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15.07.2018, 16:15

9. Etappe: Arras Citadelle - Roubaix (156,5 km)

Degenkolb gewinnt dramatisches Spektakel in Roubaix

John Degenkolb hat auf der 9. Etappe den ersten deutschen Sieg und seinen ersten Etappenerfolg bei der Tour de France eingefahren. Auf dem Weg von Arras nach Roubaix mussten die Fahrer über 15 Kopfsteinpflasterpassagen, was zahlreiche Sturzopfer zur Folge hatte. Doch Degenkolb, der 2015 bereits den Klassiker Paris - Roubaix gewonnen hat, kam ohne Defekt und Stürze über die Pavés und feierte einen eindrucksvollen Sieg beim bisher größten Spektakel der diesjährigen Rundfahrt.

John Degenkolb
Erster Tour-Erfolg: John Degenkolb feiert einen großen Sieg.
© Getty ImagesZoomansicht

Direkt neben dem altehrwürdigen Velodrom siegte Degenkolb, der am Sonntag mit Tränen in den Augen durchs Ziel fuhr, nach 156,6 Kilometern vor Greg Van Avermaet und seinem belgischen Landsmann Lampaert. "Es ist so schwer, das jetzt in Worte zu fassen. Ich habe eine unfassbar schwere Zeit hinter mir. Meine Familie stand immer hinter mir, und es ist das Beste, was es gibt, und das Schönste auf der Welt, dass ich ihr das jetzt zurückgeben kann", sagte der völlig fertige und dreckverschmierte Sieger in der ARD. Bei einem schweren Unfall im Januar 2016 war Degenkolb schwer verletzt worden, die Karriere des Trek-Segafredo-Profis hing am seidenen Faden.

Degenkolb gewann den Spurt des Trios, das sich auf der drittletzten Kopfsteinpflaster-Passage abgesetzt hatte, aus der ungünstigen Spitzenposition. Olympiasieger Van Avermaet konnte seinen Vorsprung an der Spitze des Gesamtklassements als Etappen-Zweiter ausbauen.

Froome stürzt - Bardet verliert Zeit

Viele Fahrer gingen beim Roubaix-Wahnsinn über 21,7 Kilometer Buckelpiste zu Boden. Von den Topfavoriten kamen der ebenfalls gestürzte viermalige Toursieger Chris Froome, Tom Dumoulin und Vincenzo Nibali trotzdem am besten mit den widrigen Umständen zurecht. Mitfavorit Romain Bardet verlor dagegen im Kampf um das Gelbe Trikot durch drei Defekte wertvollen Boden, genau wie der Spanier Mikel Landa durch einen Sturz.

Martin und Porte waren den Tränen nahe. Der Australier musste wie 2017 die Tour vorzeitig verlassen. Bei einem Massensturz 37 Kilometer vor dem ersten Sektor des gefürchteten Kopfsteinpflasters schied der große Herausforderer des viermaligen Toursiegers Froome aus. Zu diesem Zeitpunkt war der am Vortag vor Amiens gestürzte Martin mit einem Rückenwirbel-Bruch schon auf der Heimreise.

Martin: "Die Roubaix-Etappe war eigentlich mein Tour-Highlight"

"Weiterzufahren wäre nicht zu verantworten gewesen. Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, die Roubaix-Etappe war eigentlich mein Tour-Highlight", sagte Martin. "Ich bin mit großer Geschwindigkeit auf Kopf und Rücken gefallen - mehr oder weniger ungebremst. Jetzt habe ich erstmal vier Wochen Fahrverbot". Sein WM-Start erscheint gefährdet.

Video zum Thema
TdF 2018 - 9. Etappe- 16.07., 01:49 Uhr
Degenkolb-Sieg bei Sturz-Festival auf Kopfsteinpflaster
John Degenkolb hat bei der Tour de France für den ersten deutschen Etappen-Sieg gesorgt. Nach wilder Kopfsteinpflaster-Schlacht siegte der 29-Jährige dank eines starken Schlussspurts.
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Angesichts der puren Dramatik der neunten Etappe waren die Aufreger des Samstags - Stunk im Team von Marcel Kittel und die Jury-Bestrafung gegen André Greipel - in den Hintergrund gerückt. Altmeister Greipel fand sich nur schwer mit seiner Zurücksetzung von Rang zwei auf Platz 92 wegen seines Gerangels mit dem drittplatzierten Fernando Gaviria im Schlussspurt der achten Etappe ab. Er fühlte sich "um den Etappensieg beraubt". Den hatte sich in Amiens wieder ziemlich souverän der Niederländers Dylan Groenewegen gesichert, der am Sonntag auch zu den zahlreichen Sturzopfern gehörte.

Kittel: "So was sollte man intern klären"

Kittel, dessen Teamleitung ihm Egoismus und zu wenig Effektivität vorwarf, stellte sich auf der gefährlichen Roubaix-Etappe in den Dienst Ilnur Zakarins. Der zierliche Russe ist bei Katusha-Alpecin der Mann für das Gesamtklassement. Kittel-Manager Jörg Werner will am Ruhetag in Albertville in einem gemeinsamen Gespräch versuchen, die Gemüter zu beruhigen.

Der im Vorjahr wegen seiner Siegesserie von fünf Etappenerfolgen in Frankreich als "Le Kaiser" verehrte Thüringer hat nach vier Massensprints bei dieser Tour nicht mehr als Platz drei zum Auftakt in Fontenay-le-Comte vorzuweisen. Die Wortmeldung seines Teamchefs Torsten Schmidt ("Ich hoffe, er fährt weiter") könnte sogar auf einen baldigen Ausstieg Kittels hindeuten. Wahrscheinlich nur die Final-Etappe auf die Champs Èlysées böte ihm noch eine realistische Chance auf einen Etappensieg. In Paris siegte er 2013 und 2014.

Am Start in Arras äußerte sich Kittel kurz zum dem Trouble um seine Person: "So was sollte man intern klären und nicht über die Zeitung".

dpa

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