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31.07.2018, 13:30

Interview mit Sunweb-Profi Nikias Arndt

Arndt: "Werde weiter nach einem Etappensieg jagen"

Hinter Nikias Arndt liegen drei harte Wochen bei der 105. Tour de France. Der Sunweb-Profi berichtete für den kicker in einem "Tour-Buch" direkt aus dem Fahrerfeld über die Tage in Frankreich. Zum Abschluss nahm sich Arndt Zeit für den kicker und sprach im Interview unter anderem über Rang zwei von Sunweb-Kapitän Tom Dumoulin, seine Hoffnungen auf einen Etappensieg, seine Rolle als "Road Captain" sowie die Einführung des Videobeweises im Radsport...

Nikias Arndt
Nikias Arndt ist mit seinem und dem Teamergebnis bei der diesjährigen Tour de France "superzufrieden".
© imagoZoomansicht

kicker: Herr Arndt, nach drei Wochen Höchstleistung ging am Sonntagabend die Tour de France in Paris zu Ende. Worauf haben Sie sich ganz besonders gefreut?

Nikias Arndt (26): Das Schönste an der letzten Etappe ist der Moment des Abschaltens: Der gesamte Druck fällt in diesem Moment ab und wir können nach drei Wochen erstmals wieder relaxen und müssen nicht darauf schauen, was morgen passiert. Endlich können wir auch den Erfolg und die Leistung in Ruhe genießen. Nach dem Finale haben wir gemeinsam und mit Freunden Pizza gegessen und mit einem Bier angestoßen.

kicker: Ihr Kapitän Tom Dumoulin beendete die Tour als Zweiter und fuhr den erhofften Tagessieg ein. Sind Sie persönlich damit zufrieden oder hätte es auch mehr sein dürfen?

Arndt: Die Hoffnung auf das Gelbe Trikot haben wir bis zum Ende verfolgt, wir sind Sportler und wollen immer gewinnen. Aber das Team Sky war so stark aufgestellt, dass wir uns irgendwann realistisch eingestehen mussten, dass Rang eins nicht möglich ist. Der zweite Platz in der Gesamtwertung ist aber definitiv mehr, als wir uns erwartet hatten. Wir sind alle superzufrieden.

kicker: Sie selbst waren im vergangenen Jahr einmal Etappenzweiter, in diesem Jahr einmal Siebter und einmal Neunter. Wann klappt es bei Ihnen mit einem Tagessieg?

Arndt: Dieses Ziel habe ich immer vor Augen. Dieses Jahr war es aber schwer, da wir mit Tom (Dumoulin, d.Red.) einen Leader im Team hatten, der auf die Gesamtwertung fuhr. Dann ist es schwer, selbst auf Ergebnisse zu fahren, da die gesamte Unterstützung unserem Kapitän gehörte. Meine Leistung ist auf alle Fälle da, aber die Umstände müssen eben auch passen. Ich verfolge das Ziel weiter, vielleicht passiert es im nächsten Jahr, vielleicht in zwei Jahren. Ich jedenfalls werde nicht aufhören, nach einem Etappensieg bei der Tour zu jagen.

kicker: Sie suchen ihr Glück besonders in Sprints. Ein spektakuläres, aber oft auch gefährliches Finale, bei dem es häufig zu Stürzen kommt. Wie gehen Sie die Schlussspurts an?

Arndt: Es ist definitiv so, dass im Finale wesentlich härter gefahren wird als beim Rest einer Etappe. Es ist eine mentale Herangehensweise, ich muss meine Ellenbogen ausfahren und meine Position verteidigen. Ich gehe selbstbewusst ran und versuche, mich vorne zu behaupten.

Videobeweis? - Arndt beurteilt Einführung als "positiv für den Radsport"

kicker: In diesem Jahr gab es keine größeren Stürze bei den Sprints. Ein Erfolg des Videobeweises, der bei der diesjährigen Tour sein Debüt feierte?

Arndt: Ich sehe die Begründung eher darin, dass vor den eigentlichen Sprintfinals schon sehr hart, aggressiv und selektiv gefahren wurde. Deshalb waren die richtigen Sprints auf dem letzten Kilometer schon recht ausgedünnt, selten ging das komplette Feld auf die Zielgerade. Aber insgesamt ist die Einführung des Videobeweises gut für den Radsport.

kicker: Allerdings sind sie mittlerweile nicht nur reiner Sprinter, sondern kommen auch gut über die Berge, nach Simon Geschke waren sie im Gesamtklassement bester deutscher Fahrer. Geht bei Ihnen die Entwicklung auch in Richtung Allrounder?

Arndt: Auf jeden Fall. Es hat sich in den letzten Jahren bereits gezeigt, dass ich gut über die Berge komme. Das ist natürlich gut für die Klassiker. Doch auch bei Rundfahrten geht die Richtung immer mehr zu den Allroundern, die die selektierten Sprints gewinnen, wo die Spezialisten bereits abgehängt sind.

Als "Road Captain" der verlängerte Arm des sportlichen Leiters

kicker: Sie waren bei der Tour erstmals "Road Captain" im Team. Was waren Ihre Aufgaben?

