| Vorname: | Angelique |
| Nachname: | Kerber |
| Nation: | Deutschland |
| Profi seit: | 2003 |
| Weltranglistenplatz: | 8 |
Die Überdosis Wimbledon hat Angelique Kerber nicht vertragen. "Ich fahre jetzt erst mal ins olympische Dorf zurück. Hier gucke ich mir bestimmt kein Spiel mehr an", sagte sie nach ihrer 4:6, 5:7-Niederlage im Viertelfinale des olympischen Tennisturniers gegen die Weltranglistenerste Viktoria Azarenka. Kerber hatte gewohnt verbissen gekämpft, Rückstände aufgeholt und Matchbälle abgewehrt, bei der Medaillenvergabe wird sie dennoch keine Rolle mehr spielen.
Sieben Spiele in sechs Tagen, in drei Disziplinen, hatte Kerber während der Olympischen Spiele im All England Club absolviert. Sie hatte im Haus in der Summerset Road genächtigt, um nicht den weiten Weg aus dem olympischen Dorf antreten zu müssen, und damit auf ein Stück Olympiaflair verzichtet. Vielleicht sagt Kerber auch deshalb: "Es war eine tolle Erfahrung, die allerdings nicht unbedingt in Wimbledon hätte stattfinden müssen."
Nicht, dass die 24-jährige Linkshänderin etwas gegen den idyllischen Stadtteil vor den Toren der hektischen Metropole hätte. Ganz im Gegenteil: Mit dem Halbfinaleinzug beim Grand-Slam-Turnier vor vier Wochen hat Kerber auch zu SW19 und seinem heiligen Rasen eine Beziehung aufgebaut. Die wäre allerdings noch inniger geworden, wenn Azarenka im olympischen Viertelfinale nicht einen ihrer besten Tage in diesem Sommer erwischt hätte. Die Weißrussin hatte vor dem Match nicht als schlechtes Los gegolten, obwohl sie nach ihrem Einzug ins Wimbledon-Halbfinale den Platz an der Weltspitze zurückerobert hatte. Das erfolgreiche Frühjahr mit 26 Siegen in Serie und dem Titel bei den Australian Open liegt allerdings schon eine Weile zurück.
Gegen Kerber agierte sie jedoch druckvoll, konzentriert und mit einem goldwürdigen Matchplan. "In den entscheidenden Momenten war sie heute einfach besser als ich. Das muss ich anerkennen", sagte die Kielerin. Auf dem ramponierten Rasen stemmte sich Kerber aufopferungsvoll gegen das Aus. Nach einem missratenen Start lief sie im gesamten Spiel einem Rückstand hinterher, sobald sie Azarenka eingeholt hatte, schaltete die wieder einen Gang höher. "Das hat Kraft gekostet, vor allem mental. Aber ich war nie negativ und habe bis zum letzten Punkt an den Sieg geglaubt", sagte Kerber. Drei Matchbälle hatte sie abgewehrt, der vierte war einer zuviel.
Azarenka hat nun zwei Chancen auf eine Medaille, wobei die erste nicht besonders groß erscheint. Im Halbfinale trifft sie - wie vor vier Wochen - auf Serena Williams (USA/Nr. 4). Die fünfmalige Wimbledonsiegerin ist nach ihrem 14. Grand-Slam-Titel erneut im Eiltempo unterwegs, bezwang Caroline Wozniacki (Dänemark/Nr. 8) 6:0, 6:3 und steht nun davor, ihr erstes olympisches Edelmetall im Einzel zu gewinnen.
Kerber nimmt derweil zumindest die einmalige Erfahrung der Eröffnungsfeier mit. "Das war das beste Erlebnis in meinem Leben", schwärmte sie, und die Niederlage schien ein wenig ihren bitteren Geschmack verloren zu haben. Vor allem mit der Aussicht auf die US-Tour, auf der Kerbers Aufstieg 2011 begonnen hatte: "Ich freue mich jetzt auf New York, wo es im vergangenen Jahr 'boom' gemacht hat."
Maria Sharapova ist bei ihren ersten Olympischen Spielen ebenfalls ins Halbfinale eingezogen. Die French-Open-Siegerin setzte sich in Wimbledon gegen Kim Clijsters (Belgien) 6:2, 7:5 durch und spielt am Samstag gegen ihre russische Teamkollegin Maria Kirilenko um eine Medaille. Kirilenko setzte ihren Siegeszug nach dem Erfolg über Julia Görges (Bad Oldesloe) fort und bezwang Petra Kvitova (Tschechien/Nr. 6), Wimbledonsiegerin von 2010, 7:6 (7:3), 6:3.
Wimbledonsieger Roger Federer ist nur noch einen Schritt von seiner ersten olympischen Einzelmedaille entfernt. Der Schweizer Weltranglistenerste setzte sich gegen John Isner (USA/Nr. 10) 6:4, 7:6 (7:5) durch und trifft im Halbfinale auf den an Position acht gesetzten Juan Martin Del Potro. Der Argentinier gewann gegen Kei Nishikori (Japan/Nr. 15) 6:4, 7:6 (7:4). Bereits vor zwölf Jahren hatte Federer in Sydney ein olympisches Halbfinale erreicht, dieses allerdings gegen Tommy Haas und später das Spiel um Bronze gegen Arnaud Di Pasquale (Frankreich) verloren.
Andy Murray greift in Wimbledon nach seiner ersten Olympiamedaille. Unter den Augen von Prinz William und dessen Frau Kate setzte sich der britische Weltranglistenvierte gegen Nicolas Almagro (Spanien/Nr. 11) nach nur 59 Minuten 6:4, 6:1 durch und steht im Halbfinale am Freitag. Dort trifft der 25-jährige Schotte, der zuletzt beim Grand Slam in Wimbledon als erster Brite seit 74 Jahren ins Finale eingezogen war, auf Novak Djokovic (Serbien). Der Weltranglistenzweite setzte sich in seinem Viertelfinale gegen Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich/Nr. 5) 6:1, 7:5 durch. Djokovic hatte bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Bronze gewonnen.
Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt im Mixed haben Sabine Lisicki (Berlin) und Christopher Kas (Trostberg) für eine Überraschung gesorgt. Die letzten verbliebenen Deutschen im olympischen Tennisturnier bezwangen die Top-Favoriten Liezel Huber/Bob Bryan (USA/Nr. 2) 7:6 (7:5), 6:7 (5:7), 10:5 im Match-Tiebreak und zogen damit ins Viertelfinale ein. Kas und Lisicki treffen am Freitag auf die Italiener Roberta Vinci/Daniele Bracciali.
Der Mixed-Wettbewerb wird zum ersten Mal seit den Olympischen Spielen 1924 in Paris wieder ausgetragen. Lisicki und Kas waren als letzte Paarung ins Teilnehmerfeld gerutscht.
| Austragungsort: | |
| Land: | (Weltweit) |
| Modus: | WTA-Series |
| Die letzten Sieger: | |
| 2012 | Serena Williams |
| 2008 | Elena Dementieva |
| 2004 | Justine Henin |
| 2000 | Venus Williams |
| 1996 | Lindsay Davenport |