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23.09.2007, 17:43

Kohlschreiber verliert entscheidendes Einzel

Das DTB-Team ist gescheitert

Philipp Kohlschreiber hat das entscheidende Einzel gegen Igor Andreev verloren - das deutsche Team verpasste damit das Davis-Cup-Finale. Der Russe sicherte seiner Mannschaft mit einer sehr starken Leistung das Ticket fürs Endspiel in den USA. Kohlschreiber musste sich mit 3:6, 6:3, 0:6, 3:6 geschlagen geben. Haas-Ersatz Philipp Petzschner hatte zuvor gegen Davydenko-Ersatz Michail Youzhny mit 4:6, 4:6, 6:3 und 3:6 verloren.

Philipp Kohlschreiber
Hätte zum Helden werden können, scheiterte aber gegen einen starken Igor Andeev knapp: Philipp Kohlschreiber.
© dpaZoomansicht

Am Ende wackelte Igor Andreev noch einmal. Letztlich setzte sich der Russe aber dank seiner überragenden Vorhand durch. Wie schon 1995, als Deutschland die traumatische Halbfinalniederlage in Moskau kassiert hatte - Michael Stich vergab neun Matchbälle -, verpasste das DTB-Team das erste Davis-Cup-Finale seit dem Triumph gegen Australien 1993 knapp, wenn auch nicht so knapp wie vor zwölf Jahren. Der Held für den Titelverteidiger, der im Finale in den USA gegen Andy Roddick und Co. antreten muss, war dagegen natürlich Andreev, der schon das erste Einzel mit 6:2, 6:2, 6:2 gegen einen ganz schwachen Tommy Haas gewonnen hatte.

Zu Beginn des Matches machten beide Kontrahenten einen sehr guten Eindruck, Andreev brillierte mit der Vorhand, angeblich die beste auf der Tour nach der von Rafael Nadal, Kohlschreiber mit der Rückhand. Beide hatten wenige Probleme mit ihrem Service - bis Kohlschreiber beim Stand von 3:4 aufschlug: Mit einem Doppelfehler kassierte er das entscheidende Break, angetrieben von 4000 Zuschauern, die alles gaben, holte sich Andreev schließlich den ersten Durchgang mit 6:3. Zwar ist der Russe fünf Plätze hinter Kohlschreiber (32) notiert; man darf jedoch nicht vergessen, dass der Sandplatzspezialist 2006 lange verletzt war. Auch Kohlschreibers bisherige Bilanz von 0:4 zeigt, was Andreev drauf hat.

Im zweiten Satz jedoch zeigte Kohlschreiber, warum er derzeit Deutschlands Nummer zwei ist: Erst wehrte er einen Breakball ab, dann holte er sich mit einem traumhaften Rückhand-Longline-Return das Break zum 4:2. Diesen Vorsprung gab der Augsburger nicht mehr her - 6:3. Doch plötzlich war ein Bruch im Spiel des Deutschen. Es wollte nichts mehr klappen, während Andreev kaum noch Fehler machte. Ein billiger Netzfehler sorgte für das frühe Break, Kohlschreiber brachte kein Bein mehr auf den Boden und musste mit 0:6 klein beigeben.

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Das Davis-Cup-Wochenende in Bildern
Bejubelt, getröstet, verabschiedet
Igor Andreev und Philipp Kohlschreiber
Untröstlich I

Da war es besiegelt: Sieger Igor Andreev versuchte nach seinem entscheidenden 6:3, 3:6, 6:0, 6:3-Sieg Verlierer Philipp Kohlschreiber aufzubauen.
© dpa

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Nun war er gefordert, er musste die nächsten beiden Sätze gewinnen. Und das war ihm bewusst: Kohlschreiber nahm seinem Gegenüber den Aufschlag gleich ab - um dann aber durch einen weiteren missratenen Vorhandschlag das Rebreak zu kassieren. Wieder war der Druck da und diesmal hatte Andreev die besseren Aktionen, beim Stand von 5:3 servierte er zum Matchgewinn. 40:0 stand es schnell, Kohlschreiber wehrte alle Matchbälle ab, holte sich die Breakchance, vergab - und verlor schließlich nach 2:39 Stunden.

Youzhny hielt Russland gegen Petzschner im Spiel

Zuvor hatte Philipp Petzschner seinen größten Triumph in seiner noch jungen Karriere verpasst. Der 23-Jährige verpasste im Duell mit Michail Youzhny den vorzeitigen dritten Punkt für das deutsche Team und damit den Finaleinzug. Im Hexenkessel der Moskauer Olympiahalle musste Petzschner dem in der Weltrangliste 189 Plätze besser positionierten Russen den Sieg überlassen.

Eigentlich hätte das Duell Tommy Haas gegen Nikolai Davydenko heißen sollen, doch die deutsche Nummer 1 fiel mit einem Magen-Darm-Virus aus ("Ein angeschlagener und schwacher Tommy Haas hat auf dem Platz nichts zu suchen."), die russische Nummer 1 wegen einer Handgelenksverletzung. Petzschner, der erst um 8.30 Uhr von seinem neuerlichen Einsatz erfahren hatte, war zunächst geschockt: "Ich habe gedacht 'scheiße'. Ich hatte volles Vertrauen in Tommy und Philipp." Im Doppel hatte er an der Seite von Alexander Waske noch brilliert und die 2:1-Führung besorgt.

Philipp Petzschner
Schlug sich wacker, verlor dennoch: Philipp Petzschner.
© imago

Bei seinem Einzelauftritt spielte sein Gegner Youzhny gerade zu Beginn seine Erfahrung aus, Petzschner machte im Gegensatz zu seinem grandiosen Doppelauftritt viele leichte Fehler, der Aufschlag kam nicht - und schon waren die ersten beiden Sätze mit 4:6 und 4:6 verloren. Dabei hatte der deutsche Newcomer auch gegen das lautstarke Publikum zu kämpfen, das jeden seiner Fehler beklatschte und sich auch während der Ballwechsel zu Wort meldete. Youzhny, im Grunde der einzige aus der russischen Mannschaft, der es versteht, mit emotionalen Gesten das Publikum auf seine Seite zu bringen, verwandelte die Olympiahalle in den gefürchteten Hexenkessel.

Erst im dritten Satz hatte Youzhny Probleme, Petzschner fand seinen Rhythmus und holte sich den Satz mit 6:3. Doch insgesamt zeigte der Russe, warum er derzeit Weltranglisten-17. ist, nach 2:47 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball. "Ich habe alles probiert, aber es war spielerisch nicht gut. Ich habe leider nicht das gezeigt, was ich kann", resümierte Petzschner: "Nach dem Doppel war irgendwie der Druck bei mir raus." Der deutsche Nachrücker aus Bayreuth machte auch ein mentales Problem als Grund für die Niederlage aus: "Am Samstag dachte ich, es ist geil, für Deutschland zu spielen. Heute habe ich nachgedacht, was passiert, wenn ich verliere oder gewinne. Ich muss lernen, mit diesen Drucksituationen umzugehen."

"Unser Traum ist abrupt zu Ende gegangen", sagte ein sichtlich frustrierter Teamkapitän Patrik Kühnen nach der 2:3-Entscheidung - schließlich hatte sein Team ja hoffnungsvoll mit 2:1 geführt. "Dennoch haben wir als Mannschaft einiges geleistet, und für das deutsche Tennis insgesamt war es sicher ein gutes Davis-Cup-Jahr."

23.09.07
 
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