Arndt: Da gehört einiges dazu und es geht eigentlich schon vor der Tour los. Zusammen mit dem Sportlichen Leiter habe ich mir die Etappen angeschaut, wo es welche Möglichkeiten geben könnte. Dann kommt die Streckenvorbereitung, wobei auch Videos und Material aus "Google Earth" zum Einsatz kommen, da wir nicht jeden Zielort vorab besichtigen konnten. Am Abend vor der nächsten Etappe spreche ich die Tagesziele für den kommenden Tag an. Im Rennen dann bin ich der verlängerte Arm des Sportlichen Leiters. Wir stehen über Funk ständig in Kontakt. Wenn aber im Rennen eine schnelle Entscheidung getroffen werden muss, bin ich der ausführende Fahrer, der das Team zusammenhalten muss.

kicker: Welchen zeitlichen Aufwand nimmt die Rolle als "Road Captain" in Anspruch?

Arndt: Das allgemeine Gespräch mit den Sportlichen Leitern um die Auswertung bzw. Planung der jeweils aktuellen Etappe ist relativ schnell gemacht. Das nimmt nicht ganz so viel Zeit in Anspruch, wir setzen uns 20 Minuten zusammen und sprechen das durch.

kicker: Wie kann man sich ihre Arbeit während einer Etappe konkret vorstellen? Zum Beispiel auf der 6. Etappe zur Mur-de-Bretagne, als ihr Kapitän Dumoulin zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt einen Defekt hatte.

Arndt: Tom war bei mir am Hinterrad, die ersten, ganz schnellen Entscheidungen habe ich mit ihm persönlich ausgemacht. Auch mit Simon Geschke, der Tom sein Laufrad lieh, habe ich direkt kommuniziert. Sobald es dann wieder losging und auch Fahrer auf Tom gewartet hatten, lief der Kontakt mit unserer sportlichen Leitung über Funk ab.

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kicker: Herr Arndt, in einem Ihrer "Tour-Buch"-Beiträge erwähnten Sie, dass Sie nach einer schweren Etappe abends auch mal gerne Gummibären essen, da Sie sich keine Gedanken über Gewichtszunahme machen müssen. Haben Sie stattdessen Gewicht verloren?

Arndt: An und für sich probieren wir, während der Tour nicht abzunehmen. Dazu gab es während der Tour insgesamt drei Fett- sowie drei Gewichtsmessungen. Es ist wichtig, genügend Kalorien zu sich zu nehmen, um die Energie für den kommenden Tag wieder zu haben. An den extremen Bergetappen haben wir zum Beispiel einen Verbrauch von 8500 Kilokalorien.

kicker: Wie geht es nach dem Ende der Tour nun sportlich mit Ihnen weiter?

Arndt präsentiert sich bei Kriterien und den Cyclassics den deutschen Fans

Arndt: Ich bin in dieser Woche bei kleineren Kriterien in Deutschland unterwegs. Unter anderem werde ich mich in Krefeld, Neuss, Bad Homburg und Bürstadt den deutschen Fans präsentieren. Das nächste größere Rennen werden für mich die Cyclassics in Hamburg am 19. August sein. Bei der Deutschland Tour (23. - 26. August) werde ich dagegen nicht an den Start gehen. Da ich aber in Köln lebe und ein Etappenziel Bonn ist, werde ich an die Strecke kommen.

kicker: Eine abschließende Frage noch zu Lawson Craddock. Ihr ehemaliger Teamkollege hat trotz Schulterbruchs bis Paris durchgehalten und eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Was sagen Sie zu seiner Leistung und seiner Idee?

Ich finde es den Wahnsinn, da kann man nur seinen Hut davor ziehen.Nikias Arndt über Lawson Craddock

Arndt: Ich finde es den Wahnsinn, da kann man nur seinen Hut davor ziehen. Ich hatte nach seinem Sturz große Zweifel, ob es klappen kann, und sehr viel Respekt, dass er sich der Herausforderung stellte. Ich war von seiner Leistung sehr beeindruckt und habe auch gesehen, wie erleichtert Lawson war, als er in Paris ankam.


Nikias Arndt ist gebürtiger Niedersachse, war in seiner Jugend vornehmlich auf der Bahn unterwegs und auch erfolgreich. 2010 wechselte er dann auf die Straße zum Team LTK Brandenburg, das sich die Ausbildung von U-23-Fahrern auf die Fahnen geschrieben hat. 2013 zog es ihn dann zur damaligen Equipe Argos-Shimano. Arndts Stärken liegen bei Eintagesrennen sowie im Sprint. Im Massenspurt feierte er auch seine bisher größten Erfolge. So im Jahr 2016, als er die 21. Etappe des Giro für sich entscheiden konnte. Ein Jahr später gewann er ebenfalls im Spurt mit dem Cadel Evans Ocean Road Race sein erstes Eintagesrennen auf der UCI-WorldTour. Bei der Tour de France war er in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei.

Interview: Jörg Wieserner

 

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