Querschnittsgelähmte Olympiasiegerin akzeptiert ihr Schicksal

Vogel: "Ich möchte ins Leben zurück"

Rad - 12.09. 12:57

Die querschnittsgelähmte Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel hat bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach ihrem schweren Trainingsunfall viel Zuversicht verbreitet. Die 27-Jährige zeigte sich überwältigt von der weltweit großen Anteilnahme. Ihr Schicksal, dass sie nicht mehr wird laufen können, hat sie akzeptiert: "Das ist Fakt."

Möchte auf möglichst viel Hilfe in Zukunft verzichten: Kristina Vogel. © picture alliance

Vogel hat sich von der Anteilnahme an ihrem Schicksal überwältigt gezeigt. "Ich hätte niemals gedacht, dass das so eine Welle schlägt. Das war berührend, das war herzzerreißend und hat mir positive Energie gegeben", sagte die 27 Jahre alte Sportlerin am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn. "Ich habe vor Freude geweint, als ich aus dem Koma erwacht bin und gemerkt habe, welche Anteilnahme es auf der ganzen Welt gibt", sagte Vogel, die sich nach ihrem "Spiegel"-Interview erstmals öffentlich äußerte.

Seit zweieinhalb Monaten wird die Ausnahmeathletin, die seit ihrem Trainingssturz vom 26. Juni vom siebten Brustwirbel abwärts gelähmt ist, in der Berliner Spezialklinik behandelt. Am Wochenende fährt sie zum ersten Mal nach dem Unfall für ein paar Tage nach Hause nach Erfurt. "Ich freue mich unheimlich, wieder im eigenen Bett zu liegen, selbst zu kochen, das erste Mal die eigenen Wände zu spüren, allein zu sein mit meinem Lebensgefährten", sagte Vogel vor etwa 80 Journalisten. "Ich möchte ins Leben zurück und auf möglichst viel Hilfe verzichten." Ihre Reha will sie in Marzahn bis Weihnachten fortsetzen und danach in ihr neu gebautes Haus in Erfurt umziehen.

Vogel: "Vielleicht gewinne ich meine zwölfte Goldmedaille einfach woanders"

Seit dieser Woche dürfe sie "schon wieder richtig Sport machen", sagte Vogel. "Ich war gestern schon beim Rollstuhltraining. Der Ehrgeiz ist geweckt." Sehr dankbar sei sie ihrer Familie, ihrem Lebensgefährten Michael und der Bundespolizei, die ihr alle Kraft gegeben hätten. "Michael hat die ersten Nächte auf dem Stuhl nebenan geschlafen", erzählte sie. "Ich hab' durch ihn einen sicheren Halt. Ich weiß: Er ist immer für mich da." Athletensprecherin des Weltverbandes UCI wolle sie "auf alle Fälle" bleiben.

Vom Traum, mit einem zwölften WM-Titel zur alleinigen Rekordhalterin aufzusteigen, muss sich die frühere Bahnrad-Sprinterin dagegen verabschieden. "Ich weiß, dass ich in meinem Leben nicht mehr selbstständig laufen werde. Das ist Fakt", sagte Vogel, die ihren Optimismus dennoch nicht verloren hat: "Ich hätte gern den Rekord für mich gehabt. Das ist der Traum, der mir verwehrt bleibt. Aber vielleicht gewinne ich meine zwölfte Goldmedaille einfach woanders."

tru/sid/dpa