Texaner erreicht Paris und sammelt Spenden

Craddock: Der Held mit der Nummer 13

Rad - 30.07. 13:35

Auch die 105. Tour de France schrieb wieder Geschichten. Von Gewinner und Verlierern, von verrückten Fans und nahezu unglaublichen Leistungen. So wie Lawson Craddock. Der US-Amerikaner wurde im Gesamtklassement zwar Letzter, in Paris flogen ihm allerdings die Herzen zu.

Lawson Craddock wurde in Paris Letzter, kann sich aber als Sieger der Herzen fühlen. © picture alliance

"Tour der Leiden" - so wird die Frankreich-Rundfahrt angesichts der Strapazen, die sie den Fahrern abverlangt, auch genannt. Und keiner musste in den drei Wochen im Juli 2018 so leiden wie Lawson Craddock. Der EF-Drapac-Profi stürzte gleich auf der 1. Etappe und zog sich dabei neben ebenso schweren wie sichtbaren Gesichtsverletzungen einen Schulterbruch zu.

Klassisches Sturzpech für den Mann mit der Startnummer 13, die bekanntlich nicht wenige Menschen mit Unglück in Verbindung bringen. Craddock aber dachte nicht eine Sekunde daran, sich in den Besenwagen zu setzen. "Ich bin Texaner, wir sind zum Kämpfen geboren", sagte der 26-Jährige und kämpfte sich ins Ziel.

Dort fiel noch am Abend der 1. Etappe die Entscheidung weiterzufahren. "Ich hatte ein so schweres letztes Jahr und wollte so schrecklich gerne diese Tour bestreiten. Also, wenn ich doch immer noch auf dem Rad sitzen und irgendwie fahren kann, warum es also nicht weiter versuchen? Nicht nur für mich, sondern auch für andere?", fragte Craddock.

Über 224.500 US-Dollar an Spendengeldern

Lawson Craddock nach seinem Sturz auf der 1. Etappe. © imago

Und so fuhr Craddock sein eigenes Rennen - und womöglich sein wichtigstes. Denn der 26-Jährige verband seinen heroischen Kampf mit einer Wohltätigkeitsaktion. Für jede Etappe, die er beenden würde, spende er 100 Dollar für das Velodrom in seiner Geburtsstadt Houston, das vom Wirbelsturm Harvey im letzten Jahr schwer beschädigt worden war. Und knüpfte seine Aktion an einen Spendenaufruf: "Noch wer dabei?" fragte er über seine sozialen Kanäle. Die Reaktionen waren überwältigend, Heerscharen zückten das virtuelle Portemonnaie. Bis Montag sind über 224.500 Dollar auf diesem Weg zusammengekommen.

"Ich möchte nicht als großer Radfahrer in Erinnerung bleiben, sondern alles, was ich in meiner Rolle vermag, dafür aufbringen, um anderen zu helfen und die Liebe zum Radsport zu verbreiten."

Lawson Craddock

Craddock erreichte am Sonntagabend tatsächlich Paris: Mit einem Rückstand von 4:34,19 Stunden Rückstand auf Tour-Triumphator Geraint Thomas. Als 145. und Letzter. Und dennoch als Sieger der Herzen. Nicht als Träger der "Roten Laterne" wird der Texaner in Erinnerung bleiben, sondern womöglich als härteste Nummer 13 aller Zeiten.

"Wenn jemand in 20 Jahren zurückschaut und sagt 'Oh, Craddock, das war ein großartiger Radfahrer' - darauf wäre ich nicht stolz. Ich möchte nicht als großer Radfahrer in Erinnerung bleiben, sondern alles, was ich in meiner Rolle vermag, dafür aufbringen, um anderen zu helfen und die Liebe zum Radsport zu verbreiten", sagte Craddock mit typisch US-amerikanischen Pathos und nicht ohne eine gehörige Portion Kitsch. Aber gelungen ist ihm sein Vorhaben in den letzten drei Wochen allemal.

jer/sid