Tennis Luft.
"Worüber reden wir? Wir reden über eine einzige Person: Philipp Kohlschreiber", sagte Waske: "Philipp Kohlschreiber macht seit Jahren, was er will." Kühnen warf er vor, nicht genug für den Teamgeist getan zu haben. "Du brauchst die Bereitschaft aller Spieler, immer zu spielen, und das musst du dir über Jahre erarbeiten", sagte der 38-Jährige, der in seiner Akademie in Offenbach erfolgreich mit Andrea Petkovic und Angelique Kerber trainiert: "Es gibt keine Kultur bei uns, die das Miteinander pflegt."
Der pausierende Tommy Haas, der beim ATP-Turnier in Hamburg vor zwei Monaten ins Finale eingezogen war, twitterte vor dem ersten Aufschlag derweil aus dem fernen Amerika: "Here we go Jungs, heute geht's wieder für Deutschland. Drücke euch die Daumen, come on!!!!" Ein Einsatz am Rothenbaum hätte vielleicht mehr geholfen. Die Schweiz führt in ihrem Abstiegsduell mit den Niederlanden unterdessen mit 2:0. Den ersten Punkt holte ein gewisser Roger Federer. Stanislas Wawrinka legte dann nach.
| Vorname: | Ashley |
| Nachname: | Hewitt |
| Nation: | Großbritannien |
| Profi seit: | |
| Weltranglistenplatz: | - |